ADAGIETTO AUS LIEBE ...
... also wenn sie
da mit der Werbung nicht ein bißchen übertreiben.
Jedes Mal, wenn ich zum Gewandhaus zu einem Konzert oder in die Oper nach Leipzig ging, prangerte gleich neben dem Gewandhaus ein riesiges Plakat oder wehten mir riesige Fahnen mit dem Bild des Dirigenten Fabio Luisi entgegen und jedes Mal dachte ich mir, was für eine furchtbare Reklame. Armer Kerl, er muß ja schon Alpträume davon haben.
Jedes Mal, wenn ich die Homepage des mdr aufblättere grinste mir sein Gesicht entgegen. Und jedes Mal dachte ich 'die spinnen'. Aber ok, wenn sie mir schon dauernd sein Foto unter die Nase halten, werde ich ihn mal ausprobieren.
Komischerweise konnte und
kann ich mir trotzdem nicht seinen Namen merken, obwohl der doch gar nicht so
kompliziert ist. Somit rief ich meinen besten Kumpel Thomas an: "Hast Du Lust zu
einem Konzert mit Fabi... irgendwas?" "Wer?" "Na der Dirigent mit dem der mdr
immer solche Wahnsinns Reklame macht?" "Hmmm echt? ... kann ich mich nicht
erinnern.... was dirigiert er denn?" "Mahler" "Ah gut, komme ich mit..." ....
Typisch Mann, ich wette, wenn da eine Dirigentin gehangen hätte, hätte er sich
bestimmt erinner
n können - naja aber immerhin, an Mahler konnte er sich
erinnern.
Somit war das Konzert gestern mein erstes mdr Konzert und ich mußte feststellen, daß es fast um die Hälfte billiger war als die großen Konzerte des Gewandhauses und DAS fand ich schon mal super.
Trotz eines netten
Staus wegen einer der schönen Baustellen, über die sich Frau
Bergmann jedes Mal so freut, bekam
ich widererwartend doch noch mein Dinner im "Augustus". Diesmal leider wieder
nicht so toll, aber immerhin machte es satt. Das Konzert begann glücklicherweise
erst 20:00 Uhr und somit schafften wir es pünktlich, satt und zufrieden in der
Halle unter Sighard Gilles furchtbaren Gemälde anzukommen. Von weitem lächelte uns schon der Dirigent
entgegen. Selbst hier hatten sie es nicht versäumt ein Bild von ihm
aufzustellen. Da fragt man sich doch, was ist eigentlich mit dem Orchester? Die
machen ja schließlich die ganze Arbeit.
"Der Dirigent schimpft immer mehr über den Klang des Orchesters, bis dieses einmal komplett den Einsatz verweigert.
Der Konzertmeister erklärt dem Dirigenten: "Sehen sie, so klingt ein Taktstock!"
Sie könnten doch
von jedem ein Bild aufstellen und so hätte man eine nette Galerie, oder Straße
der Besten, wie man früher zu s
agen pflegte.
... noch einer, weil's so schön war: "Kennst du die Geschichte, in der der Dirigent mit 'nem Strick in den Wald geht?" "Ich auch nicht, aber sie fängt ganz gut an!"
Hehe, sorry, aber ich konnte mich einfach nicht bremsen. Da wo die her sind, gibt es übrigens noch mehr... bin durch Zufall drüber gestolpert, als ich auf der Suche nach Cliparts für meine Homepage war und komme jetzt aus dem Lachen nicht mehr heraus.
... aber jetzt
weiter mit dem eigentlichen Thema.
Hehe.... wo waren wir? LOL... nein, noch
einer:
Drei große Dirigenten streiten sich, wer von ihnen der Größte sei.
"In der Presse steht immer, daß ich der größte Dirigent sei."
Meint der zweite: "Mir ist vor kurzem der liebe Gott erschienen und sagte, ich wäre der Größte."
Darauf der dritte: "Was soll ich gesagt haben?"
So, jetzt aber Schluß. 'Jana! Bleib endlich mal ernst! Was sollen deine Leser nur von dir denken?! Sie erwarten hier einen ernsten Bericht und du reist Witze über Dirigenten - tztztz - schäm dich was!'
Diesmal hatten wir
wieder super Plätze in der Mitte und somit auc
h einen herrlichen Blick auf
Orchester und Dirigent. Das mdr Sinfonieorchester betrat das Geschehen und
stimmte seine Instrumente. Die Leute um uns herum schwatzten noch und nur
langsam kehrte Ruhe ein. Als es dann endlich still war, erschien der Star der
Plakate und steuerte schnurstracks auf sein Podium zu. Irgendwie hatte ich den
Eindruck er will die Sache so schnell wie möglich hinter sich bringen.
Wahrscheinlich nervt ihn das alles schon und er würde lieber einen Abend zu
Hause bei seiner Familie verbringen. Ist ja auch kein Wunder, da er Chefdirigent
von drei Orchestern ist und irgendwas von GMD habe ich auch irgendwo gelesen, bleibt für diese sicherlich wenig Zeit
- armer Bursche, als ob es nicht genügend andere für diese Jobs geben würde.
Man, muß der gut sein! ... oder eben gute Reklame.
Er begann ohne Zeit
zu verlieren mit Felix Mendelsohn Bartholdys Ouvertüre "Ruy Blas" u
nd das
Orchester folgte ihm gelassen. Ich kannte diese Ouvertüre nicht, aber sie gefiel
mir sehr gut. Am Anfang schien sie mir ein bißchen sehr leise und zaghaft, wohl
weil sie auch nur von einer kleinen Orchesterbesetzung gespielt wurde.
Fabio Luisi zeigte uns eine herrliche Showvorstellung, so daß ich gar nicht hinsehen konnte. Oder liegt das etwa am italienischen Blut? Am Anfang schien er mir etwas steif mit sehr ausschweifenden, übertriebenen Gesten, aber dann wurde er immer zappeliger und sprang umher wie ein Äffchen. Das Orchester jedenfalls schien diese merkwürdige Gestik zu verstehen, denn sie spielten meiner Meinung nach perfekt. Ich jedenfalls mußte mir einen anderen Bezugspunkt suchen, denn der machte mich ganz wirr.
Nein, ich mag diese
Showvorstellungen der Dirigenten für das Publikum nicht und ich verstehe auch
nicht wozu das gut sein soll. Fabio Luisi zumindest, hätte so etwas eigentlich
nicht nötig, denn das, was er da mit sein
em Orchester produzierte, klang
wirklich super. Nein, da mag ich den ruhigen Stil von Heribert Esser oder
Herbert Blomstedt lieber. Auch dem Finnen Ari Rasilainen aus meinem letzten
Konzert oder sogar Ingo Metzmacher, den ich die Hamburger Philharmonie
dirigieren sah, konnte man herrlich zuschauen ohne an Zirkus und Akrobatik zu
denken.
Irgendwie paßte seine ganze Gestik überhaupt nicht zu dieser wunderschönen Musik.
Nach Mendelssohn
folgte Jean-Luc Darbellays "A Quatro" für 4 Hörner und Orchester. Seine Musik
kannte ich schon aus irgendeinem früheren Konzert und fand sie schon damals Spitze. Und das Hörner super
klingen können, habe ich im letzten
Konzert erfahren. Bernhard Krug spielte das
Horn Solo in Richard Strauss' Konzert für Horn und Orchester Nr. 2. Das war bis
jetzt das Beste, was ich jeh von Strauss gehört habe. ... und wo ich gerade
dabei bin und da ich wahrscheinlich auch nicht mehr dazu kommen werde einen
Bericht über dieses grandiose Konzert zu schreiben, möchte ich das hier
wenigstens einmal gesagt haben. Das Große Konzert des Gewandhauses am 16.09.04
war einsame Spitze.
Der "Ersatzdirigent" Ari Rasilainen führte das
Gewandhausorchester erstklassig durch die atemberaubende Musik. Von der ersten
bis z
ur letzten Note ein Genuß und am besten gefiel mir Einojuhani Rautavaaras
"Isle of Bliss". Was für eine wunderschöne Musik. Man fühlt sich sofort auf
seine Insel des Glücks versetzt. So ein schönes Teil aus der modernen Musik habe
ich vorher noch nie gehört. Das war wirklich eine Bereicherung!
Diesmal war also
die moderne Einlage Jean-Luc Darbellay. Ich finde es immer eine gute Idee, daß
man solche kleinen modernen Sachen ab und zu mit einbaut. Ein ganzes Konzert
davon hält man sicherlich nicht durch, aber so ein kleiner Ausschnitt ist immer
interessant. In diesem Fall gefiel mir der kleine Ausschnitt auch wieder sehr
gut, trotz daß er ein unheimliches Gefühl von Tragik, Traurigkeit und
Beklommenheit in mir weckte. Alles klang ein wenig bizarr und ausweglos und ich
hatte irgendwie immer wieder die Bilder von Luis Royo vor
Augen.
Die Musik zog einen hinunter in eine merkwürdige Gefühlswelt.
Komischerweise machte der Komponist überhaupt nicht den Eindruck ein Kind von Traurigkeit zu sein. Ich hätte niemals vermutet, daß das Teil von ihm war. Er lächelte, als ihn der Dirigent auf die Bühne bat und wir durften uns glücklich schätzen an der Ehre teilhaben zu können, einer deutschen Erstaufführung seiner Kompositionen beizuwohnen. Herzlichen Glückwunsch, stürmischer Beifall und einen hübschen Strauß Blumen, über die sich die Ehefrau sicherlich sehr freuen wird - und Pause.
Nach der Pause dann endlich wieder ein Mammutwerk von Mahler. Diesmal seine 5. Sinfonie. Ich liebe diesen Burschen, aber die 5. habe ich gestern zum ersten mal in einem Konzert gehört. Komischerweise erinnert mich diese Sinfonie immer an russische Volksmusik oder Zirkusmusik. Sie ist irgendwie so eine hübsche, bunte, chaotische Musikmischung, aber liebenswert. Der letzte Satz gefällt mir am besten. Den könnte ich stundenlang hören, immer wieder und immer wieder. Fabio Luisi dirigierte erstklassig - wieder ohne jegliche Eleganz, aber die Musik super umgesetzt und wenn man ihn nicht dauernd vor Augen hat, stört das Gezappel ja auch nicht weiter.
Das Orchester in
seiner vollen Stärke kann einen schon ganz schön vom Hocker hauen. Was für eine
geballte Kraft doch dahinter steckt und wie herrlich sie doch in Mahlers Werken
ausgenutzt wird.
Der erste Satz fing so wunderbar zaghaft an und versucht immer lauter zu werden. Aber die Stille setzte sich jedes Mal wieder durch. Die Zirkusmusik trumpfte auf und bekam dann sofort wieder einen Dämpfer. Der Klang im Gewandhaus war brillant. Auch der zweite Satz kam mir ein bißchen chaotisch vor. Wieder dieses herrliche Chaos. Aber vielleicht klang das ja nur für meine Ohren so. Manchmal ein bißchen abstrakt und dann wieder so hübsch melodisch. Es ist immer wieder spannend ihm zuzuhören. Man weiß nie, was kommt und wartet jedes Mal auf die netten kleinen Highlights, die manchmal ganz schon aufbrausen können und durch ihre Lautstärke einen fast vom Sitz blasen.
Der zweite Satz schien gegenüber dem ersten viel unheimlicher. Es kam mir vor wie ein Kampf und der Sieger bekam seinen Triumphmarsch. Die Sonne ging auf und die Nacht war vorbei und ganz zaghaft begannen sie sich im Kreis zu drehen und zu tanzen - waren das etwa Walzertakte, die ich da hörte? Oder waren wir jetzt auf einem Rummelplatz?
Der dritte Satz kam ebenfalls auf leisen Sohlen daher und dann wieder diese hübschen Walzertakte, die aber sofort wieder platt gemacht wurden und sich wieder hochrappeln - was für ein hin- und her. Ich hatte den Eindruck Herr Mahler konnte sich nicht so richtig entscheiden, was er denn nun eigentlich will - aber es war genial. Der dritte Satz steigerte sich in ein erstklassiges Finale und der vierte plätscherte wieder still daher, als ob er sich nach dem letzten Satz ausruhen wollte. Tja und der Fünfte ist das Beste der ganzen Sinfonie, finde ich. Da scheint alles Chaos verflogen und es kehrt wieder Ordnung ein....
Es war ein wunderschönes Konzert und ich meine ein Dirigent wie Fabio Luisi hat diese alberne Reklame um ihn wirklich nicht nötig. Diese Art Publicity läßt nur einen schlechten Beigeschmack zurück und weckt den Eindruck der mdr braucht eine Vorzeigemarionette für seine Konzerte.
... und wenn Herr Luisi meint, er muß dem Publikum eine Show bieten - schön - ich meine, er muß es nicht. Diese merkwürdigen theatralischen Einlagen lenken nur von seiner sehr guten Umsetzung der Musik ab und sind in meinen Augen völlig überflüssig.
Eure Jana
