Embers - Programm zum StückAsche ---

 

--- ist es, die übrig bleibt.

--- nach einem langen Leben des Nachdenkens über Dinge, die nicht mehr geändert werden können, über Dinge, die vergangen sind. 41 Jahre Nachdenken ohne eine Zukunft - Embers - was für ein trauriges Schicksal, was für eine traurige Geschichte, was für ein Wahnsinn!

 

"I don't understand why you're asking me: when you know very well the answer is yes."

 

Wiedermal tippe ich um die Wartezeit zu überbrücken. Diesmal aber sitze ich nicht beim Zahnarzt oder beim Frisör, oder im Autohaus, diesmal sitze ich nach langer Zeit mal wieder im "Blakemore" in London und warte auf Freundin Uli, die eigentlich gleich um die Ecke kommen sollte. Da ist der Weg von Hamburg nach London schon mal kürzer und dann kommt sie immer noch später. Ich Arme mußte heute schon halb 4 in der Nacht aufstehen um den Flieger um 6 zu bekommen. Umso billiger die Flieger, umso früher muß der Wurm gefangen werden. Diesmal ist es Air Berlin, und diesmal so früh am Tage, damit wir heute Abend noch gemütlich zu "Embers" gehen können :-))) Aber als erstes, sobald Uli da ist wird ordentlich gefrühstückt. Mein Magen macht schon Überschläge.

Gestern Abend zu meinem Geburtstag noch schön Essen und im Gewandhaus zu meinem Lieblingsviolinenkonzert von Max Bruch und heute schon wieder in meiner Lieblingsstadt London - Ist das nicht ein herrliches Leben? :-))) und heute Abend dann in die letzte Vorstellung zu "Embers" mit einem meiner liebsten Schauspieler, Jeremy Irons. Ja, das mußte jetzt einfach sein. Wenn so ein brillanter Schauspieler schon mal in London spielt sollte man (oder Frau) das nicht verpassen. Darum haben wir auch kurzentschlossen, von heut auf morgen, diesen kleinen Ausflug nach London gebucht.

Eigentlich gibt es ja wieder viel mehr zu erzählen. Ich wollte Euch noch über das diesjährige Abschlußkonzert der Händelfestspiele in Halle berichten, welches ganz und gar nicht meinem von den letzten zwei Jahren verwöhntem Anspruch entspracht, und von dem gestrigen Konzert im Leipziger Gewandhaus, wo sie leider den phantastischen Dirigenten Andrew Max Bruch 1838-1920 (Quelle: Programm des Gewandhauses) Davis gegen Ion Marin austauschten. Naja, .... war auch nicht schlecht, aber das war leider kein Ersatz für Davis. Dem fehlte irgendwie der rechte Biss für meinen überaus geliebten Max Bruch. Da die beiden Konzerte nun nicht so recht dem Erwünschten und Erhofften entsprachen, werde ich sie hier in diesem Bericht einfach mal schnell und kurz mit ein paar Zeilen unterbringen und mich lieber etwas länger dem Grund für diese Londonreise zuwenden..

Das diesjährige Händelfestspielabschlusskonzert war schlicht und kurz und irgendwie unkoordiniert. Aber gut, ich war ja auch verwöhnt durch die letzten beiden Konzerte, wo Uwe Grodd die Qualitätslatte schon ziemlich hoch gehängt hat. Das waren brillante Konzerte! Abwechslungsreich und perfekt interpretiert. Einfach für jeden etwas dabei. Dieses Jahr hatten wir das komplette Gegenteil: kurz, nur Arien aus "Acis und Galatea", ein Durcheinander beim Hallelujah, merkwürdige Choreinsätze und Feuerwerk im Hellen, da die Feuerwerksmusik viel zu schnell kam, an diesem Abend. Ich hatte den Eindruck der Dirigent (Denis Comtet) hat sich überhaupt keine Gedanken bei der Zusammenstellung des Programms gemacht.

Nein, diesmal war das Abschlußkonzert wirklich nichts Besonderes. --- Embers -- Asche, aber darüber muß man natürlich keine 40 Jahre grübeln, darüber muß man noch nicht mal mehr, als diese paar Zeilen verlieren. Darüber kann man nur hoffen, daß es das nächste Jahr wieder besser wird.

Ähnlich war mein Max Bruch im Gewandhaus - nein, eigentlich um einiges besser, aber trotzdem nicht genügend. Ion Marin war eine hübsche Erscheinung und seine Koreografie gefiel mir auch, aber die Interpretation war nicht das, was ich bei Max Bruch im Kopf hatte. 1000 mal gehört und somit viel zu verwöhnt. Dem Knaben fehlte einfach der Biss oder sagen wir mal die nötige Aggressivität für dieses Stück. Er war zu weich und zu leise und das war nicht das, was ich mir bei Max Bruch wünsche. Naja, meine Wünsche gehen eben auch nicht immer in Erfüllung und vielleicht haben ja Andere auch andere Wünsche.

Im Gegensatz zum Bruch donnerte er allerdings Strauss "Zarathustra" mit lautem Schall durch den Gewandhaussaal. Das war guter Donner, aber nicht der Donner, den ich bei Strauß erwartete. Ja, es war gut, aber es war nicht spannend und es fesselte mich nicht. Ja, es war eben nur gut und nicht brillant. Schade, daß Andrew Davis nicht dirigierte. Der ist brillant!

 

 

 

Szenenwechsel und wieder warten. Diesmal auf dem Flughafen in Stansted und leider schon auf die Maschine für den Rückflug. So ein Wochenende geht immer viel zu schnell vorbei. Ich war doch gerade erst angekommen und schon ist dieses tolle Wochenende wieder rasend schnell vorbeikatapultiert.

St. Pauls Kathedrale - London  Juni 2006Das war diesmal wirklich wieder ein super Wochenende. Das Theaterstück am Samstag, weswegen wir eigentlich an diesem Wochenende in London waren, war hervorragend und dieser Jeremy Irons war sehr charmant. "My pleasure too, Mr. Irons. Es war mir ebenfalls ein Vergnügen Sie getroffen zu haben!"

 

Unser kleiner Spaziergang durch das sehenswürdigkeitenreiche London am Sonntag bei Sonne und guter Laune war sehr entspannend und das Shopping am Montag sehr ergiebig :-)) Also wirklich rundherum ein gelungenes Wochenende in meiner Lieblingsstadt.

Ich könnte Euch soviel darüber berichten, aber damit es nicht zu viel wird - denn ich finde da immer kein Ende beim Schwärmen - werde ich mich auf unser diesmaliges Theatererlebnis besTAS Pide - sehr gutes Restaurant London Juni 2006chränken. Also ich schreibe Euch jetzt hier nichts zu diesem vortrefflichen indischen Restaurant in der St. Martin's Lane, oder zu unserem 12 km Spaziergang durch die Londoner City mit Lunch beim hervorragenden Anatolier in herrlichem Sommersonnenschatten gleich neben dem Globe. Ich erzähle Euch auch nichts, von unserem diesmaligen Kurztrip nach Hampstead in unseren Lieblingspub mit Fußballspiel oder vom Einkaufsbummel in der Regent Street bei Karen Millen, Jaeger & Co. mit hervorragender Ausbeute, und somit auch völlig aufgebrauchtes Budget. Ich werde mich hier schön zurückhalten und mich auf das Hauptereignis dieses Londonbesuches konzentrieren.

 

 

Also dann....

Nach einem ausgiebigen, da englischen Frühstück, bei "Whiteleys", einem kleinen Spaziergang durch den Hydepark und einem entspannenden Mittagsschläfchen in einem für unsere Verhältnisse hervorragendem Hotel begaben wie uns also wieder hübsch in Schale geworfen in das Theatermekka des West End. 

Das erste Mal ins "Duke of York's Theatre" und das erste Mal zu einem Stück mit Jeremy Irons. Da er einer meiner liebsten Sterne am goldenen Schauspiel Himmel ist, war ich natürlich sehr interessiert ihn einmal life in einem Theaterstück zu sehen. The Duke of York's Theatre - London Juni 2006 Jeder weiß, daß Hollywood & Co. nur ein Abklatsch vom Können dieser Leute ist und eigentlich vor lauter Oberflächlichkeit überhaupt nicht die Brillanz dieser Schauspieler nach oben kommen läßt und das man darum sehr gut beraten ist, sich diese Personen nicht im Kino, sondern im Theater anzusehen, wenn man schon mal eine Gelegenheit dazu bekommt. 

Durch meine Verweigerung gegenüber "Universal" Produkten komme ich so gut wie überhaupt nicht mehr in den "Genuss" eines Kinobesuches, aber umso mehr in den Genuss von Theater, Oper und Konzerten. Und ich muß Euch sagen, mir fehlt überhaupt nichts. Die Bühne ist eindeutig die bessere Wahl und so auch hier. Jeremy Irons, Jean Boht und Patrick Malahide spielten hervorragend und alles so nah und so life..... und! So einmalig und individuell. Genau das, was ich liebe, keine Massenware, sondern liebe zum Detail und zur Einzigartigkeit des Augenblickes. Ich kann Celibidache da sehr gut verstehen, daß er es nicht wollte, daß seine Konzerte aufgenommen werden sollten. Das ist einfach nicht das selbe. Das funktioniert nicht. Man kann diese Augenblicke nicht festhalten. Genauso wenig, wie man Urlaubsaugenblicke auf einem Foto festhalten kann. Das ist die Einzigartigkeit des Momentes. Niemals wiederholbar und niemals wiederbringbar und schon gar nicht festhaltbar. Das ist die Vergänglichkeit des Lebens und die Schönheit des Augenblicks. Auch wenn ich hier versuche alles Revue passieren zu lassen und aufzuschreiben, es ist nicht das selbe. Es ist nur eine Erinnerung, ein Hauch des Geschehenen, ein Hauch der Wirklichkeit, verschwommen im Hier und Jetzt. Da weiß man nur eins noch, es war eine gute Sache und es war ein hervorragendes Glücksgefühl und man weiß, es ist die Liebe zum Augenblick, die Liebe zum Nichtwiederbringbaren, Nichtfesthaltbaren, die Liebe zum individuellen Einzigartigen. Keine Massenproduktion, nur das Einzigartige zählt und das ist wunderschön und ich bin froh, daß es in dieser Welt der Globalisierung und Vereinheitlichung noch so etwas gibt und ich werde diese unwiederbringlichen Augenblicke immer lieben und genießen und hoffen, daß es sie immer geben wird in ihren verschiedenen Formen und diesmal eben in der Form eines Theaterstückes.

 

Das "Duke of York's" Theatre ist ein hübsches kleines Theater, wie alle hier am West End. Es öffnete am 10. September 1892 mit dem Stück "The Wedding Eve". Na wenn das nicht schon mal ein gutes Omen ist ;-) Das Theater wurde ursprünglich für Frank Wyatt und seine Frau Violet Melnotte gebaut. Also die Engländer wieder.....

Sie schreiben im Programm, daß Puccini hier "Madam Butterfly" gesehen hat, bevor er seine Oper dazu schrieb. Aha - noch ein gutes Omen, ich liebe Puccini! Also kann mit dem Theaterstück hier auch nichts schief gehen. Das mußte einfach super werden, bei soviel gewichtigem historischem Hintergrund. --- ich frage mich, auf welchem Platz Puccini damals wohl gesessen hat - hmmm.... Parkett Reihe D, Platz 17? ;-)

 

"Embers" wurde am 15. Februar 2006 im Duke uraufgeführt und wir gingen nun zur letzten Vorstellung des Stückes am 24. Juni 2006. Eine ganz schön lange Zeit, in der dieses Stück fast täglich gespielt wurde und selbst bis zu unserer Vorstellung nahezu ausverkauft. Der Inhalt ist eigentlich eher kurz und unkompliziert, aber hat gutes Potential für schauspielerische Dramatik.

Als Dreimannstück, oder eigentlich bis auf kurze Ausnahmen, als Zweimannstück, können sich die Akteure gut mit dem Text auseinandersetzen und die seitenlangen Monologe und etwas kürzeren Dialoge mit Leben erfüllen. Wenn ich diese Seitenlangen Monologe so lese, erinnert mich das immer an die seitenlangen Monologe in Brechts Galileo und ich frage mich, wie kann man Quelle: Programm des Stückes so etwas auswendig lernen und dann auch noch gefühlsbetont interpretieren? Das erscheint mir immer wieder als völlig unmöglich. Ich meine, ein Dirigent hat eine Partitur, Musiker haben Noten woran sie sich halten können, Opernsänger eine Melodie, aber was hat der Schauspieler bei solch langen Texten? Eine Souffleuse? Werde ich Jeremy Irons je noch einmal erwischen, werde ich ihn danach fragen ;-)

Ich habe den Schauspieler Peter W. Bachmann schon einmal danach gefragt und er meinte man merkt sich die Texte passend zu bestimmten Ereignissen auf der Bühne. Das erscheint mir als passable Erklärung uPatrick Malahide - Embers - Juni 2006nd Lösung, aber bei diesem Stück gab es nicht sehr viele Ereignisse auf der Bühne. Naja gut ---- aber es gab ein phantastisches Bühnenbild mit Kamin und Kerzen von "Moorland Candles".

Das Bühnenbild sollte die erste Etage eines im 18. Jh. gebauten alten ungarischen Schlosses darstellen. Ich denke, das hat Peter J. Davison sehr gut getroffen. Auch die Beleuchtung (Mark Henderson) und die Kostüme (Sue Willmington) waren sehr passend. Für den Sound war John Leonard zuständig - hmmm - ich hatte bis jetzt bei meinen vielen Theaterbesuchen noch nie ein Stück mit soviel Stille auf der Bühne wie in diesem hier. Nein, das war jetzt auf keinen Fall negativ gemeint. Die Stille war genau passend und genau dort, wo sie hingehörte um das merkwürdige Gefühl von Resignation und Bitterkeit zu untermauern.

Eigentlich ist die Handlung sehr kurz erklärt:

Zwei alte Freunde treffen sich nach 41 Jahren wieder. 41 Jahre verschiedene Lebendwege, aber kurze Zeit die selbe Frau auf den Lebenswegen. Vermutungen und Wahrheiten fließen ineinander und werden auch am Schluß nicht so recht aufgeklärt.

 

Jean Boht - Embers - Juni 2006 LondonDer 75 jährige Österreichisch-Ungarische Armeegeneral Henrik trifft 1940 auf seinen ebenso alten Freund Konrad (Patrick Malahide). Darum diesmal auch der am 19.09.1948 geborene, also eigentlich 58 Jahre alte Jeremy Irons mit Bart - stimmt, macht ihn gleich fast 20 Jahre älter ;-) - hmmm - das hat Bart wohl so an sich, aber mir gefällt er trotzdem ohne Bart besser. 

Henrik wartet auf seinen alten Freund und die Stimmung ist deprimierend. Sein über 90 Jahre altes ehemaliges Kindermädchen Nini (Jean Boht) überbrückt mit ihm und für uns die Wartezeit auf den alten Freund. In diesen paar Minuten wird uns kurz die Vorgeschichte nahe gebracht, sozusagen als Einführung in die Handlung. Und was erfahren wir wieder? Alles dreht sich um eine Frau. Tja, die Männer sind schon merkwürdig. Normalerweise dreht sich doch immer alles um die Karriere und um die anderen eigenen Interessen.... aber manchmal - hmmm - nein, das ist völlig fremd. Oder doch, es dreht sich um die Frau, wenn sie zur eigenen Interesse wird und ja, das kommt schon mal vor, vor allem, wenn sie nicht oder schwer zu erreichen ist. Das muß wohl mit dem Jagdinstinkt zusammenhängen. Wie war das bei "Caveman"? Du jagen, ich sammeln? Obwohl man da jetzt nicht sagen kann, daß Frauen sammeln.... Männer? Haha - naja, mache vielleicht, aber wohl eher nicht. Oder doch? Nein, das gäbe wohl Komplikationen, auch wenn Frau mehrere Dinge Quelle: Programm des Stückes gleichzeitig auf einmal tun kann.

Allerdings das mit dem "Jagen" ist gar nicht soweit hergeholt. Wenn sich das Reh dem Jäger vor die Füße wirft wird es uninteressant. Welcher Jäger möchte schon so unsportlich sein Abendessen erlegen? Gefragt sind die Rehe, die schwer zu schießen sind. Das weckt des Jägers Begierde und hält seine Gedanken um das Wild in Schach, so wie auch die Gedanken von Hendrik, der sich über 41 Jahre lang fragt, ob seine Frau ihn mit seinem besten Freund betrogen hat und ob die beiden ihn auf der letzten Jagd töten wollten. Um diese wichtige Frage jetzt zu klären und auf den Punkt zu bringen kommt also Konrad zurück in das alte ungarische Schloß und der Zuschauer fragt sich ernsthaft, wie der Inhalt dieses Stückes ihn mehr als 1,5 Stunden in Schach halten solle.

Was der interessierte Zuschauer in dem ersten Teil des Stückes auch noch erfährt ist, daß das Reh um das es fast zwei Stunden lang geht, schon 33 Jahre lang nicht mehr existiert. Hendriks Frau Krisztina starb vor vielen Jahren und nahm ihr Geheimnis mit. Nur noch sein Freund Konrad weiß jetzt die Antwort. Nein, denkt nicht, daß das Hendriks Liebe zu seiner Frau ist. Das ist es nicht, es ist verletzter Stolz! Männer mögen es nicht, wenn Frauen sie verlassen - aus welchem Grund auch immer. Es verletzt den Jäger in seinem Stolz wenn das Reh mit seinen sanften Augen in seine Flinte blickt und einfach geht. Das kann er nicht ertragen, wo er doch normalerweise unfehlbar trifft - mitten und unwiderstehlich ins pochende Frauenherz - peng!

 

Jeremy Irons - Embers - Juni 2006 - LondonHendrik und Konrad sehen sich nach 41 Jahren wieder, beide beschritten in den 41 Jahren sehr verschiedene Lebenswege. Konrad schied aus der Armee aus, war seither sehr viel in der Welt unterwegs und lebt nun in der Nähe von London. Hendrik diente sein ganzes Leben in der Armee und lebt in dem Haus, wo er geboren wurde und wie er selbst sagt, auch sterben wird.

Beide kommen ins Gespräch. 41 Jahre sind kurz erklärt und enden in der Zeit vor den 41 Jahren in Wien. Was für ein Zufall wieder. Ich fliege dieses Wochenende nach Wien. In eine Stadt, die ich noch nie gesehen habe und freue mich wahnsinnig darauf. Mal sehen, welche schöne Geschichte mich dort erwartet. In unserem Theaterstück hier gab es für Hendrik leider keine schöne Geschichte, die er mit Wien in Verbindung bringen konnte. Und für Konrad gab es dort sicherlich eine schöne Geschichte, aber er konnte es nicht ertragen und flüchtete nach Singapore - weit weg von allen Wahrheiten und Erklärungsbedarfe. Aber Wien.....

"... for me it was the tuning fork of the universe. The most beautiful thing in my life. It I was talking to someone and they didn't respond to the word Vienna, I lost interest in them. The stones of Vienna contain everything I ever loved: memories, music; friendship."*

Das Gespräch ist bitter, Konrads Verschwinden ohne ein Wort zu hinterlassen und ohne 41 Jahre lang ein Lebenszeichen von sich zu geben war bitter für alle. Hendrik verzeiht es ihm nicht und Sarkasmus untermalt seine bitteren Worte. "But no doubt, with your busy life, you soon forgot us."*

Naja gut, die Unterhaltung geht in diesem Stil weiter und trotz, daß die Engländer im Theater ab und zu mal lachten, fand ich die Handlung irgendwie deprimierend. Das hatte so etwas endgültig Trauriges und das fällt eigentlich nicht in mein Lebensbild. Zwei Männer, die sich 41 Jahre lang nicht gesehen haben und trotzdem nicht vergessen können. 41 Jahre lang hat sich Hendrik Gedanken darüber gemacht und 41 Jahre lang hat sich Konrad deswegen nicht nach Hause getraut. Das ist wirklich sehr traurig wie beide um den heißen Brei herumreden und endlich nach ca. 42 Seiten und mehr als 1,5 h brillantes Theater bringt Hendrik die Sache auf den Punkt und versucht Konrad etwas zu beweisen, was sowieso schon klar auf der Hand gelegen hat: "... that day in the forest, did Krisztina know you intended to kill me?"*

Und was dann auch völlig klar war, Konrad blieb ihm die Antwort auf diese Frage schuldig.

 

Was für ein trauriges Stück, 41 Jahre Nachdenken über einen toten MenschJeremy Irons - Embers - Juni 2006 - Londonen. Beide kamen nicht davon los und es schien, als gäbe es für beide keine Freude mehr in ihrem Leben und das ist so traurig, daß mir hier gleich die Tränen über die Wangen laufen und sich mein Herz verkrampft und ich froh bin, daß das ja nur ein Theaterstück ist.....

 

"Two questions."

"What?"

"You said you had two questions. What was the other one?"

"The other one? I don't know if I should ask you, since you refused to answer the first question. Krisztina's father's reproach was that I had survived. We both did. You by leaving, I by staying. Since she was worth both of us put together, do you think we were justified? Don't you think we have a responsibility to her beyond the grave? You must know she died because you went away and because I stayed and never went near her, because the two of us were more cowardly and despicable than a woman can bear. We were traitors: we ran away from her. That's what you need to know in London, through all the last hours of your lonely life. I alredy know it.

Surviving a woman you loved enough to consider killing for may not be a capital offence but it's undoubtedly a criminal act. She's dead an we're alive. What did we possibly hope to achieve by surviving her? Wasn't the central truth of your existence that somewhere in the world there was a woman you loved and that she was the wife of a man you also loved? Nothing else counts, does it, but what remains in our hearts?"

"In our hearts?"

"So, the second question has to do with the true meaning of our lives. Was the true meaning of our lives not to be found in the pain of longing for a dead woman?

I don't know the answer, it's a difficult question. What do you think? Di you believe as I do, that what gives our life its meaning is a passion that burns in us for ever, no matter what else happen, war or peace or the decay of empire? And that if we've experienced such a passion, we may not have lived in vain? I'm talking about a passion for one particular person, one single, mysterious other, good or bad, a passion that bears no realtion whatsoever to that person's moral qualities or conduct.

And this time, if you can manage it, I would like an answer."

"I don't unterstand why you're asking me: when you know very well the answer is yes."

 

..... und die Antwort ist "ja".

 

 

Eure Jana

 

 

 

 

 

* Christopher Hampton "Embers" based on the novel by Sándor Márai; Faber and Faber Limited, 2006, S. 12/ 14/ 46/ 47/ 48