Edmond und Brand - eine gute Kombination. Wir haben wirklich sehr gut gewählt. Beide Stücke sind ähnlich gelagert - gleiche Handlung: Mann zerstört systematisch sein Leben. David Mamets "Edmond", ein moderneres amerikanisches Stück des 21. Jh., und Henrik Ibsens "Brand", Norwegen 19 Jh. - zeitlich weit auseinander und doch so übereinstimmend.
Brilliant gespielt von Kenneth Branagh. Man spürt seine große schauspielerische Erfahrung. Vergleichbares habe ich bis jetzt nur bei Ian McKellen erlebt.
Bis jetzt habe ich in London mit diesem 3 modernere Stücke gesehen und DAS hier ist fast ein Höhepunkt. Sehr gute Inszenierung, auch mit wenig Bühnenbild die einzelnen Szenen sehr gut getroffen. Genau im richtigen Theater aufgeführt - das moderne National Theater, von außen durch seine Betonmauern etwas abschreckend, innen auch sehr modern - eigentlich nicht mein Stil - aber perfekt für das Stück.
Wie immer habe ich nicht die Kritiken gelesen
und aus Zeitgründen noch nicht mal die Synopsis. Das Stück ging 75 min,
ohne Pause. Hier wäre eine Pause sehr störend im Ablauf. Kenneth Branagh war
fast das ganze Stück hindurch auf der Bühne - sämtliche Szenenwechsel auf der
Bühne - sehr gut organisiert. Ich war begeistert. Die 75 min vergingen viel zu
schnell. Die Lage spitzte sich mit jedem Szenenwechsel rascher zu - bis zum
Extremen. Hier gleich noch eine Bemerkung am Rande: Vielleicht sollte man das
Stück nicht unbedingt mit Kin
dern
anschauen. Ich würde schon sagen NC 18 - und das nicht nur wegen der Sprache
;-).
Es sind schon ein paar nette Szenen dabei, wo selbst ich nicht mit gerechnet
habe ;-).
Die Atmosphäre ziemlich dunkel gehalten - schwarze Bühne - Beginn nach dem "Fortune-Teller" mit einer Ehekrachszene, wo Edmond seiner Frau ganz trocken sagt, daß er sie nicht mehr liebt, alles langweilig ist und er lieber nach Freiheit und Abenteuer suchen möchte "Ich gehe jetzt Zigaretten holen und komme nicht wieder." "Du kommst nicht wieder?" "Nein" - Punkt und aus - es gibt Geschrei und Donnerwetter und er verschwindet.
Das war wohl der größte Fehler seines
Lebens.
In meinen Augen ist Edmond ein bißchen naiv. Er sucht Spaß und Abenteuer und
erschreckt über die schreckliche Welt da draußen - tappt von einer Falle in
die andere. Jede Szene eine Katastrophe. Es wird immer extremer - Sex,
Belästigung, Brutalität, Härte bis hin zu Mord. Die Szenen wechseln wie im
Flug - Bar, Peep Show, Puff, Subway, Mission und Knast . Er wird
zusammengeschlagen und reagiert genauso brutal. Letztendlich merkt er, daß er
sich mehr und mehr in die Katastrophen verstrickt, tötet sein one-night-stand
--> Begründung bei der Polizei: " Ich hatte zu viel Kaffee." -
kalter abweisender Sex - keine Liebe - kalte Welt. Er versteht es nicht - er
bettelt zu Gott ihm zu helfen - das Ende ist voraussehbar.
Trotz der eigentlich deprimierenden Handlung viel Lachen im Publikum, vermutlich wegen der ironisch-sarkastischen Wortspiele und Szenen. Man sollte meinen, das Publikum verstehe die Handlung nicht. Ich denke, es versucht nur, dieser traurigen Existenz ein wenig Freude einzuhauchen - was aber eigentlich nicht angebracht ist. Aber mir ging es genauso. Ich konnte mich in manchen Szenen auch nicht zurückhalten. Man hofft ja immer auf ein Happy End, obwohl man genau weiß, was kommen wird - es ist eigentlich unausweichlich.
Sehr gut gespielt von den Schauspielern. Es ist eine große Cast. Kenneth Branagh spielt hervorragend..... schon die Kleiderwechsel auf der Bühne, bei laufendem Spiel waren eine Leistung - Hemd aus, Hose aus - alles wieder an und das in diesem Tempo. Alles hat sehr gut zusammengepasst. Es waren Szenen dabei, die einen ganz schön überrascht haben - z.B. der blutige Mord und die wann-muß-ich-dem-Kind-neben-mir-die-Augen-zu-halten-ohne-Hose-Szene - obwohl man wohl bei David Mamet mit so etwas rechnen mußte. Siehe sein Stück "Sexual Perversity in Chicago" - sehr moderne Inszenierung ;-).
Ähnliche Handlung, natürlich etwas
gedämpfter.
Das Theater war diesmal wieder im gewohnten Old Fashion Look - sehr passend zum
Stück. Die Atmosphäre war düster. Auch hier ein sehr gutes Bühnenbild und
Inszenierung der Tragödie. Sie haben die deprimierende Handlung perfekt
eingefangen. Im Gegensatz zu Edmond wusste man, was einen bei Ibsen erwartete.
"Brand" war sein großer Durchbruch in der Theaterszene. Er schrieb es
ein Jahr vor Peer Gynt in Italien. Kaum zu glauben, daß man im sonnigen,
lebenslustigen Italien so ein tragisches Stück schreiben kann.
Auch Brand ist ein Mann, der sein ganzes Leben wegwirft. Hier ist es seine
als Priester fanatische Haltung zu Gott . Alles oder nichts - diese Phrase
begleitet ihn das ganze Stück hindurch und zerstört letztendlich alles, was er
hatte, seine Familie und seine Ideale.
Brand sehr gut gespielt von Ralph Fiennes. Seine Frau Agnes sehr gut gespielt von Claire Price. Das Stück war so traurig und sie spielten so mitreißend, daß mir sogar bei einer Szene die Tränen in den Augen standen. DAS ist mir im Theater noch nie passiert. Aber nicht so schlimm, selbst Ibsen hat geweint, als er es das erste Mal sah.
Brand verliert durch soviel Sturheit
seine Familie, erst den Sohn, dann seine Frau Agnes. Letztendlich wird er aus
der Stadt gejagt durch die Leute, denen er alles gegeben hat und stirbt
blutüberströmt unter einer Lawine in einer "Kirche aus Eis und
Schnee".
Die letzte Szene war sicherlich sehr schwer auf der Bühne darzustellen - aber
unglaublich und perfekt in Szene gesetzt - DAS war sicherlich eine große
Herausforderung. Der Sound dazu ging einen richtig in den Magen. Sehr gelungen,
es hat mich überzeugt.
Auch in diesem Stück spitzt sich die Lage des Hauptakteurs mehr und mehr zu. Auch er endet in der Katastrophe. Natürlich keine extremen Szenen wie bei Edmond, aber fesselnd bis zum Schluß.
Bis auf ein paar unangebrachte Lacher war es hier ruhiger im Publikum. Die düstere Atmosphäre kam sehr gut rüber und mit ein paar kleinen Lichtblicken zog sie sich durch das ganze Stück. Ich saß schweren Herzens da und folgte den brillianten Akteuren durch die Handlung. Das Stück ging 2 Stunden und 20 min - kurz, wenn man bedenkt, daß das Original für 6 1/2 h ( 6000 Zeilen) geschrieben war. - Wahnsinn!!!!
Zusammenfassend kann man sagen, es hat sich auf alle Fälle gelohnt. Das Beste war, sich beide Stücke in so kurzem Abstand hintereinander anzuschauen und vergleichen zu können. Das war bis jetzt einer meiner besten London Trips.
Das "Drumherum"
Ja, es gibt wie immer ein "Drumherum" - sonst immer als Einführung, aber heute denke ich, passt es besser an den Schluß.
Unser Theaterabenteuer für dieses Mal begann mit einem der Previews zu Edmond, also eine Vorstellung vor der Vorstellung. Unser Club hatte Karten angeboten und wir entschlossen uns hinzugehen. Meine Freundin Bettina hatte schon lange "ein Auge auf das Stück geworfen" und da ich Kenneth Branagh schon immer mal on stage sehen wollte, mußte sie mich nicht lange überreden mitzugehen. Vorher noch ein wenig zurecht gemacht - für mehr war es einfach zu heiß, da die Farbe, die Frau so auf ihr Gesicht schmiert, sofort wieder runter lief.
Die Kleider klebten am Körper und wir wollten am Liebsten das Hotelfoyer nicht
mehr verlassen, denn dort brauste der eisige Wind einer Klimaanlage. Draußen war es noch hell und
die Sonne strahlte in ihrer ganzen Pracht - schwitz - und da man ja in so teure
Stücke geht, hat man auch kein Geld mehr für ein Taxi und muß sich in die
enge Tube quetschen. Aber was soll's, im Theater sieht uns ja kein Mensch, denn
es ist dunkel ;-).
Gott sei Dank wurde die U-Bahn je näher wir der Waterloo Station kamen leerer und wir
konnten einen Platz ergattern.
Das
National
Theater war von der Waterloo Station sehr gut ausgeschildert und wir mussten nur noch 20 min
mit Absatzschuhen und Theateroutfit durch die brennende Wüste laufen ;-). Naja
gut, Wüste ist vielleicht ein bißchen übertrieben - die Themse war ja in der
Nähe.
Das Theater fanden wir auch sofort. Es war ein riesiger Betonklotz, ganz
anders, als die für London üblichen, kleinen, schnuckeligen und gemütlichen
Theater. Mir gefiel es überhaupt nicht. Wir kämpften uns nach vorn zum
Eingang. Es war eine Menge los, da irgendeine Band spielte.
Das National Theater ist in drei Theater geteilt, das Cottesloe Theatre, das Lyttelton Theatre und das Olivier Theatre. Edmond lief im Olivier Theater und sollte 20:00 Uhr beginnen.
Erstes Problem: Wo ist das Olivier Theater und
zweites
Problem, wo ist unser Club, mit dem wir uns treffen wollten?
Das erste Problem löste sich, nachdem ich das ganze National Theater von vorn
bis hinten durchkämmte.
Natürlich war das Olivier hinten. Theater war gefunden und somit konnten wir
das zweite Problem angehen - wo ist der Club? Hier waren Massen von Menschen -
überall Cafés und Terrassen, auf denen Leute
saßen
und sich unterhielten. Nie im Leben finden wir hier jemanden. Das ist ja wie
eine Stecknadel im Heuhaufen suchen. Trotz der aussichtslosen Lage entwarfen Julie, Bettinas Tochter, und ich
einen Schlachtplan und teilten uns zum Suchen.
Wir fingen mit der Bar im Hauptgebäude an und kämpften uns bis zum letzten
Café des Olivier Theaters durch - aber niemand Bekanntes zu entdecken. Keine
Chance - es war schon fast 20:00 Uhr und immer noch kein Club in Sicht - Panik.
Wir überlegten uns eine andere Strategie und warteten vor dem Stall - Eingang
des Olivier. Wer hier rein will, MUß hier vorbeikommen!
Nervöses Warten - der erste Gong ertönte. Selbst Bettina war jetzt schon in Panik, aber uns blieb nichts anderes übrig, als hier zu stehen und die Nerven zu behalten. Na wenigstens haben wir noch ein Club-Member getroffen. Wir waren also nicht die Einzigsten, die wiedermal von nichts wussten.
Julie rief uns zu, wir sollen uns doch mal
umdrehen und ich dachte schon voller Erleichterung, daß unser Boss endlich
eingetroffen war - aber Pustekuchen, er war es nicht, es war Alan Rickman. Na so
ein Zufall aber auch... <grins>. Was das Kind so alles mitbekommt.
Na, wenn der auf den letzten Drücker kommt, dann ist ja noch Hoffnung. Scheint
hier so üblich zu sein. Die Engländer haben wirklich eine "A**** Ruhe" weg. Es
ertöne schon der zweite Gong als Mr. Rickman sich erst mal noch auf den Weg zur
Bar machte. Sieht also so aus, als hätten wir noch Zeit - somit don't panic. Nach dem Dritten Gong kam dann auch unser Boss mit einem
strahlenden Lächeln die Treppe herunter. Er konnte gar nicht verstehen, daß wir
so
aufgeregt waren.
Die Massen waren jetzt schon drin und wir konnten uns
gemütlich, zusammen mit Alan Rickman, auf unsere Plätze begeben. Aha - so
macht man das also hier, warten bis alle drin sind, damit Mann sich nicht ins
Gedrängel stürzen muß - weise Taktik Mr. Rickman.
Selbstverständlich haben wir ihn uns näher angesehen, wo er doch so dicht neben
uns
stand. Sein panischer Blick zeigte, daß er es bemerkt hatte. Er traute sich gar
nicht rüberzuschauen. Nur ab und zu und ganz vorsichtig ;-). Wahrscheinlich
überlegte er schon, wohin er flüchten könne. 'Aber Mr. Rickman, machen
sie sich doch keine Sorgen, wir gehören nicht zu der verrückten Meute, die
Jagt auf Schauspieler macht.' Obwohl Frau beim Reingehen gern mal ein bißchen
gedrängelt hätte ...hehehehe.
Leider saßen wir nicht nebeneinander, aber immerhin in
Sichtweite. Na mal sehen, wie Schauspieler sich so im Theater verhalten - sehr
spannend ;-).
Das Innere des Theaters war in schwarz
gehalten - sehr düster und kalt, aber das passte ja zum Stück, wie wir später
feststellten.
Alle Plätze waren besetzt und unser Mr. Rickman saß eine Etage tiefer, so
ungefähr zwei Reihen vor uns - was für eine interessante Aussicht und oops
ging das Licht aus.
Kenneth Branagh erschien und jagte uns durch
die Handlung. Kaum Zeit zum Luftholen. Die Menge amüsierte sich über die
sarkastischen Worte - manche lachten besonders grauenvoll und ohne
Unterlass.
Während der etwas helleren Szenen konnte ich einen Blick auf unseren Mr. Rickman werfen
(ich hätte mein Opernglas mitnehmen sollen - s***). Er begutachtet sehr
kritisch das Stück, ohne eine Miene zu verziehen. Ist er immer so stocksteif
oder war das jetzt, weil er meinte, es könne ihn jemand beobachten und er müsse
ernsthaft wirken? Staubtrockener Bursche.
Auf der Bühne tobte weiter der Bär und der
arme Edmond kämpfte sich durch das Geschehen. Kuss zum Schluß und
Applaus - aus.
Ich und das restliche Publikum waren begeistert, Mr. Rickman war nicht
eingeschlafen und unser Kind Julie ein wenig erschrocken über manche Szenen. Im
Großen und Ganzen ein gelungenes Stück und somit auch ein gelungener Abend :-)
Vielen Dank an das Edmond - Team. Ihr ward perfekt!!!
In reger Unterhaltung über das Stück - teils
in Englisch mit dem Club und teils in Deutsch, weil man nicht so schnell
seiner Begeisterung in Englisch Luft machen konnte - verließen wir das
Theater. Die Clubmembers zerstreuten sich und wir wollten in der Bar noch
ein bißchen über das Stück reden, als Kind sagte, es möchte zur Stagedoor.
Ok, das ist ja verständlich, da Kind, wie alle Kinder, Harry Potter Fan ist und
Kenneth Branagh den Lockhart im Teil Zwei gespielt hat. Seufz - uns bleibt auch nichts
erspart. Ok, sagten wir, wenn Du die Stagedoor findest kommen wir mit. Listig
wie wir waren, wussten wir genau, daß das Theater riesengroß war und Kind auf
keinen Fall die Stagedoor finden würde..... 5 Minuten! und Kind hatte Stagedoor
gefunden. Also schütteten wir unser Glas Wasser hinunter und folgten ihr (ps.
das nächste Mal müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen. Das Mädel
ist einfach zu schlau).
Ich
blickte vorsichtig um die Ecke - kein Gedränge, keine fanatischen Girlies -
wunderbar. Doch nicht so schlimm wie ich dachte. Ich hatte ja bei Sean
Beans "Macbeth" schon meine Stagedoor Erfahrungen gesammelt und
damals sagte ich mir, daß ich DAS nicht noch mal haben muß. Aber gut warten
wir auf Kenneth Branagh und machen dem Kind eine Freude. JA und ich mache auch
Fotos, von allem was da raus kommt. Und NEIN, nicht schon wieder Alan Rickman -
also wer verfolgt hier nun wen?!? Versteh einer diesen Mann - erst sich Sorgen
machen,
daß ihn jemand anspricht und dann sich ins Getümmel stürzen, wo er doch genau
weiß, das etliche Harry Potter Fans vor der Tür stehen und sich sicherlich
freuen, wenn sie von Snape auch ein Autogramm bekommen. Gut, gehen wir ein
bißchen näher ran..... hmmm.... also wenn wir schon mal hier sind ..... ehmm
... Mr. Rickman... Could you please....Autogramm.... oh ja, Danke....und excuse
me, could we take a photo?
Schande - ich habe mich nicht mehr wiedererkannt.
Wie kann man sich nur so mitreißen lassen (ps. wie gut, daß Bettina noch das
National Theater Sommer Programm dabei hatte).
Alan Rickman schrieb mit ernster Mine und
ließ sich fotografieren und schrieb und wieder Fotos bis er sich durch die
Menschen durchgearbeitet hatte. Er ließ sich Zeit, schien ihn alles nicht
zu stören.
Tja, so kommt man zu einem Foto mit Star. Vielen Dank Mr. Rickman, war nett von
ihnen. Von Weitem noch ein Blick auf sein Outfit - ja, er könnte auch mal ein
neues Sakko vertragen und rosa steht ihm überhaupt nicht.
Die
Menge bewegte sich plötzlich - aha - DER Star ist da.
Im Gegensatz zu Alan Rickman
strahlte Kenn
eth
Branagh über das ganze Gesicht. Ich denke, er war froh, daß das Spektakel
vorbei war, freute sich, daß er einen guten Applaus bekommen und jetzt
Feierabend hat.
Auch er ließ sich Zeit für seine Fans und ich konnte ein paar Fotos machen,
was ich bei Alan Rickman total vergessen hatte.....und natürlich auch ein
Autogramm. Was bei dem einen funktioniert, funktioniert bestimmt auch bei dem
anderen ;-) Das Problem war nur,
daß
ich kein Programm hatte - gut, daß ich die Tickets immer aufhebe.
Kenneth Branagh zeichnete ab und schenkte mir ein goldiges Lächeln. Von hinten zog Julie mich am Ärmel - Foto! - Ok, frag ihn selbst. (ps. sie ist mit ihren 14 Jahren schon ein mutiges Mädchen ;-). Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.... Beide strahlen ... und nachdem Kenneth Branagh gefunden hatte, in welche der vielen Kameras er schauen sollte, bekamen wir auch ein nettes Foto. ;-).
Der letzte Autogrammjäger bekam sein Autogramm und Kenneth Branagh nahm seine
hübsche Frau in den Arm und zog von dannen. Ein sehr sympathischer Mann.
Mitternacht war vorbei und wir schlenderten
schwatzend zurück zur Bushaltestelle der Line 12 und freuten uns über den
wirklich gelungenen Abend.
London bei Nacht ist grandios. Man möchte gar nicht mehr weg. Wunderbar,
daß wir morgen - heute - noch einen Theaterbesuch vor uns haben und das
Leben kann so schön sein.

07:00 Uhr klingelte der Wecker, mein Herz machte einen Satz vor "Freude" darüber und das Kind wurde aus den Federn gescheucht, da wir - sportlich wie wir waren - im Hyde Park joggen wollten... wo man schon mal da war ;-). Die Sonne lachte vom Himmel, wieder ein herrlicher Tag.
Die
Gegend um den Hyde Park ist wirklich genial zum Wohnen. Es ist für Londoner
Verhältnisse ruhig, der Park ist riesig und die Oxford Street , zwecks
Einkaufsbummel, gleich in der Nähe. Die meisten Busse fahren Richtung
Piccadilly und man ist gleich im West End - wo die vielen Theater sind und das
Londoner Leben pulsiert.
Joggen ist die beste Gelegenheit, seinen Kreislauf am Morgen in Schwung zu
bringen und ....... gegen alle Erwartungen können englische Männer auch
flirten. .... jaja, wie ich schon sagte, ein herrliches Leben.... Da bekommt
Mann und Frau gleich Schwung in die Beine - man will sich ja schließlich nicht
blamieren <grins>.
Bei
Peter Pan noch ein Päuschen gemacht und ab zurück ins Hotel. Duschen, Haare
föhnen, frühstücken, Shopping Outfit anlegen und ab ins wilde Getümmel der
Oxford Street, Geld ausgeben. Ein richtiges Frauenparadies ist das hier.
Leider war es uns dann am Nachmittag ein bißchen zu heiß zum Shoppen und wir
verzogen uns auf ein Schwätzchen in Starbucks Coffee. Hatte ich schon gesagt,
daß das ein schönes Leben ist? - Herrlich!
Dann kam der Abend und
ein weiteres Theaterabenteuer. Dieses mal "Brand" im alt gewohnten
Londoner Theater am Haymarket, nähe Piccadilly. Für mich ist das eins der
schönsten Theater, die London zu bieten hat und London hat viele zu bieten. Ich
glaube jemand aus unserem Club hat mal gesagt, daß es 115 Theater in London gibt,
bin mir aber nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe. Denn das wäre ja
unglaublich.
Diesmal war es kein Preview. Ich glaube sogar
das Stück läuft bald aus. Bettina wollte es sich unbedingt ansehen, da
Ralph Fiennes spielt und der sehr gut sein soll. Ich muß zu meiner Schande
gestehen, daß ich noch nicht mal wusste, wer er war. Gut, daß ich diesmal ein
Programm bekam.
Dort stand drin, wo er überall gespielt hat - wow! Sogar
in "The English
Patient". Guck einer an, ich wusste gar nicht, daß er das war. Ja, das
könnte ein interessanter Abend werden.
Diesmal waren wir gut in Time und kein Warten
auf den Club, da wir die Karten schon vorher hatten.
Ganz gegen die Gewohnheit
der Engländer gingen wir schon eine viertel Stunde vorher zu unseren Plätzen.
Wo wir doch eigentlich von Alan Rickman gelernt haben, daß man bis zum letzten
Drücker wartet. Aber mit unserer Methode konnte man wenigstens in Ruhe das Theater bewundern.
Es war
wirklich wunderschön. 1720 gebaut - ganz schön alt. Wir hatten wieder Stall
Plätze in Reihe J. Perfekt - aber "sau-teuer". 
Erst
war mir ein bißchen schwummerig bei dem Preis und da ich keine Kritiken lese, wusste
ich ja wiedermal nicht, ob das Stück überhaupt etwas taugt. Aber es hat sich
voll und ganz gelohnt. Wo nehmen die Engländer nur so viele gute
Schauspieler her?!
"Brand" war, wie schon gesagt, ein bißchen ruhiger als Edmond, aber ähnlich gelagert. Die ganze Stimmung war düsterer und Claire Price und Ralph Fiennes spielten, daß es einem unter die Haut ging. Ich bin immer noch begeistert über die Inszenierung. Man hatte das Gefühl, man ist mitten drin im Geschehen. Das Stück breitete sich über das ganze Theater aus. Die Gänge rechts und links wurden genutzt - sehr gut. Das gab einen tollen Stereoeffet. Überall Stimmen. Manchmal war man richtig erschrocken, als plötzlich von hinten jemand rief. Ralph Fiennes rannte mindestens einmal um die ganzen Stall-Sitzreihen - links runter, hinten herum und rechts wieder hoch auf die Bühne. Kein Wunder, daß er so schmal ist.
Das Stück selbst war sehr traurig und wie ich oben schon geschrieben habe, kamen mir sogar die Tränen. Was für eine Leistung der Schauspieler, einen so mitreißen zu können. Gut, daß es zwischendurch eine Pause gab - zum Tränen trocknen ;-) und um ein tröstendes Schokoeis zu essen.
Am besten gefiel mir das Ende. Das Tosen der Lawine
ging einen richtig in den Magen. Das ganze Theater bebte und Nebel stieg in den
Zusch
auerraum
- unheimlich. Brand brach unter den Schneemassen zusammen und Ralph Fiennes sah
man an, wie anstrengend es war. Sicherlich war er froh, zwei Minuten dort liegen
zu können. Er bekam einen wilden Applaus und Standing Ovation. Was er sich
wirklich verdient hatte.
Wir
waren fast die Letzten, die das Theater verließen und es kam, was kommen mußte
- Julie wollte zur Stagedoor. Nun hatte sie sich schon ein Heftchen angelegt, wo
sie die Autogramme der Schauspieler und was sonst noch so rumlief sammelte.
Natürlich durfte Ralph Fiennes nicht fehlen - seufz.
Ich bekam ja das Angebot
mich gegenüber in einen Pub zu setzen, aber allein macht das auch kein Spaß
und man wollte sich ja noch über das Stück unterhalten, also tippelten wir zur
Stagedoor.
Oh graus - die Stagedoor umlagert von lauter
Girlies. Dagegen war es gestern ric
htig
angenehm. Also blieben wir lieber ein wenig abseits stehen und haarten der
Dinge. Ralph Fiennes brauchte nicht lange. Völlig abgekämpft ertrug er die
Mädels und gab jedem brav ein Autogramm. Einen freundlicher Blick und ein
Lächeln für jede von ihnen. Nachdem sich das Gewühle ein bißchen gelichtet
hatte, versuchten auch wir noch ein Autogramm von ihm zu bekommen - wo man
doch
schon
mal da war..... und er ist ja auch ein sympathischer Mann. Es war kein Problem -
wirklich ein lieber Mensch. Als ich mich bedankte, schaute er mich ganz
erschrocken an (wahrscheinlich, weil ich aus dem Girliealter raus war)
und schenkte auch mir ein nettes Lächeln.
Julie hatte, was sie wollte, die Girlies belagerten noch Ralph Fiennes Auto, wir schlenderten gemütlich zum Leicester Square um noch einen Happen zu essen ....... und ich mache hier Schluß mit der Schreiberei, da auch völlig abgekämpft von einem harten Tag und bettreif.
Seit 23. Juli 2003