"Wenn ich das Fazit meines Lebens ziehe, kann ich nicht sagen, daß mein Verhalten besonders heroisch war."1 So Dimitri Schostakowitsch in seinen Memoiren.

Ja, vielleicht war er wirklich nicht sehr heroisch, aber in Anbetracht der damaligen Umstände verwundert es eigentlich niemanden und wir können letztendlich froh darüber sein, das er nicht ganz so heroisch agierte, denn sonst hätten wir nicht diese wundervolle und charakteristische Musik als Spiegel seiner Lebensumstände und der damit einhergehenden Probleme und Ängste.

 

"»All diese Verhaftungen und Verbannungen«, schrieb die Leningraderin Ljubow Schaporina, die Schostakowitschs Kreis nahe stand, in ihrem geheimen Tagebuch, »sind unentschuldbar, ungerechtfertigt - und unvermeidlich wie eine Naturkatastrophe. Niemand ist sicher. Jeden Abend, wenn ich schlafen gehe, bereite ich alles für den Fall vor, daß ich verhaftet werde. Wir sind alle schuldlos schuldig. Wenn du nicht hingerichtet oder verhaftet (oder verbannt) wirst, danke Deinem Glücksstern.«"2

 

Dimitri Schostakowitsch_JG_11-11-2006Eigentlich, wenn man es genau nimmt, widerlegt seine Musik seine Äußerung. Er mag zwar im physischen Leben gegenüber Stalin nicht besonders heroisch gewesen sein, aber in seiner Musik war er es schon - auch wenn er dann Skrupel hatte und sehr vorsichtig war, sie zur Aufführung zu bringen, wie seine 4. Sinfonie, die er noch kurz vor dem geplanten Termin der Uraufführung absagte. 

In der 4. Sinfonie "formulierte er zum ersten Mal die musikalische Charakterisierung Stalins, die er später in der 10. Sinfonie noch wesentlich schärfer fassen sollte."3 Die 4. Sinfonie entstand fast 20 Jahre vor seiner 10. unter einem  gefährlicherem Diktator. Die 10. Sinfonie, welche der GMD der Anhaltischen Philharmonie, Golo Berg, diesmal für sein Programm ausgesucht hat, fand ihre erste Aufführung somit nach der "Befreiung" von der existenzgefährdenden, wenn nicht sogar tödlichen Zensur, nur ca. ein dreiviertel Jahr nach dem Tode Josef Stalins im Jahre 1953 und ich finde sie spiegelt trotzdem im hohen Maße noch so viel Traurigkeit und Leid wieder, aber vielleicht auch, wie Golo Berg in seiner Konzerteinführung meinte, einen gewissen Triumph des Überlebens Stalins und der damit einhergehenden scheinbaren "Befreiung" Schostakowitschs.

 

Golo Bergs Programm war diesmal sehr abwechslungsreich, so mit dem Mozart zwischendrin - ok, vielleicht, weil beide Komponisten, Schostakowitsch wie auch Mozart dieses Jahr ihr Jahr hatten. Schostakowitsch zum 100. Geburtstag und Mozart zu seinem 150 Jahre Früheren. Schostakowitsch hat sich in diesem Fall ein schlechtes Geburtsjahr ausgesucht und wurde ob dessen leider doch sehr durch Mozart überschattet. Aber ich muß ehrlich zugeben, Mozarts D-Dur Flötenkonzert interessierte mich nicht im Entferntesten so wie das Highlight nach der Pause. Diesmal galt mein vollstes Interesse Dimitri Schostakowitschs hervorragender Musik.

Wenn ich mir das so rückblickend durch den Kopf gehen lasse, habe ich Schostakowitschs 5. Sinfonie schon mehrmals im Konzert gehört, auch seine 6. Sinfonie mehrmals, so auch seine 11 und ein einziges Mal seine 7., aber noch nie in meinem Leben seine phantastische 10. Sinfonie. Und genau aus diesem Grund und weil Schostakowitsch seit meinem sinfoniemäßigen  "Zusammentreffen" mit Krzysztof Penderecki und Kurt Masur sich langsam zu einem meiner Liebsten entwickelt, zog es mich zum 3. Sinfoniekonzert in das Anhaltische Theater nach Dessau. Ich wollte wissen, wie das wohl der Herr GMD des Hauses macht. Einmal schon durfte ich einen Schostakowitsch unter seiner Führung erleben und der war damals schon mal sehr gut. Jetzt war ich gespannt auf das nächste Zusammentreffen mit Herrn Berg, Herrn Schostakowitsch und der Anhaltischen Philharmonie Dessau.

 

Wie gerade gesagt weckt Schostakowitsch und sein Umfeld nun seit einiger Zeit mein reges Interesse und somit versuchte ich so schnell wie möglich aus dem Büro wegzukommen um noch die Konzerteinführung zum diesmaligen Programm mitzubekommen.

Nun ja, leider und unschuldigerweise funktionierte das nicht und ich kam schon wieder zu spät, habe somit die erste Hälfte verpasst und bei der zweiten Hälfte war ich dummerweise durch etwas andere Gedanken, die sich einfach nicht wegschieben ließen, etwas sehr abgelenkt. Trotzdem und irgendwie, so mit einem Ohr war mir da doch so, als hätte ich noch mitbekommen, daß die neue Oper der Dessauer, der "Boris Godunow", die im Januar Premiere haben soll, die Fassung von Schostakowitsch sein wird, was mich überaus freuen würde.

Damals, als ich mir die hervorragende Aufführung von "Boris Godunow" in Halle ansah, machte es mich schon ein bißchen traurig, daß das Hallesche Opernhaus sich die Fassung von Rimski-Korsakow aussuchte - na das wäre ja wirklich eine Überraschung, wenn es diesmal Schostakowitsch sein dürfte. Leider und Ärgerlicherweise weiß ich das jetzt nicht ganz so genau. Wie gesagt, ob des zu späten Erscheinens zur diesmaligen Konzerteinführung  (es gab zwischen Halle und Dessau einen Verkehrsunfall und somit, daraus folgend einen gewaltigen Stau kurz vor Dessau) und des Abdriftens in andere Gedanken, fehlt mir die Info dazu.

Um diesen, meinen schweren Fehler wieder auszubügeln und das daraus folgend horrende Infodefizit zu eliminieren habe ich schon die ganze Website des Anhaltischen Theaters nach einem Hinweis darauf durchforstet, aber völlig glück- und erfolglos. Selbst im neuen Spielzeitheft kein noch so klitzekleines Anzeichen dafür, ob Schostakowitsch oder doch Rimski-Korsakow - es bleibt also ein Geheimnis. Vielleicht könnte man ja mit viel Phantasie aus Golo Bergs Anmerkungen zu Schostakowitsch 10. Sinfonie im diesmaligen Programm schließen, daß es so sein könnte, aber wäre es da nicht einfacher, liebes Anhaltisches Theater, wenn Ihr es das nächste Mal gleich mit dazu schreibt? Naja....... oder ist das jetzt Mussorgskis "Urfassung"? Also, ich wäre doch schon sehr an genauerer Information interessiert und hätte gern den Schostakowitsch bitte!

 

Schostakowitsch ist brillant und seine "Lady Macbeth von Mzensk" ist eine meiner Lieblingsopern, leider noch nie Live gehört und darum eigentlich sehr sehr schade, daß das Anhaltische Theater sich für Mussorgskis "Boris Godunow" entschieden hat und nicht für Schostakowitschs "Lady Macbeth von Mzensk" oder was noch interessanter für mich wäre, wenn sie sich für "Die Nase"  entschieden hätten. Die habe ich noch nie in meinem Leben gehört. Ich bin zwar schon seit einiger Zeit auf der Jagd nach einer CD oder Ähnliches dazu, aber konnte noch nichts meinen Wünschen entsprechendes finden. Aber davon abgesehen "Boris Godunow" in der Schostakowitsch Fassung ist auch nicht gerade ein gängiger Regalfüller. Danach suche ich ebenfalls schon ewig und konnte bis jetzt nirgends etwas dazu bekommen. Also wenn das wirklich so ist, daß die Dessauer diese Fassung spielen, dann ist das eigentlich ein MUSS für jeden Schostakowitsch Liebhaber, eigentlich wohl für jeden Opern Liebhaber, denn DAS gibt es selten. Und Mussorgski passt ja auch hervorragend zum ausklingenden Schostakowitsch-Jahr, da wie Herr Wolkow so schön schreibt: "Schostakowitsch bezeichnete Mussorgski zeit seines Lebens als seinen Lieblingskomponisten."4

Über die Oper "Boris Godunow" und Schostakowitschs Bezug dazu gibt es eine Menge zu berichten, aber ich denke, das Thema werde ich mir für Januar aufheben und dann ausführlicher behandeln, jetzt und hier geht es ja eigentlich um die 10. Sinfonie.... aber halt, doch nicht vor lauter Freude über Schostakowitschs 10. den ersten Teil des Konzertes vergessen! Da war doch noch Mozarts Konzert für Flöte und Orchester in D-Dur und Rodion Schtschedrins "Dialog mit Schostakowitsch", Sinfonische Etüden für Orchester. 

Von Rodion Schtschedrins habe ich so wirklich noch nie etwas gehört, dafür aber von Schostakowitschs Kollegen Juri Schaporin bei dem Rodion Schtschedrin Komposition studierte. Nun weiß man (oder ich) ja nicht, wie weit Schaporins Lehre Einfluss auf Kompositionen von Schtschedrin nahm, oder wie nah Schtschedrin Schostakowitsch wirklich stand, aber letztendlich ist das 2001er Auftragswerk des Pittsburgh Symphony Orchestra, was uns die Anhaltische Philharmonie vorstellte, sehr gut gelungen. Jetzt ärgert es mich schon wieder, daß ich zur Konzerteinführung zu spät kam, denn der "Dialog der Seelen"5 war schon hörenswert und gern hätte ich mehr darüber gewusst, als im Programmheft von Ronald Müller zusammengestellt und kurz abgedruckt war. 

Schtschedrins Ausführungen zu seiner Komposition sind doch schon etwas sehr merkwürdig.... "Dialoge auf einer höheren Ebene"5 - hmmm, ich glaube, ich verbeiße mir da jetzt besser meinen Kommentar dazu. Aber nichts desto trotz, es war eine wunderbare moderne Musik, die selbst für mich als Laien noch hörenswert war und diesmal kein "wohlorganisierter Krach", wie der, den ich beim letzten modernen Auftragswerk vernehmen durfte.

Wie Ronald Müller beschreibt, hatte diesmal jede Note Sinn und Verstand - ja, die Beschreibung ist wirklich sehr einfach zu verstehen und sehr sinnvoll für mich, aber .... nur leider, so als Laie eben, hörte ich den sehr gut beschriebenen Sinn und Verstand im nachfolgenden Konzert nicht heraus. Das d-es-c-h wohl schon - manchmal, vielleicht - aber sonst... phuuu ... bei nur einmal hören begreife ich, so als dummer und unbedarfter Zuhörer, wirklich nur sehr schwer. Ich müßte schon die Möglichkeit haben diesen Seelendialog öfter zu hören. Ich wäre sogar sehr daran interessiert ihn mir öfter anzuhören, aber wo kann ich das? Schwer, schwer, schwer - in der NAXOS Music Library finde ich zumindest schon mal seine "Carmen Suite" (klar, damit ist er bekannt geworden) und sogar einen "Stalin Cocktail", aber keinen Dialog mit Schostakowitsch. Nichts bei Amazon.de, nichts bei jpc.de, - Herr Berg, geben Sie mir einen Tipp!

So und dann nach dieser lauten, ein riesen Orchester beschäftigenden d-es-c-h und a-es-h-c-h-e-d Tondusche, das zarte Flötenkonzert von Mozart. Stärker hätte der Kontrast nicht sein können. Da ich, wie schon gesagt, den Anfang der Konzerteinführung verpasste, verpasste ich höchst wahrscheinlich auch die Erklärung des Dirigenten dazu. Die Erklärung, die ich dazu vermute, habe ich oben schon beschrieben. Wie ist denn Ihre, Herr Berg?

Aber vielleicht ist die Erklärung ja auch die, daß Frau Fassbender gerade ein Plätzchen in ihrem Terminkalender frei hatte und sie gern dieses Plätzchen mit einem Konzert in Dessau ausfüllen wollte.

Christina Fassbender durfte ich schon einmal erleben, damals zu meinem liebsten Flötenkonzert, dem von Mercadante und das war in Halle im K&K unter der Leitung von Hans Rotman. Sie spielt eigentlich wunderbar, aber damals wie heute, habe ich Probleme mit ihrer Atemtechnik - für mich ist das Einatmen einfach zu laut und somit wirkt es dann leider für mich auch sehr störend zu den hübschen mozartschen Tönen. Das ist sehr schade. Allerdings muß ich auch sagen, ich fand, daß sie die Flötenabschnitte im 2. Satz sehr schön spielte. Da gab es kein zu lautes Atmen - erstklassig - ABER! noch besser als das komplette D-Dur Flötenkonzert war ihre Zugabe: "Dance de la Chevre" von Arthur Honegger - hervorragend - und kein lautes Einatmen zu hören.

 

Applaus, Verbeugung --- auf der diesmal sehr hübsch durch die Gärtnerei Matthey dekorierten Bühne. Die Blumen gefielen mir sehr gut und Christina Fassbender hatte eine hübsche und fröhliche Ausstrahlung, genau, wie Mozarts D-Dur Flötenkonzert. Der Dirigent hingegen, so von Reihe 7 aus, schien dünner und noch ernster als sonst, also mehr wie Schostakowitschs 10., schade, daß ich ihn bei der Konzerteinführung nicht richtig sehen konnte, da ich mich wegen meines zu spät Kommens nicht auf die freien vordersten Plätze traute --- Danke und Pause.

 

Seit der 4. Sinfonie "enthielten Schostakowitschs Werke eine Vielzahl musikalischer Hinweise. Bis heute ist nur ein kleiner Teil von ihnen entdeckt und entschlüsselt worden,...."6 - ein sehr spannendes Thema und da die 10. Sinfonie so kurz nach Stalins Tod entstand bietet sie eine Menge Raum für Interpretationen und Diskussion. "Ohne Zweifel verspürte Schostakowitsch, als er von Stalins Tod hörte, große Erleichterung, aber keine Euphorie,....."7 und das scheint sich auch in seiner 10. Sinfonie so abzuzeichnen, hat man den Eindruck. 

Ich fand die Gedanken dazu, die uns Golo Berg in seiner Konzerteinführung näher brachte, sehr schlüssig. Sich beugen bis zum lächerlichen Tanz um in diesem Regime zu überleben und letztendlich ein kleiner Triumph über den Diktator. Wirklich? Was ist das für ein trauriger Triumph, der viel zu spät kam? Der Tanz mit dem Regime hat viel zu lange gedauert und hat Schostakowitsch viel zu sehr geprägt. Kann ein Mensch jemals wieder davon loskommen? Wohl eher nicht und deshalb ist der "Sieg" im 4. Satz auch nur sehr dürftig und trotzdem von Melancholie umgeben.

In Besprechungen der offiziellen Presse zur Uraufführung "wird die Zehnte als »Tragödie eines einsamen Menschen« charakterisiert,  »dem es aussichtslos erscheint, dass sich sein Leiden lindern und seine Zweifel entkräften ließen«; aus ihr spreche  »ein manchmal ans Hysterische grenzendes Gefühl von Schmerz und Leid«."8 und dieser Aussage folge ich mit meiner Meinung nach.

Schon der Anfang des ersten Satzes bringt so viel Trauer und Leid mit sich, so daß ich das Gefühl hatte, daß diese Trauer hinüber in den Zuschauersaal schwappte und sich tief in mein Gemüt einarbeitete. Sogar so tief, daß ich aufpassen mußte, daß sie sich nicht in Form von Tränen Ausdruck verschaffte. In solchen Situationen bin ich immer froh, daß es unten im Zuschauersaal dunkel ist und diese dummen Gefühlsausbrüche keiner sehen kann. Das ist mir nun schon zum zweiten Mal bei Schostakowitsch passiert. Wahrscheinlich sollte ich ihn besser meiden und mich mehr auf Mozart konzentrieren - aber diese Musik von Schostakowitsch ist so faszinierend, daß ich einfach nicht anders kann, als ihr mit glühenden Wangen, klopfendem Herzen und Tränen in den Augen zuzuhören.

Vielleicht ist der erste Satz die Vergangenheit, die Stalinära, die Traurigkeit über soviel und so langer Angst und über betäubende, nicht zu ändernde Ohnmacht gegenüber dem Einfluss und der Herrschaft eines einzelnen Mannes, die sich so lange Zeit nicht abstellen ließ, fast ein ganzes Leben lang.

Das alles scheint sich im zweiten Satz in noch Schlimmeres zu steigern. Ja, 'gehetzt' und 'gejagt' sind die richtigen Bezeichnungen dafür, Herr Berg. "... wie diese Initialen (D-S-C-H) im zweiten Satz gejagt, ja beinahe zu Tode gehetzt und musikalisch niedergeknüppelt werden,..."9 Bis zum Schluß des zweiten Satzes gehetzt und dann abrupter Stillstand - tot? Nicht ganz, denn ganz langsam am Anfang des dritten Satzes scheint alles wieder zu erwachen, sehr vorsichtig den Kopf hebend und den Blick ängstlich nach vorn richtend, aber sich dann sofort wieder ducken, mit traurigem Blick und einem langen bedrückendem Seufzer - Wie soll es weitergehen? Still sitzend und über die Zukunft nachdenken, gebrochen und bedrückt, mit schwerem Herzen und dann diese "Zirkusmusik" mit sarkastischem Unterton: 'Komm Tanze' - ja, stimmt, Herr Berg. 'Dreh Dich schnell und immer schneller in wilder Hysterie und ruckartigen Bewegungen und dann sinke erschöpft nieder und ertrinke wieder in deiner Traurigkeit und Depression - willst Du wirklich noch unter diesen Umständen leben oder setzt du dem besser ein Ende? - das Herz verkrampft sich und tiefe Trauer spiegelt sich in Tränen wieder, so daß es einen die Kehle zuschnürt.... das bringt fast absolute Stille zu Beginn des 4. Satzes und nur langsam und schwer beginnt man wieder zu atmen und aus dem dunklen Keller hervor zuschauen. Nicht sicher, ob die Luft jetzt wirklich wieder etwas klarer und atembar ist. Sonnenstrahlen blenden und draußen erwacht das Leben. Der Tyrann ist tot, laßt uns aufatmen und glücklich sein. Der Sieg ist unser ? - ? - ? - ?

"das erste Kunstwerk, das den Wechsel vom harten, stalinistischen Winter zu einem ungewissen »Tauwetter« reflektierte, wie die kurze liberale Phase in Chruschtschows Anfangszeit genannt wird"10

 

Golo Berg_JG_11.11.2006Sie haben recht, Herr Berg, Schostakowitschs Triumph über Stalin ist nicht zu überhören. Er macht sehr deutlich, daß er das Duell gewonnen hat, wenn auch nicht durch sein eigenes Zutun. Er macht es so deutlich klar, so daß selbst ich beginne wieder aufzuatmen und meine Tränen zu trocknen. Aber auch ich traue diesem überschwänglichem Glücksgefühl und Siegesrausch nicht, was allerdings wohl mehr daher rührt, daß ich weiß, wie es weiterging nach Stalins Tod, was Schostakowitsch zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nur ahnte.

 

Zum Schluß möchte ich noch eins dazu sagen:

Schostakowitschs 10. Sinfonie in Dessau war ein absoluter Höhepunkt meiner kulturellen Erlebnisse dieses Jahres. Hervorragend bis ins Detail, jede Sekunde spannend und so gefühlvoll, daß es mir sogar die Tränen in die Augen trieb. Das war für mich die perfekteste Interpretation, die ich bis jetzt zu Werken von Schostakowitsch im Konzertsaal gehört habe. Vielen Dank dafür an die Anhaltische Philharmonie und ihren GMD Golo Berg.

 

 

 

Eure Jana

 

 

 

 

....... ahhh, sehe gerade im Einband des Programms, daß das Konzert vom mdr aufgezeichnet wurde und am 02. Januar 2007, 20:00 Uhr auf mdr Figaro gesendet wird - na da freue ich mich doch, daß mein oben genannter Wunsch soeben erhört wurde und ich Schtschedrins "Seelendialog" nun doch noch einmal hören kann.

 

 

 

 

 

1Solomon Wolkow "Die Memoiren des Dimitri Schostakowitsch", List Verlag München, List Taschenbuch, 2003 2. Auflage; S. 389

2Solomon Wolkow "Stalin und Schostakowitsch" Propyläen Verlag Berlin, 2004; S. 193 (Tschudakowa, Schisneopissanije Michaila Bulgakowa, S. 471)

3Solomon Wolkow "Stalin und Schostakowitsch" Propyläen Verlag Berlin, 2004; S. 216

4Solomon Wolkow "Stalin und Schostakowitsch" Propyläen Verlag Berlin, 2004; S. 54

5Anhaltisches Theater Dessau, Spielzeit 2006/ 2007, Heft Nr. 3; S. 3 (Ronald Müller)

6Solomon Wolkow "Stalin und Schostakowitsch" Propyläen Verlag Berlin, 2004; S. 216

7Solomon Wolkow "Stalin und Schostakowitsch" Propyläen Verlag Berlin, 2004; S. 378

8Solomon Wolkow "Stalin und Schostakowitsch" Propyläen Verlag Berlin, 2004; S. 389 (Sowjetskaja musyka 4 (1945), S. 15)

9Golo Berg "Anmerkungen zu Schostakowitsch 10. Sinfonie", Programm Anhaltisches Theater Dessau, Spielzeit 2006/ 2007, Heft Nr. 3; S.11

10Solomon Wolkow "Stalin und Schostakowitsch" Propyläen Verlag Berlin, 2004; S. 390

 

 

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Just by the way:

Da ich am Morgen immer schaue, was es bei www.Spiegel.de Neues gibt, bin ich durch ein bißchen neugierigem Surfen heute erst auf dieser Seite gelandet: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,425017,00.html

Die kann ich Euch einfach nicht vorenthalten .....und ich kann mein Lachen und mein klein wenig Schadenfreude einfach nicht verbergen. Da seht Ihr, wieder bin ich meiner Zeit voraus - haha - denn ich habe ein Grammophon und ein paar ganz gute Schellacks dazu. Die Songs auf dieser Seite http://www.foldedspace.org/weblog/2006/06/in_the_good_old_summertime.html sind wirklich den Umständen entsprechend von sehr guter Qualität und überaus liebenswert - herrlich - und somit hatte wohl der Verfasser dieser Zukunftsvision: "Die Zukunft der Musikindustrie" nicht ganz so unrecht - wunderbar! Ich liebe das Internet und die Innovation und Kreativität der Community. Ha! Vielleicht sollte ich mal schauen wie alt meine Schellacks sind - hmm.