Die Dreigroschenoper

 

..... und der Haifisch der hat Zähne und die trägt er im Gesicht. Doch Macheath der hat ein Messer und das Messer sieht man nicht.... Bertold Brecht (1898 - 1956)

Letzten Sonntag war ich im "neuen theater" bei uns in Halle zur "Dreigroschenoper" und ich muß sagen, das "nt" übertrifft sich selbst. Ich war begeistert von Alejandro Quintanas Inszenierung. Wirklich Spitze, allerdings sehr modern. Wer moderne Inszenierungen nicht mag, sollte es lieber lassen sich diese Version anzusehen.

Kurt Weill (1900 - 1950)Ich habe schon lange darauf gelauert, daß sie die "Dreigroschenoper" mal wieder auf die Bühne bringen. Dieses Stück, von Bertold Brecht geschrieben und von Kurt Weill vertont, ist eines meiner Allerliebsten. 
Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Haifische <grins>. Hätte nicht gedacht, daß mein Wunsch so schnell in Erfüllung geht. 
Leider bekam ich keine Karten zur Premiere, aber dafür gleich einen Tag später im ausverkauften Haus. 
Dieses Mal auch direkt im "neuen theater". Das gefiel mir sehr gut, denn man kann im Händel-Carrée-Parkhaus wunderbar parken und vorher noch in einer der netten Kneipen einen Happen essen. Das "nt" ist dann gleich um die Ecke. 

Da es keine festen Plätze gab, mußte ich zusehen, daß ich nicht zu spät ankam. Eine halbe Stunde vorher waren die Plätze schon fast alle besetzt. Typischerweise haben die Damen und Herren immer einen "Anstandsplatz" zwischendurch frei gelassen. So daß man, wenn zu Zweit unterwegs, besser etwas zeitiger da sein sollte. 
Allein hat man allerdings eine sehr gute Auswahl zwischen den vielen "Anstandsplätzen". Tja, ich war diesmal nicht allein, aber habe trotzdem noch zwei schöne Plätze mitten in der Mitte gefunden, wo sich wahrscheinlich keiner hintraute, da mitten in der Mitte. Wie gut für mich, denn ich war schon immer ein freches Mädchen und traute mich die halbe Reihe hochzuscheuchen - hehe.

ntDa die Zuschauer nun schon so zeitig da waren und damit es ihnen nicht langweilig wird, hatte das Theater einen netten Trick. Sie ließen ab und zu ein paar Gestalten, die irgendwelche Ganoven darstellten, umherlaufen und das Publikum erschrecken. Oh ja, die sahen ganz schön wild aus. Gute Idee.
Ich sah mir das Bühnenbild an und es gefiel mir sehr gut. Wie schon gesagt, sehr modern, aber wirklich nicht übel.

Der Anfang war etwas anders, als gewohnt. 
Als erstes tauchte die Band auf, die die Zuschauer durch die schauerlich laute Ouvertüre aufweckte - gut gemacht - und dann
begannen sie mit dem "Mackie Messer Song". Ein bißchen ungewöhnlich, diesmal nicht von einer einzelnen Person gesungen, sondern von der gesamten Crew. Sehr schön - Allerdings habe ich den tieferen Sinn der Vampirbisse nicht so richtig verstanden. Ich bin mir nicht sicher, ob es  bedeuten sollte, daß Mackie Messer einen großen, betäubenden Einfluss auf Frauen hatte?!? Ich fand es ein bißchen unpassend. Das war aber das Einzige, was mir nicht gefiel. Die düstere Stimmung kam sehr gut rüber und ich dachte hier schon, daß das Stück gut werden würde. Was es dann auch tat.
Macheath (Quelle: Programm "Dreigroschenoper" des nt) Die Kostüme waren klasse und die Maske auch sehr gut. Diese kannte ich ja schon aus "Doktor Faustus", welches auch vom "nt" inszeniert wurde. Sie scheinen die Bösewichte immer so düster zu schminken. Andreas Range, als Macheath, sah jedenfalls gut aus. Er spielte genial - hat mir auch schon im Faustus als Mephisto sehr gut gefallen.
Karl-Fred Müller, als Peachum war auch wiederAndreas Range (Quelle: Homepage des nt) unübertreffbar. Ich liebe seine Art zu reden und zu agieren. Er war eine perfekte Besetzung für Peachum. Elke Richter spielte seine Frau. 
Ein "nettes" Milieu - sie "blau" und er macht Geschäfte mit Bettlern. Wolfgang Boos spielte Filch, einen seiner Bettler. Er passte sehr gut in die Rolle. Wieder so ein "Clown" wie damals beim "Faustus". Karl-Fred Müller und Wolfgang Boos agieren wirklich hervorragend miteinander. Ein wunderbares Pärchen auch hier wieder.

Brechts "Dreigroschenoper" ist eines seiner Meisterstücke für die Bühne. Trotz des eigentlich traurigen Daseins seiner düsteren Gestalten und seine Absicht das Publikum die Dinge kritisch betrachten zu lassen, machte mich das Stück nicht sonderlich nachdenklich. Vielleicht lag es daran, daß man viel zu sehr durch TV und Zeitung überfrachtet ist mit solchen Szenen und sich daran gewöhnt hat. Peachum hat da schon ganz recht mit seiner Äußerung: "Es gibt einige wenige Dinge, die den Menschen erschüttern, einige wenige, aber das Schlimme ist, daß sie mehrmals angewendet, schon nicht mehr wirken." 
Vielleicht ist es aber auch einfach nur, weil die Songs sich zu Ohrwürmern entwickelten und ich die Meisten auswendig kenne und am liebsten mitgesungen hätte. Das ganze Stück ging locker, leicht von der Bühne. Manchmal ganz schön freizügig und jede Szene brillant gespielt oder gesungen. Vielen Dank dafür an alle Beteiligten!

Der Machtkampf zwischen Macheath und Peachum tobt. Da sieht man mal, selbst im Untergrund ist Karriere wichtig ;-). Macheath hat alle Trümpfe in der Hand. Er ist befreundet mit dem Polizeichef von London, Jackie Brown. "Wissen Sie, gnädige Frau, wir haben da Beziehungen zu den Spitzen der Behörden."  
Die Männer kennen sich aus alten Zeiten, als sie beide in der Armee dienten. Daher auch der bekannte "Kanonensong", den beide zusammen singen. Peter W. Bachmann spielt Jackie Brown. Er gefiel mir sehr gut in dieser Rolle.
Polly
(Daniela Schober), Peachums hübsche Tochter, ist verliebt in Macheath. Dieser nutzt das schamlos aus und heiratet sie in einem Pferdestall. Peachum kocht vor Wut. Er will ihn unbedingt an den Galgen bringen.
Tja, so ist das, wenn die Kinder ihre eigenen Ideen haben. "Ja, das machen alle Mütter, aber das hilft nichts. Weil die Liebe größer ist, als wenn der Hintern versohlt wird." ... und eigentlich hat sie nicht ganz unrecht, Macheath ist schon ein interessanter Mann ;-). 
Erst schien sie ein bißchen naiv, was auch Macheath so einschätzte. Er dachte, er könne sie um den Finger wickeln, aber als es ihm an den Kragen ging, entpuppte sie sich zur harten Geschäftsfrau. Tja, liebe Männer, so kann man sich täuschen mit den braven Schäfchen. Seit also vorsichtig. In manchem Schäfchen ist eine Wölfin versteckt. Da fährt Mann doch besser, wenn Mann es gleich mit einer Wölfin versucht ;-) und geht so de
m Schafspelz aus dem Weg. 
Sehr gut gefiel mir Petra Ehlert als Jenny. Ihr Outfit hat Jenny (Quelle: Programm "Dreigroschenoper" des nt) gut gepasst und sie spielte hervorragend - fand ich. Die Rolle der Jenny gefiel mir schon immer sehr gut. Endlich mal kein Schäfchen. Sie war schon ganz schön verschlagen und verrät ihren Mac für ein paar Schillinge an die Polizei. Tja "Da hat er eben leider recht. Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht." Aber Mann ist ja auch nicht ganz unschuldig. Anstatt zu fliehen, vergnügt er sich noch bei den Huren und bekommt prompt die Quittung dafür. 
"Da steht nun einer fast schon unterm Galgen
Der Kalk ist schon gekauft, in einzukalken
Sein Leben hängt an einem brüchigen Fädchen
Und was hat er im Kopf, der Bursche? Mädchen......"

Tiger Brown jammert über den Verrat seiner Freundschaft zu Mac und Mac verschwindet durch die Hilfe Tiger Browns Tochter Lucy aus dem Gefängnis. Und wie es kommen mußte fangen sie ihn wieder ein. Natürlich bei einer Frau. 
Lucy und Polly, erst eifersüchtig aufeinander, sind sich nun einig über Mac und die Männer: "Ach, Polly, die Männer sind es nicht wert." 
Na, Ladys, was meint Ihr dazu? Ich kenne einige Frauen aus deren Mund das stammen könnte, aber ich gehöre nicht dazu. Ich denke, manchmal sind die Herren schon einen Versuch wert ;-) 
Leider ist so manche Anstrengung  aber vergebens. Da wünschte ich mir schon so einen Mac. DER ist wenigstens nicht Feige <seufz>. 
Nagut, ich gebe es ja zu, manchmal sind die Frauen auch ein bißchen gefühllos: "Ach, Polly, hier find ich dich. Zieh dich um, dein Mann wird gehängt. Das Witwenkleid hab ich mitgebracht. Du wirst bildschön aussehen als Witwe. Nun sei aber auch ein bißchen fröhlich."
Trotz der schlechten Aussichten endet die Story wie ein Märchen: Macheath wird durch den reitenden Boten des Königs in dessen Namen begnadigt, geadelt und mit Gut und Geld beschenkt.  - Oh, ich liebe Happy Endes, aber da hat Brecht doch ein bißchen sehr dick aufgetragen.... aber isses nich schäään.

Und so kommt zum guten Ende
Alles unter einen Hut.
Ist das nötige Geld vorhanden
Ist das Ende meistens gut.

Daß nur er im Trüben fische
Hat der Hinz den Kunz bedroht.
Doch zum Schluß vereint am Tische
Essen sie des Armen Brot.

Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.*

Gute Nacht,
Eure Jana

 

*1930 Die Schlussstrophen des Dreigroschenfilms