Die Dreigroschenoper
..... und der Haifisch der hat Zähne und die trägt er im Gesicht. Doch
Macheath der hat ein Messer und das Messer sieht man nicht.... 
Letzten Sonntag war ich im "neuen theater" bei uns in Halle zur "Dreigroschenoper" und ich muß sagen, das "nt" übertrifft sich selbst. Ich war begeistert von Alejandro Quintanas Inszenierung. Wirklich Spitze, allerdings sehr modern. Wer moderne Inszenierungen nicht mag, sollte es lieber lassen sich diese Version anzusehen.
Ich
habe schon lange darauf gelauert, daß sie die "Dreigroschenoper" mal wieder auf die Bühne bringen. Dieses Stück, von
Bertold Brecht geschrieben
und von Kurt Weill vertont, ist eines meiner Allerliebsten.
Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Haifische <grins>. Hätte nicht gedacht,
daß mein Wunsch so schnell in Erfüllung geht.
Leider bekam ich keine Karten zur Premiere, aber dafür gleich einen
Tag später im ausverkauften Haus.
Dieses Mal auch direkt im "neuen theater". Das gefiel mir sehr gut,
denn man kann im Händel-Carrée-Parkhaus wunderbar
parken und vorher noch in
einer der netten Kneipen einen Happen essen. Das
"nt" ist dann
gleich um die Ecke.
Da es keine festen Plätze gab, mußte ich zusehen, daß ich nicht zu spät
ankam. Eine halbe Stunde vorher waren
die Plätze schon fast alle besetzt. Typischerweise haben die Damen und Herren
immer einen "Anstandsplatz" zwischendurch frei gelassen. So daß man,
wenn zu Zweit unterwegs, besser etwas zeitiger da sein sollte.
Allein hat man
allerdings eine sehr gute Auswahl zwischen den vielen
"Anstandsplätzen". Tja, ich war diesmal nicht allein, aber habe
trotzdem noch zwei schöne Plätze mitten in der Mitte gefunden, wo sich
wahrscheinlich keiner hintraute, da mitten in der Mitte. Wie gut für mich, denn
ich war schon immer ein freches Mädchen und traute mich die halbe Reihe
hochzuscheuchen - hehe.
Da
die Zuschauer nun schon so zeitig da waren und damit es ihnen nicht langweilig
wird, hatte das Theater einen netten Trick. Sie ließen ab und zu ein paar
Gestalten, die irgendwelche Ganoven darstellten, umherlaufen und das Publikum
erschrecken. Oh ja, die sahen
ganz schön wild aus. Gute Idee.
Ich sah mir das Bühnenbild an und es gefiel mir sehr gut. Wie schon gesagt,
sehr modern, aber wirklich nicht übel.
Der Anfang war etwas anders, als gewohnt.
Als
erstes tauchte die Band auf, die die Zuschauer durch die schauerlich laute Ouvertüre
aufweckte - gut gemacht - und dann begannen sie mit dem "Mackie Messer Song". Ein
bißchen ungewöhnlich, diesmal nicht von einer einzelnen Person gesungen,
sondern von der gesamten Crew. Sehr schön - Allerdings habe ich den tieferen
Sinn der Vampirbisse nicht so richtig verstanden. Ich bin mir nic
ht sicher, ob es
bedeuten sollte, daß Mackie Messer einen großen, betäubenden Einfluss auf
Frauen hatte?!? Ich fand es ein bißchen unpassend. Das war aber das Einzige,
was mir nicht gefiel. Die düstere Stimmung kam sehr gut rüber und ich dachte
hier schon, daß das Stück gut werden würde. Was es dann auch tat.
Die Kostüme waren klasse und die Maske auch sehr
gut. Diese kannte ich ja schon aus "Doktor
Faustus", welches auch vom "nt" inszeniert wurde. Sie scheinen die
Bösewichte immer so düster zu schminken. Andreas Range, als Macheath, sah
jedenfalls gut aus. Er spielte genial - hat mir auch schon im Faustus als
Mephisto sehr gut gefallen.
Karl-Fred Müller, als Peachum war auch wieder
unübertreffbar. Ich liebe seine
Art zu reden und zu agieren. Er war eine perfekte Besetzung für Peachum. Elke Richter
spielte seine Frau.
Ein "nettes" Milieu - sie "blau" und er macht Geschäfte mit
Bettlern. Wolfgang Boos spielte Filch, einen seiner Bettler. Er passte sehr gut
in die Rolle. Wieder so ein "Clown" wie damals beim
"Faustus". Karl-Fred Müller und Wolfgang Boos agieren wirklich hervorragend
miteinander. Ein wunderbares Pärchen auch hier wieder.
Brechts "Dreigroschenoper" ist eines seiner
Meisterstücke für die Bühne. Trotz des eigentlich traurigen Daseins seiner
düsteren Gestalten und seine Absicht das Publikum die Dinge kritisch betrachten
zu lassen, machte mich das Stück nicht sonderlich nachdenklich. Vielleicht lag
es daran, daß man viel zu sehr durch TV und Zeitung überfrachtet ist mit
solchen Szenen und sich daran gewöhn
t hat. Peachum hat da schon ganz recht mit
seiner Äußerung: "Es gibt einige wenige Dinge, die den Menschen
erschüttern, einige wenige, aber das Schlimme ist, daß sie mehrmals
angewendet, schon nicht mehr wirken."
Vielleicht ist es aber auch einfach nur, weil die Songs sich
zu Ohrwürmern entwickelten und ich die Meisten auswendig kenne und am liebsten
mitgesungen hätte. Das ganze Stück ging locker, leicht von der Bühne.
Manchmal ganz schön freizügig und jede Szene brillant gespielt oder
gesungen. Vielen Dank dafür an alle Beteiligten!
Der Machtkampf zwischen Macheath und Peachum tobt. Da sieht
man mal, selbst im Untergrund ist Karriere wichtig ;-). Macheath hat alle
Trümpfe in der Hand. Er ist befreundet mit dem Polizeichef von London, Jackie
Brown. "Wissen Sie, gnädige Frau, wir haben da Beziehungen zu den
Spitzen der Behörden."
Die Männer kennen sich aus alten Zeiten, als sie beide in der Armee
dienten. Daher auch der bekannte "Kanonensong", den beide zusammen
singen. Peter W. Bachmann spielt Jackie Brown. Er gefiel mir sehr gut in dieser
Rolle.
Polly (Daniela Schober), Peachums hübsche Tochter, ist verliebt
in Macheath. Dieser nutzt das schamlos aus und heiratet sie in einem
Pferdestall. Peachum kocht vor Wut. Er will ihn unbedingt an den Galgen bringen.
Tja, so ist das, wenn die Kinder ihre eigenen Ideen haben. "Ja, das
machen alle Mütter, aber das hilft nichts. Weil die Liebe größer ist, als
wenn der Hintern versohlt wird." ... und eigentlich hat sie
nicht ganz unrecht, Macheath ist schon ein interessanter Mann ;-).
Erst schien sie ein bißchen naiv, was auch Macheath so einschätzte. Er dachte,
er könne sie um den Finger wickeln, aber als es ihm an den Kragen ging,
entpuppte sie sich zur harten Geschäftsfrau. Tja, liebe Männer, so kann man
sich täuschen mit den braven Schäfchen. Seit also vorsichtig. In manchem
Schäfchen ist eine Wölfin versteckt. Da fährt Mann doch besser, wenn Mann es
gleich mit einer Wölfin versucht ;-) und geht so dem Schafspelz aus dem
Weg.
Sehr gut gefiel mir Petra Ehlert als Jenny. Ihr Outfit hat
gut gepasst und sie
spielte hervorragend - fand ich. Die Rolle der Jenny gefiel mir schon immer sehr
gut. Endlich mal kein Schäfchen. Sie war schon ganz schön verschlagen und
verrät ihren Mac für ein paar Schillinge an die Polizei. Tja "Da hat
er eben leider recht. Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht." Aber
Mann ist ja auch nicht ganz unschuldig. Anstatt zu fliehen, vergnügt er sich
noch bei den Huren und bekommt prompt die Quittung dafür.
"Da steht nun einer fast schon unterm Galgen
Der Kalk ist schon gekauft, in einzukalken
Sein Leben hängt an einem brüchigen Fädchen
Und was hat er im Kopf, der Bursche? Mädchen......"
Tiger Brown jammert über den Verrat seiner Freundschaft zu
Mac und Mac verschwindet durch die Hilfe Tiger Browns Tochter Lucy aus dem
Gefängnis. Und wie es kommen mußte fangen sie ihn wieder ein. Natürlich bei
einer Frau.
Lucy und Polly, erst eifersüchtig aufeinander, sind sich nun einig über Mac
und die Männer: "Ach, Polly, die Männer sind es nicht wert."
Na, Ladys, was meint Ihr dazu? Ich kenne einige Frauen aus deren Mund das
stammen könnte, aber ich gehöre nicht dazu. Ich denke, manchmal sind die
Herren schon einen Versuch wert ;-)
Leider ist so manche Anstrengung aber vergebens. Da wünschte ich mir
schon so einen Mac. DER ist wenigstens nicht Feige <seufz>.
Nagut, ich gebe es ja zu, manchmal sind die Frauen auch ein bißchen gefühllos:
"Ach, Polly, hier find ich dich. Zieh dich um, dein Mann wird gehängt.
Das Witwenkleid hab ich mitgebracht. Du wirst bildschön aussehen als Witwe. Nun
sei aber auch ein bißchen fröhlich."
Trotz der schlechten Aussichten endet die Story wie ein Märchen: Macheath wird
durch den reitenden Boten des Königs in dessen Namen begnadigt, geadelt und mit
Gut und Geld beschenkt. - Oh, ich liebe Happy Endes, aber da hat Brecht
doch ein bißchen sehr dick aufgetragen.... aber isses nich schäään.
Und so kommt zum guten Ende
Alles unter einen Hut.
Ist das nötige Geld vorhanden
Ist das Ende meistens gut.
Daß nur er im Trüben fische
Hat der Hinz den Kunz bedroht.
Doch zum Schluß vereint am Tische
Essen sie des Armen Brot.
Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.*
Gute Nacht,
Eure Jana
*1930 Die Schlussstrophen des Dreigroschenfilms