Ulf Paulsen - Don Giovanni - Anhaltisches Theater Dessau 2005Don Giovanni

 

Nachdem Katherina die Große mir am Samstagabend das Geheimnis ihres erotischen Kabinetts offenbarte und Pompeji mich am Sonntag morgen versuchte durch eindeutige Wandmalereien zu verführen, zog es mich am Sonntag Abend in die Arme des verruchten Don Giovanni - - - zur ersten Vorstellung der gleichnamigen Mozartoper nach der Premiere, ins Anhaltische Theater Dessau. Johannes Felsenstein und seine Crew hatten den nächsten Geniestreich für mich und sein rustikales Publikum vorbereitet. Ein übles Machwerk über einen noch übleren Gesellen. Tiefste Abgründe der menschlichen Sexualität würden sich auftun und uns voller Scham verschlingen - DAS! versprach interessant werden!

 

Die Vorstellung begann diesmal schon 17.00 Uhr und so zog es uns gegen 15.00 Uhr mit ein paar Umwegen nach Dessau. Ein bißchen mehr Zeit eingeplant, wegen der schlechten Straßenverhältnisse und möglichen Staus, waren wir auch pünktlich 16.10 Uhr angekommen und entschlossen uns in Anbetracht dieser frühen Stunde zu einem Kaffee in der um diese Zeit immer schön leeren Cafeteria des Anhaltischen Theater.

Tja und da hatte uns die PR Abteilung des Theaters einen Strich durch die Rechnung gemacht - als wir unten ankamen, war der ganze große Saal voller Rentner und wir erfuhren, daß zur Verkürzung der Wartezeit ein paar Noten zum Kaffee gespielt wurden und daß das auch immer sehr gut beim Publikum ankommt - aha - somit machten wir es uns mit unserer Tasse Kaffee ein einem der wenigen freien Tische bequem und harten der Dinge, die alsdann auch schon Gestalt, bzw. Klang annahmen.

Ulf Paulsen - Don Giovanni - Anhaltisches Theater Dessau 2005Ein kleines Kammerorchester, bestehend aus Klavier, Flöte, zwei Geigen, Cello und Bass spielte uns hübsche Klänge ins Ohr, was für mich eine wunderbare Atmosphäre wiedergab. Die Musik und die Musiker mit Frack und Blume am Revers erinnerten mich sofort an Wien und Kaffeehausmusik - einfach herrlich. Was für eine brillante Idee!!! Das hat mir sehr gut gefallen. Könnte ich öfter haben wollen. 

Der erste Geiger verneigte sich zum Publikum und der Bass in der hinteren Reihe schenkte mir einen flirtenden Blick und ich fühlte mich um ein paar Jahrhunderte in die Zeit zurückversetzt. Ein wunderbares Gefühl von Zufriedenheit stieg in mir hoch und ich wünschte, so etwas würde es auch irgendwo in einem Kaffee in Halle geben. 

Alles so schön romantisch altmodisch und mit so viel Liebe dargeboten. Das war ein wunderbarer Genuss. Vielen Dank liebes Anhaltisches Theater für diese Idee und vielen Dank an die Musiker für ihre hübschen kleinen Liebesbeweise zur Musik.

Der Csárdás zum Schluss war am besten und ich überlegte schon, ob ich dann Don Giovanni, oder lieber dort unten noch ein bißchen Kaffeehausatmosphäre mit liebevoller Zeitreise in ein vergangenes Jahrhundert genießen wollte.

Naja, da die Musiker für Don Giovanni gebraucht wurden, war die Entscheidung unabhängig meiner Gelüste getroffen.

 

Iordanke Derilova und Ulf Paulsen - Don Giovanni - Anhaltisches Theater Dessau 2005Golo Berg betrat sein Podest und ließ vorsichtig die Ouvertüre erklingen, naja, ein bißchen dicker hätte er schon auftragen können - die hübsche Ouvertüre erschien mir ein bißchen leise.

Dann gab der Vorhang das Bühnenbild für die erste schamlose Szene frei ;-) Donna Anna schlief in ihrem schönen weißem Bett und mit ihrer schönen weißen Korsage - ich fragte mich sofort, wie sie darin Nachts Luft bekommen konnte - also ich hätte das Ding ja ausgezogen und ein hübsches, seidiges Nachthemd bevorzugt.

Donna Anna und Leporello sieht man also als erstes auf der Bühne, im Hintergrund einen hübsch angemalten Korridor mit Treppe ins Nimmerland, oder in die Hölle, wie wir später noch feststellen werden. Nicht viel Dekoration, aber vollkommen ausreichend.

Leporello klagt über seinen Herren Don Giovanni und das mit Recht, der arme Kerl hat ja kaum eine Nacht Ruhe. Gespielt vom Darsteller übrigens hervorragend - würde fast sagen, eine der besten Rollen. Leider habe ich versäumt auf den Aushang im Foyer nachzusehen und weiß nun nicht, wer der perfekte Darsteller war. Im Programmheft stehen zwei Namen: Kostadin Arguirov und Nico Wouterse - vielleicht kann mir ja jemand einen Tipp geben. Die Vorstellung war am 11.12.2005.

Dann erschien endlich der viel umschwärmte, Frauenverrückte, gut aussehende Don Giovanni auf der Bühne. Er hatte ein phantastisches Kostüm an, von dem er sich sogleich entledigte und sich gekonnt auf Donna Anna stürzte - hervorragende Inszenierung (Johannes Felsenstein) und super gespielt von Ulf Paulsen und Daniela Zanger - Don Giovanni in Maske und Donna Anna denkt es ist Ihr Liebster Don Ottavio (wer's glaubt....). Es gibt einen mächtigen Tumult und ihr Vater, der Komtur (Rainer Büsching), betritt mit schnellen Schritt und Don Giovanni - Anhaltisches Theater Dessau 2005 gezücktem Degen die Bühne - dem folgt ein Gefecht um die Tochter und Don Giovanni tötet den alten Mann, was ihm nicht sehr viele Sympathien einbringen sollte, und sucht das Weite - schade, das hätte eine so schöne Nacht werden können.

So ganz schandhaft ließ Mozart Don Giovanni nun doch nicht stehen - zu seiner Ehrenrettung (wenn er denn ein hätte) muß man sagen, daß er mehrmals versuchte dem alten Mann den Kampf auszureden, der aber keinen Widerspruch duldete. Da hatte unser Held wohl keine andere Chance, wenn er nicht als Feigling dastehen wollte. Das war schon alles nicht so einfach im 17. Jh. ;-)

Ein paar Versprechungen noch und die Szene wechselt auf den Platz vor Don Giovannis Palast mit einem Gasthaus und Lusttempel. Wie praktisch, vielleicht sollte ich mir auch so etwas zulegen - hmmm - schließlich hatte Katharina die Große auch ihren Lusttempel gleich um die Ecke ;-)

Schade, daß das diesmal diese Szene nicht hergab. Da hätte ich mir schon ein bißchen mehr Bühnenbild gewünscht. Auch die Inszenierung gefiel mir in diesem kleinen Punkt nicht. Wieso schleppt Donna Elvira ihren Koffer selbst? Wo ist ihre Zofe?

Sonst war das Auftreten von Iordanka Derilova als Donna Elvira wieder sehr grazil. Und die ganze Szene zeigt wiedermal, wie ärgerlich Frauen werden können, wenn der Geliebte sich einfach so still und heimlich davon stielt - und wie gern sie es dann haben, wenn Mann sich versucht wieder einzuschmeicheln. Das gibt trotzdem ein paar kräftige Schläge - herrliche Szene, super gemacht - und unser Don Giovanni hatte ein paar nette blaue Flecke zu verbuchen. 

Kaum zu glauben, wie fleißig dieser Bursche war, 2063 Frauen, gemäß Leporellos korpulentem Büchlein. Wow! Nie im Leben -- ist da Lorenzo da Ponte (Libretto) nicht ein bißchen zu blauäugig? Aber Männer neigen ja von Haus aus dazu ein wenig zu übertreiben.

 

Es erscheinen Masetto (Ludmil Kuntschew) und seine junge Frau Zerlina (Sabine Noack) mit feiernden und tanzenden Bauern auf der Bühne. Frisch verheiratet, frisch verliebt und sie läßt sich von Don Giovanni verführen - ja, liebe Männer, so ist das mit den Frauen. Die sind auch nicht immer treu. Allerdings hätte ich Don Giovanni dem Bauern Masetto auch vorgezogen. Da brauchte Don Giovanni nicht viel Überredungskunst und es folgte dieses wunderschöne Duett der beiden und eine Bettszene mit nackten Tatsachen. 

Ein Raunen ging durch die Reihen der Rentner über solch freizügige Szene und wir amüsierten uns köstlich zusammen mit Don Giovanni, der wirklich keine Gelegenheit ausließ....... "Komm lass' uns glücklich sein, komm lass' uns selig sein!" :-) - ja, ein bißchen Seligkeit und Glücklichsein würde mir auch gefallen.

Ach, dieser Don Giovanni machte allen Spaß. Dem Publikum und ich denke auch den Darstellern, die sich so super ins Zeug gelegt haben und auch dem Orchester mit dem höflich, flirtenden Bass. Sogar Golo Berg hat mindestens vier mal gelächelt - hatte jedenfalls von Reihe 5 aus den Anschein. Und wir drei Frauen waren auch bester Laune. Das mußte Frau einfach sein, bei so herrlichen Szenen, wie z.B. bei der mit der Mandolinenspielerin aus dem Orchestergraben. Eine nette Idee - was den Männern im Saal wieder ein "orrrrr" entlockte. 

Was für verrückte Szenen und eine klasse Mimik der Sänger dazu. Die haben so super gespielt. Da passte jede noch so kleinste Bewegung perfekt. 

Don Giovanni - Anhaltisches Theater Dessau 2005 Stimmlich auch ok, ein bißchen leise vielleicht, aber das ist egal, denn die Darsteller kamen super rüber. Ulf Paulsen als Don Giovanni, passte vortrefflich in seine Rolle und in das Hemdchen und in das Chaos mit den drei Frauen. Ja, so passiert es, wenn man solche Sachen nicht bis zum Schluss durchdenkt. Da wird einem die ganze schöne Planung versaut und man hat drei Frauen auf einmal und zur selben Zeit am Hals und einen Ehemann obendrein.

Da hilft nur eins, Feste feiern, da es jetzt gerade günstig fallen würde. Spaß und Kammermusik auf der Bühne für die zahlreichen Gäste und ein nettes privates Fest für Don Giovanni und Zerlina - weil es gerade so schön passend fällt. 

Das hat Spaß gemacht, nur Masetto brauchte wieder ein paar aufbauende Streicheleinheiten - was nicht sehr anstrengend für die hübsche Zerlina mit ihren hübschen Reizen war - schnell wurde der gehörnte Ehemann wieder besänftigt und auf ging es zum nächsten Spaß. 

Nur drei griesgrämige Masken wollten das schöne Spiel verderben - Donna Anna, Donna Elvira und Don Ottavio, versuchten auf etwas stümperhafte Weise, den wendigen Don Giovanni den Gar aus zu machen, oder besser ihn und seine umtriebigen Streiche ein Ende zu bereiten. Aber der witterte den Braten, schickte seinen Diener vor und war schnell wie der erste Zwerg über alle Berge auf und davon. Leporello bekam die Prügel und die drei waren blamiert. 

Aber selbstverständlich geht es natürlich nicht, daß so ein Unhold so einfach davon kommt. Nach dem Glauben der naiven Menschheit, mußte so einer selbstverständlich am Schluss zur Hölle fahren! -- Was für eine Verschwendung - hat sich Mozart sicherlich gedacht, aber wohl nicht laut gesagt und der Menschheit gekonnt ihren Willen gegeben.

Bühnenbildwechsel und wir befinden uns auf einem Friedhof.

Die Friedhofszene war dann doch ein bißchen "frei nach Felsenstein", endete aber im gleichen Desaster.

Don Giovanni trifft seinen Diener Leporello und bittet ihn mit etwas Nachdruck den toten Komtur zu seinem Fest einzuladen. Das geschieht und erschreckend für die beiden Herren, willigt der Komtur ein. Nicht so erschreckend für das Publikum, weil das wusste natürlich selbstverständlich schon vorher was auf sie zukam. Naja und ich glaube die Fassung nach Lorenzo da Ponte war in dieser Szene ein bißchen dramatischer. 

Letztendlich kam es bei beiden auf das Selbe heraus, Don Giovanni fuhr zur Hölle und alle Frauenherzen seufzten - was für eine Verschwendung!

 

Diese hervorragende Performance bekam natürlich auch einen hervorragenden Beifall. Pfiffe vor Begeisterung und dröhnendes Getrampel -- Na die Rentner wieder? Einmal losgelassen.... - haha - herrlich, was für ein Spaß! Vergnügt und etwas aufgedreht zog es uns zu so früher Stunde noch hinüber ins Steigenberger zu einem diesmal exzellenten Dinner mit köstlichem Wein und Frauengesprächen - nur gut, daß es so leer war und uns keiner hörte ;-)

 

Was für ein gelungener Abend wieder in Dessau. Da wünscht Frau sich doch, daß so ein Spaß nie Enden möge.....

 

 

Eure Jana