Wie Rosen sind sie Lieblich....

 

ja meine Herren, mit diesen Worten meint Figaro in Mozarts "Hochzeit des Figaro" uns liebliche Geschöpfe - na, kennt hier einer der Herren seinen gesamten Text? Nicht? Ohhhh guuut ;-)

Ihr hättet letzten Sonntag nach Halle in die Oper kommen und Euch die Arie des Figaro anhören sollen. Ludmil Kuntschew hat sie wirklich super rüber gebracht und da es diesmal ein Gastspiel des Anhaltischen Theaters Dessau war, gab es natürlich wieder eine dieser hervorragenden Felsenstein Inszenierungen. Aber gut, der Fairness halber will ich mal nicht so sein und Euch den gesamten Text schnell hier abtippen:

 

"Alles ist richtig; auch kann die Stunde

Nicht mehr fern sein.

Ich höre kommen! - Sie ist es.

Nein, 's war nichts. - Die Nacht ist dunkel.

Ich treibe also heute das allerliebste Handwerk

Eines erfersücht'gen Eh'manns!

Verrät'rin in der Stunde

Vor der Hochzeit mich zu täuschen!

Als er las, schien er fröhlich,

Ich lachte mit ihm, wußte nicht,

Dass die Sache mich selbst anging. -

Oh Susanna, Susanna!

Hältst du so deine Treue?

Wer hätt' auf deine Augen,

Auf die ehrliche Miene,

Auf dein Herz nicht geschworen?

Ach, einem Mädchen zu trauen

Ist eitle Torheit!

 

Ach! Öffnet Eure Augen,

Blinde, betörte Männer,

Und sehet, wie das Weibervolk

Euch durch Bezaub'rung täuscht!

Sie, die ihr so vergöttert,

Sie sind der reichen Opfer,

Sie sind des teuren Weihrauchs

Wahrhaftig gar nicht wert.

Sie fangen durch Hexerein'n

Und martern das Herz,

Sie locken zum Abgrund

Durch Sirenengesang.

Die Hand rupft euch Federn aus,

Die euch so freundlich streichelt.

Ihr Irrlicht verleitet euch

Und stürzt euch dann in Gruben.

Wie Rosen sind sie lieblich,

Doch auch wie sie voll Stacheln;

Bald Tiger und bald Tauben,

Bald Wölfe und bald Lämmer.

Sie leben und weben

In Trug und Verstellung;

Für sie ist nichts heilig, Nichts fesselt ihr falsches,

Ihr treuloses Herz.

Das Weitre verschweig' ich,

Doch weiß es die Welt!"

 

Och ja, die armen Männer wieder. Wirklich schade, daß die Frauen früher keine Opern geschrieben haben - hmmm, jedenfalls ist mir davon nichts bekannt - Denn DEN Text hätte ich jetzt gern mal auf Mann bezogen ;-)

Ludmil Kuntschew (Quelle: Programm Spielzeit 2005/2006 des Angaltischen Theaters Dessau) - lk.jpgDie hätten dann wahrscheinlich so etwas geschrieben wie Ava Gardner: "Ich bin nicht abergläubisch, aber es gibt Dinge, die mir kein Glück bringen, zum Beispiel Männer."

Oder so etwas, wie Beaumarchais, der eigentlich der Urheber dieses Machwerkes ist, selbst: "Was zu dumm ist gesagt zu werden, wird gesungen."

Das ist schon ein interessantes Ding. Dieser Beaumarchais war bestimmt ein netter Zeitgenosse. Irgendwann komme ich auch mal dazu mehr über ihn zu lesen. Ich habe hier in meinem Bücherregal schon ein gutes Buch von Feuchtwanger stehen, was ihn betrifft: "Die Füchse im Weinberg", aber ärgerlicherweise komme ich einfach nicht dazu - naja, vielleicht bis zur nächsten Aufführung des Figaros.

Also wie gesagt, diese Arie war super gesungen und noch besser gespielt von Ludmil Kuntschew, der dem Zuschauer damit das Fürchten lehrte und ich dachte, wie gut, daß meine Lieblingsreihe nicht die Erste ist ;-)

 

Leider war es diesmal in der Oper Halle nicht sehr voll, da die meisten Besucher sich ihr Geld für die eine Woche darauf folgenden Händelfestspiele hier in Halle aufsparten. In diesem Fall war das sehr schade, denn diese Inszenierung war, wie man es von Dessau schon immer gewohnt ist, brillant. Das Bühnenbild paßte perfekt und die Kostüme waren so herrlich - nichts häßlich, sparsam, Modernes; nein, wirklich noch nach dem schönen alten Stil - einfach toll! Da trifft Stefan Rieckhoff genau meinen Geschmack.

Ulf Paulsen (Quelle: Programm Spielzeit 2005/2006 des Angaltischen Theaters Dessau) - up.jpgAuch die Darsteller waren wieder super ausgesucht, naja, der Figaro war nun nicht gerade mein Typ, aber er hat super gesungen uns gespielt. Ulf Paulsen paßte wunderbar in die Rolle des Grafen Almaviva und Daniela Zanger war eine hübsche Gräfin.

Susanna war perfekt besetzt. Genau so hätte ich sie mir auch vorgestellt. Sie hat erstklassig gespielt und super gesungen. Ich glaube es war Christina Gerstberger. Habe leider nicht zur Vorstellung am Aushang nachgesehen. Die zweite Besetzung für Susanna wäre Rona Izrael gewesen. Vielleicht kann mir ja jemand einen Tipp geben. Ich würde das gern hier genauer schreiben, denn die Dame, die ich gesehen habe, spielte wirklich erstklassig!

Ich finde die Dessauer haben sowieso immer hübsche Frauen in Ihren Opern, sogar die eigentlich alte und hässliche Marcellina, auch super gespielt und gesungen von Jelena Bodrazic, sah richtig gut aus. Da standen die Männer um etliche Hasenlängen nach <grins>. Aber egal, es paßte trotzdem alles und Ulf Paulsen machte natürlich eine gute Figur - wie immer - nur die Perücke stand ihm nicht besonders. Aber das offene Hemd sah schon gut aus und hat mich irgendwie an Otto Katzameier damals im "Imeneo" erinnert. Der sah auch toll aus - jaja, ich weiß, es kommt immer auf die Stimmen an, aber liebe Männer, Frau möchte auch gern mal etwas für's Auge haben. Ist doch bei Euch auch so - Ihr lügt, wenn Ihr jetzt mit dem Kopf schüttelt!!!

 

Golo Berg (Quelle: CD der Anhaltischen Philharmonie Dessau) - gb.jpgDas Bühnenbild war noch ein wenig verhüllt und Golo Berg schmetterte die Ouvertüre in unseren kleinen Saal. Ein paar Damen später auf der Toilette meinten zwar, er schmetterte diesmal etwas leise, aber ich fand es war perfekt für unsere kleine Oper - saß allerdings auch in der vierten Reihe.

Diesmal ohne Stöckchen, da unser Orchestergraben wohl den Platz nicht hergibt - er ist etwas mehr Raum gewohnt, Dessau ist um Etliches größer - aber dafür schön gestriegelt und gebügelt - sogar die Haare geschnitten und den Bart gestutzt. War das jetzt extra wegen dem Gastspiel in Halle, oder war es einfach nur mal wieder fällig? Das letzte Mal, die Woche zuvor zum 7. Sinfoniekonzert im Anhaltischen Theater Dessau, sah er dagegen richtig verwahrlost aus - hmmm, aber eigentlich gefiel er mir so "verwahrlost" viel besser.

 

Der zarte Vorhang wurde alsdann geliftet und gab ein noch etwas renovierungsbedürftiges Zimmer wieder. Wie das so ist bei den Frauen war Susanna mit ihrer Schönheit beschäftigt und wie das so ist bei den Männern, interessierte es Figaro nicht im Geringsten, was sie anhatte. Er wollte lieber das Zimmer ausmessen. Wie das so ist bei den Frauen, nörgelte Susanna natürlich so lange herum, bis er aufsah und wie das so ist bei den Männern, konnte er natürlich nichts anderes als nachgeben. Und das hat sich ja schließlich auch gelohnt, denn sie sah toll aus. Der Schleier aus der Truhe war sicherlich noch der von ihrer Großmutter, denn er hatte in der weißen Farbe schon ein bißchen gelitten.

Er freute sich über das tolle Zimmer, was der Graf den beiden zur Verfügung gestellt hat und sie, so als Frau, durchschaute natürlich die Sache und setzte ihrem Figaro erst mal das Warum auseinander. Figaro, so als Mann, war selbstverständlich stink sauer auf den Grafen und nahm den Kampf auf ... so als Mann eben.

"... will der Herr Graf ein Tänzchen wohl wagen... ich spiel ihm auf...." Diese Arie ist immer so mitreißend, daß ich auch diesmal am liebsten mitgesungen hätte.....

 

.... tja Leute, leider diesmal nur bis hier, denn dann begannen mein Prüfungsstress und die Händelfestspiele in Halle.

Ich denke aber, ich lade das schon Geschriebene trotzdem hoch, weil es wirklich eine tolle Inszenierung war und einen Bericht verdient hat.

 

Tut mir Leid für die halbe Sache,

Eure Jana

 

 

 

 

 

 

.... übrigens, "Die Hochzeit des Figaro" taucht im Spielplan der nächsten Saison wieder auf. Also wer es in Halle verpaßt hat, es lohnt sich ..... Samstag, den 07. Januar 2006, 17:00 Uhr und am Sonntag, 19. Februar 2006, ebenfalls 17:00 Uhr in Dessau