Miko Milev & Andreas Rainer "Die Csárdásfürstin" an der Musikalischen Komödie in Leipzig - Oktober 2006 -Programm der Operette"die Mädis, die Mädis ...." nehmen die Liebe nicht so tragisch?

Emmerich Kálmáns "Csárdásfürstin" ist wohl der beste Spiegel eines Frauenherzens, denn ich opern- bzw. operettentechnisch kenne. Von wegen sie nehmen die Liebe nicht so tragisch - Ha! nach Außen vielleicht,  - jede Frau nimmt die Liebe tragisch - seufz - verliebt, verliebt, verliebt.... tragisch --

Da mag Frau nach Außen hin noch so kühl und unerschüttbar erscheinen, im Inneren ist sie weich wie ein jungfräuliches Engelchen mit so vielen stillen Erwartungen an den Mann ihrer Träume -- aber gut, daß das nur im Inneren, in ihrem romantisch pochendem Herzen passiert, die Männer würden sich sonst fürchten vor so viel Liebe, die Frau ihnen entgegen bringt oder bringen möchte.

 

An diesem Mittwoch, den Tag so mitten in der Woche, war ich also in der Musikalischen Komödie in Leipzig um mir die Operette "Die Csárdásfürstin" anzusehen. Ich weiß nicht wirklich, was mich geritten hat, mir eine Operette anzusehen. Vielleicht wollte ich nur ein bißchen Abwechslung vom stressigen Alltag oder es war der an diesem Abend super günstige Eintrittspreis, oder es lag daran, das ich Vittorio Montis "Czárdás" so gern höre... Naja, egal, jedenfalls zog es mich an diesem Abend in das locker, leichte Milieu der Operette über das locker, leichte Leben im Varieté. Auf alle Fälle wollte ich Vergnügen und ich wollte auf keinen Fall einen Spiegel vorgehalten bekommen. Wo bleibt denn da das Vergnügen, wenn Frau immer wieder an ihre Träume bezüglich  Liebesleben erinnert wird? Naja gut, einen Vorteil hat so eine Operette, sie geht immer gut aus - also dann denken wir mal, wenn das in der Operette so ist, dann ist das auch im wahren Leben so und freuen wir uns auf ein Happy End der z.Z. stagnierenden Lage des Liebeslebens. "Tausend kleine Engel singen: 'Habt Euch lieb'..."

Diese Kálmánsche Musik ist wirklich hervorragend. Dafür, daß ich die "Csárdasfürstin" noch nie in meinem Leben gesehen habe, ist es schon beeindruckend, daß ich jeden einzelnen Song aus diesem musikalischem Prachtstück bis ins Detail kannte. Das ist das Phänomen der Ohrwürmer, die bleiben immer irgendwie im Unterbewusstsein haften auch wenn man sich gar nicht mehr erinnern kann, wo und ob man sie überhaupt jemals gehört haben sollte.

 

Bevor das große Ereignis zum kleinen Preis stattfinden sollte, zog es mich wieder in diese kleine Kneipe, gleich neben der Komödie mit schnellen Durchgang zu derselbigen, zum Abendessen. Einfache Hausmannskost in nettem Ambiente und mit sehr freundlicher Bedienung.

Als ich anderthalb Stunden vor Beginn dort ankam war der rustikal eingerichtete Saal schon so gut wie gefüllt, mit relativ gut angezogenen, schwatzenden Operettenbesuchern und anderen fröhlichen Individuen. Ich bestellte mein rustikales Schnitzel mit Ei und genoss zufrieden diese gemütliche Umgebung in Vorfreude auf das diesmalige abendliche Ereignis.

Das Schnitzel ward schnell verzehrt und die Wartezeit somit schnell und sinnvoll verbracht.

Diesmal saß ich in Reihe 10 des hübschen und prall mit Zuschauern gefüllten Zuschauersaales der Musikalischen Komödie. Ich fühlte mich sehr wohl und zufrieden in dieser Umgebung und genoss die erwartenden Augenblicke bevor der Dirigent den Emmerich Kálmán (1882-1953) Orchestergraben betrat. Diesmal war es wieder Roland Seiffarth der das Stöckchen zu beschwingter Musik schwang und mit Taktschlag den Blick zur Bühne freigab. 

Och ja, das war das romantische Bühnenbild, was ich liebte, mit wunderbaren Kostümen und angedeuteten Varietéeinlagen. Für diesen ersten Eindruck war es schon mal hervorragend gemacht von der Inszenierung (Franziska Severin) und Bühne/ Kostüme (Thomas Gabriel/ Sven Bindseil) und das sollte sich auch weiterhin durch diese hübsche Operette hindurchziehen.

 

Sylva Varescu (Lynda Kemeny), die beliebte Chansonsängerin, betrat elegant das Geschehen mit hübsch, fröhlicher Melodie und man wird alsdann in die Handlung eingeführt. Das Libretto (Leo Stein & Béla Jenbach) ist einfach, verständlich und selbstverständlich kitschig - hmmm - naja, Kitsch mit einem gewissen Fünkchen an tiefsinniger Wahrheit und kriegerischer Traurigkeit und Ablenkung.

Andreas Rainer als Graf Boni Káncsiánu und sein bester Freund Feri von Kerkes (Milko Milev) schmetterten uns gekonnt den ersten Ohrwurm in den Saal und ins Gemüt. Ich wäre am liebsten sofort aufgesprungen und hätte mein Tanzbein zu dieser mitreißenden Musik geschwungen.... "Die Mädis, die Mädis, die Mädis vom Chantant..." - herrlich! Die beiden waren einfach brillant, darstellerisch wie auch musikalisch. Sie passten perfekt in diese Rollen - hervorragend!

Nach dieser heiteren Extase wurde Frau durch Hans-Jörg Bock als Edwin und seiner Sylva sofort wieder an den Ernst des Liebeslebens erinnert mit diesem wunderbaren ..... "Mädchen gibt es wunderfeine, doch wer liebt,Emmerich Kálmán (1882-1953) der sieht nur eine und die eine ist die Schönst auf der Welt...".... ohhhh so wunderbar romantisch.... da träumt doch jedes Frauenherz zu gern von. Oh ja, laßt mich noch ein bißchen so herrlich träumen, bevor ihr mich wieder auf den Boden der realistischen Tatsachen plumpsen laßt. ..... ".... doch wer liebt der sieht nur eine......" seufz .... und es wäre doch zu schön, wenn das mal ohne Komplikationen abgehen würde - nein, dann wäre diese Operette wohl zu schnell zu Ende und die Zuschauer hätten es viel zu einfach mit dem Glücksgefühl - nein, das soll natürlich nicht so sein und somit geht das Desaster und die Chose weiter bis ins Chaos und wieder hinaus. Jawohl! denn wie wir alle wissen gehen Operetten immer gut aus - somit wusste ich auch hier, egal, wie ausweglos die Sache aussieht und sich noch entwickeln würde, sie bekommen sich doch!!!

"Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht, ganz ohne Sonne blüht die Rose nicht..." Da seht Ihr, er hat's erkannt <grins>. Ich liebe diesen Song, der baut mich immer wieder so schön auf.

 

"Ja, so ein Teufelsweib...." ohhhhh brillant..... ist das nun Märchen, oder mögen die Herren wirklich solch unabhängige Teufelsweiber? Mit meinen Erfahrungen habe ich da immer eher den Eindruck sie ziehen den Schwanz ein und verstecken sich hinter abstrakten und wirren Schutzgedankengebilden, wenn ihnen so etwas über den Weg läuft, nur um nicht Auge in Auge ihr gegenüber bestehen zu müssen. .... naja, aber vielleicht lebe ich ja auch nur in der falschen Gegend. Hier sind wohl eher ruhige, farblose und unterwürfige Weibchen gefragt.

 

So ein klein wenig macht diese Operette auch ein klein wenig traurig und irgendwie hat Kálmáns Musik manchmal irgendwie eine ganz melancholische Note. Wenn man sich in diese Note oder Noten hineinvertieft, machen Anne-Kathrin Fischer & Milko Milev "Die Csárdásfürstin" - Musikalische Komödie Leipzig - Oktober 2006 die einen nicht immer fröhlich, obwohl die Musik eigentlich einen fröhlichen Anschein hat. Sie sprintet in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit an einem vorbei und doch.... da gibt es Augenblicke, die einem irgendwie in eine melancholische Stimmung versetzen - das ist irgendwie konträr und scheint irgendwie nicht zusammenzupassen. "Mädchen gibt es wunderfeine...." als Sylva diese Zeilen singt gehen sie einem irgendwie tief ins Gemüt und man glaubt dem vorgespielten Glück auf der Bühne keine Sekunde, auch wenn man weiß, daß die ganze Sache liebestechnisch letztendlich gut ausgeht. Es klingt wirklich sehr nach Abschied, auch wenn Graf Boni sofort danach ein Hohelied auf die Weiber und Küsse singt..... und das Teufelsweib singt und tanzt und überspielt somit ihre eigentliche Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit in den Armen des Einen, dem sie gern ihr Herz schenken würde...... jeh

 

Kaum zu glauben, daß so eine vor Ohrwürmern strotzende, mitreißende Operette in Mitten des ersten Weltkrieges geschrieben und aufgeführt wurde. Vielleicht auch deshalb die melancholischen Noten hin und wieder.... Es ist sicherlich sehr sonderbar, in so eine Operette zu gehen, wenn um einen herum die Welt versinkt. "Das Libretto von Béla Jenbach und dem erfahrenen und erfolgreichen Leo Stein (der schon bei "Wiener Blut" und der "Lustigen Witwe" am Libretto mitgewirkt hat) ist ein präzises Spiegelbild jener Welt dekadenter Kaffeehausgänger und Theateraristokraten, die mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges für immer unterging."* --- Kaffeehausgänger, Kaffeehausmusik.... schade, daß so eine schöne Freizeitbeschäftigung heut zu Tage nicht mehr existiert. Ich Anne-Kathrin Fischer & Karl Zugowski "Die Csárdásfürstin" - Musikalische Komödie Leipzig - Oktober 2006 hätte das gern miterlebt. So irgendwie schwingt da immer ein bißchen Romantik mit und Genuss und Vergnügen und eine tiefere Sehnsucht nach Schönheit und Individualität... vielleicht ist es ja das, was ich in Opern und Theater suche, die Individualität, Liebe und Schönheit des Einzigartigen, nicht die schnelle Massenabfertigung mit Werbeunterbrechungen des Kinos oder des Fernsehens.

 

.... und die Zigeuner spielen "piano" auf der Bühne und das romantische Herz schlägt "piano" dazu. Das war von der Leipziger Musikalischen Komödie ebenfalls super inszeniert - die drei Zigeunermusikanten (Thomas Prokein, Roland Meise und Norbert Stark) auf der Bühne, hervorragend!

Genauso hervorragend wie der Ball im Elternhause Edwins.

Die beiden Herrschaften (Karl Zugowski und Anne-Kathrin Fischer) gaben sich goldig und am Goldigsten empfand ich das Wiedersehen der einst Verliebten, der Fürstin zu Lippert-Weylersheim und des Feri von Kerekes - brillant! - so als Nebenhandlung...... und dann mit "machen wir's den Schwalben nach, bau'n wir uns ein Nest..." schon wieder ein Ohrwurm, diesmal zwischen der Komtesse Stasi und Edwin. Beate Gabriel sang und spielte wirklich wunderbar.....

 

 

Nagut, so jagte ein Ohrwurm den anderen und das Publikum war genau wie die Darsteller sichtlich vergnügt bei der Sache und selbstverständlich gab es am Ende auch den dementsprechenden und wohlverdienten Applaus. Ich kann jetzt zwar nicht sagen, daß dies die beste Aufführung einer Operette war, die ich bis jetzt gesehen habe. Ich kann noch nicht mal sagen, ob das Gesehene und Gehörte wirklich gut war, ABER, es hat riesig Spaß gemacht und somit ist es auf alle Fälle Wert es sich anzusehen bzw. anzuhören.

..... und die musikalische Komödie in Leipzig ist wirklich liebenswert und Wert besucht zu werden! .... ein wunderbares altmodisches Glücksgefühl welches sie in einem weckt und solch ein Vergnügen, welches sie einem aus dem Gemüt kitzelt!

 

 

Eure Jana

 

 

 

 

.... " Mädel guck, Männer gibt's ja genug..... manche alt, mache schlau......" .... "Das ist die Liebe, die dumme Liebe...." "....tralalalalalalalalalalala

 

 

"1000 kleine Engel singen, habt Euch lieb......... Tanzen möcht' ich, jauchzen möcht' ich..... mag die ganze Welt versinken, hab' ich Dich..... hab mich lieb...."

 

 

"Nimm, Zigeuner, deine Geige, Lass seh'n, was du kannst! Schwarzer Teufel, spiel' und zeige, Wie dein Bogen tanzt! 

Spiel' ein Lied, das weint und lacht, Spiele, bis der Bogen kracht, Spiele, bis heranbricht hell das Morgenrot, Spiele, Betyar, schlage mir die Sorgen tot! 

Jaj mamán, Bruderherz, ich kauf mir die Welt! Jaj mamám, was liegt mir am lumpigen Geld! Weißt du, wie lange noch der Globus sich dreht, Ob es morgen nicht schon spät!.....

...... Ganzes Dasein ist ein Schmarren! Freunderl, sei gescheit! Heute über fünfzig Jahren Leben andre Leut'! Dieses ganze Jammertal Ist für mich ein Nachtlokal. Überhaupt fahr' ich in Himmel vorderhand und verkaufe, wenn gefällig, mein Gewand....."

 

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*Emmerich Kálmán zum 50. Todestag, Musikverlag Josef Weinberger, S. 7

--> der Rest der Zitate ist aus der Operette