
Classix in Braunschweig
Sorry, aber die Maus mußte jetzt hier einfach mal mit rein. Nein, sie hat nicht das geringste mit dem Classix Festival in Braunschweig zu tun, aber sie ist sooooo niedlich ;-)
Ja genau, diesmal bin ich zwei Stunden von
Halle bis nach Braunschweig gedüst um die Münchner Philharmoniker und Christian
Thielemann zu hören. UND! Ich wollte schon immer mal eine Falmouth Stradivarius
von 1692 hören - nein, ok, das war eine Lüge. Ich habe gerade im Programm
gelesen, daß der Geiger Leonidas Kavakos auf so etwas spielt. Und er hat das
wirklich super gemacht, allerdings weiß ich jetzt nicht so recht, ob das nun an
dieser tollen Geige lag oder doch an seinem Können? ;-)
Sie hatten ein wirklich geniales Programm zur Eröffnung ausgewählt, Beethovens Violinenkonzert und Richard Strauss' Alpensinfonie - wunderschön, beides!
Deshalb entschieden wir, Uli und ich, uns
in Braunschweig dazu zu treffen. Braunschweig liegt da wirklich günstig. Genau
in der Mitte zwischen Hamburg und Halle. Die Stadthalle war dann auch
superschnell zu finden und da wir zeitig genug da waren, konnten endlich wieder
ein bißchen quatschen, so nebenbei, beim Bummeln am Hundertwasserhaus (?) vorbei und in
einer kleinen gemütlichen Kneipe endend - grins - wie immer. Oh, leckeren
Spargel mit Schnitzel und ganz gutem Wein dazu - was will Frau da mehr. Das ist
doch fast das Paradies auf Erden.
Die Kellnerin war zwar ein bißchen desorientiert, aber das Essen war echt lecker und das Wetter halbwegs ok, bis auf einen kleinen Regenschauer, der uns nach Drinnen verbannte.
Nach dem guten Essen machten wir uns wieder auf den Weg zurück zur Stadthalle. Der Regen hatte aufgehört für uns und wir bewunderten die hübschen kleinen Straßen. Viel haben wir leider nicht gesehen, aber ich denke Braunschweig ist eine hübsche kleine Stadt. Naja, die Konzerthalle ist nicht besonders schön, weder von Außen, noch von innen. Aber eins muß ich ihr lassen, die Akustik ist brillant!
Beethovens einziges Violinenkonzert ist
einfach atemberaubend schön. Wirklich schade, daß er nur eins geschrieben hat
und erstaunlich, daß es bei der Uraufführung bei den Kritikern überhaupt nicht
so gut ankam.
Wohl erst 17 Jahre nach Beethovens Tod zu einer Aufführung von Mendelssohn in London mit dem erst 13 jährigen Geiger Joseph Joachim, bekam es seinen verdienten Erfolg.
Schon der Anfang des ersten Satzes, das
Orchester ohne die Sologeige klingt toll. Beim Zuhören stieg sofort ein
Glücksgefühl in mir auf und ich konnte mich wieder so richtig schön in die
Musik fallen lassen. Das war einfach herrlich und dann der Einsatz von Leonidas
Kavakos Geige - wow! Bei diesem sauberen, perfekten Klang konnte ich
nur sofort
erstarren, bloß nicht atmen, damit man auch jeden der klaren Töne mitbekommt. So
wunderschön das Zusammenspiel zwischen Orchester und Geige und noch besser die
einzelnen Geigensolos ohne Orchester. Wie perfekt seine Finger sich so schnell
auf den Saite der Geige hin und her bewegten und zusammen mit dem Bogen so einen
brillanten Ton hervorbrachte. Das war unübertroffen!
Ich habe ihm ja schon einmal in Hamburg bei Ingo Metzmacher zu Brahms 2. Violinenkonzert zuhören können und war begeistert. Aber das hier war fast noch schöner!
Neben dem genialen Spiel macht er auch eine gute Figur da vorn, allerdings der Vollbart jetzt steht ihm nicht besonders - nur der Schnauzbart, so wie auf dem Foto im Programm, steht ihm viel besser. Ja, ein interessanter Mann...
Ein einzigartiges Geigensolo jagt das andere und mir persönlich gefiel das Melodische aus dem dritten Satz am besten. So etwas Schönes macht wirklich glücklich.
Der zweite Satz klingt so herrlich romantisch und Frau kann sich da wieder so wunderbar in ihre schönen Ideen fallen lassen. Augen zu, still dasitzen und ein bißchen von Romantik träumen.
Ja und dann der dritte Satz so locker uns
leicht. Erst zeigt die Geige wo es lang geht und dann folgt das Orchester dieser
schönen Vorgabe und mein Fuß folgte auch. Das war sehr mitreißend! Und der kurze
langsamere Teil hatte so eine hübsche Melodie, daß man sich fragt, wie so etwas
aus der Hand eines Menschen entstehen kann. Ein bißchen Jagdmotiv und man kann
die Freiheit in der Natur richtig spüren. Ich glaube Beet
hoven liebte die Natur
genau so wie ich und das ist wohl auch ein Grund meiner großen Sympathie für
ihn.
Ein wahrer Genuß, -- genau wie die leckeren Pralinen, die es in der Pause im Foyer gab. Leider mochte ich an diesem Abend überhaupt keine Pralinen und wollte nur schell zu den Getränken durch. Es war so warm in der Halle, daß ich jetzt unbedingt ein schönes kühles Glas Wasser brauchte. Nur verursachten die Pralinen einen herrlichen Stau im Foyer. Sämtliche Damen und auch ein paar Herren kamen nicht vorbei ein den köstlichen Schönheiten. Die Konditor haben sich solche Mühe gegeben und ruck zuck war alles so lieblos weggefressen.
Ich fand es eine gute Idee von "Heimbs"
einen Wettbewerb der Konditoreien zu veranstalten. Passte
sehr schön zum
Eröffnungskonzert. Leider hatte ich verpaßt mir die Prunkstücke vor dem Konzert
genauer anzusehen. Zur Pause war es im Foyer voll und die Leute so verfressen
und gierig, daß Frau sich dann die kleinen Kunstwerke nicht mehr in Ruhe ansehen
konnte.
Irgendwie fand ich sowieso, daß das nicht das übliche Konzertpublikum
war. Die waren viel zu unruhig. Beim zweiten Teil, der Alpensinfonie von Richard
Strauß, hat die Reihe hinter uns den besten Teil, den Sonnenaufgang, fast
verquatscht. Das habe ich noch nie bei einem Konzert erlebt, daß man in so einer
Lautstärke und so unaufhörlich bei solch einer wunderbaren Musik reden kann. Das
durfte einfach nicht wahr sein. Warum haben sie nicht in der Pause gequatscht
oder bei den Eröffnungsreden? Da hätte es keinen gestört. Die Reden waren zwar
nicht schlecht, besser als unsere bei der Händelfestspieleröffnung, aber dennoch
nicht so wichtig und einmalig, wie diese wunderschöne Musik. Es hat mich so
geärgert, daß ich schon Mordgedanken
in meinem Kopf hatte ;-) Die Alpensinfonie
ist so brillant, gerade der Anfang - die Nacht und dann der Sonnenaufgang - ja,
genau wie auf meinen Wanderungen in den Alpen. Ich konnte Strauß Gedanken
vollständig nachvollziehen. Der herrliche Wald am Fuße der Berge, der
plätschernde, kühle Bach, der tosende Wasserfall, die Wiesen und die Kuhglocken
auf der Alm - einfach toll. Ja, genau das waren meine Wanderungen. Oh, ich
könnte sofort wieder losziehen. Dort oben in den Bergen ist alles so
wunderschön. Die Natur und die Freiheit auf dem Gipfel. Und alles das passierte
meine Gedanken beim Zuhören. Das Gewitter und der Abstieg und dann Abends auf
dem Balkon bei einem Glas Wein der Ausklang eines wunderschönen Tages mit
Alpenglühen beim Sonnenuntergang genießen. Dort sitzend bis hinein in die stille,
schwarze Nacht, mit Vorfreude auf die Wanderung am nächsten Tage.
Unglaublich, er hat dieses Gefühl perfekt getroffen und Christian Thielemann und
sein Orchester haben es brillant umgesetzt.
Das war ein wunderbarer Hochgenuß!!! Vielen Dank an alle Beteiligten und einen special Dank an PwC, durch die Uli unsere Karten bekam und wir die Idee dort überhaupt hinzugehen und noch größeren Dank an sie, daß sie einer der Hauptsponsoren waren, ohne die solche wunderschönen Konzerte nicht möglich und für Normalsterbliche erschwinglich wären.
Eure Jana