CARMINA BURANA  und die 9. SINFONIE

"Freude schöner Götterfunken......" was für ein hübsches Stück. ILudwig van Beethoven (1770-1872)ch liebe die "Ode an die Freude" und ich liebe Beethovens 9. Für mich und sicherlich auch für viele andere eine seiner besten Sinfonien - natürlich - und eine seiner Bekanntesten. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es jemanden gibt, der sie nicht kennt.
Für mich ist es sehr beeindruckend, daß er dieses Werk schrieb, als er schon völlig taub war. Was für ein Genie und was für eine traurige Geschichte. Mir krampft es immer das Herz zusammen, wenn ich daran denken.
Es ist bemerkenswert, daß Schillers "Ode an die Freude" ihn nach solch einer Tragödie noch so inspirieren konnte. Ich denke, er glaubte an die Menschen und an die Kraft von Freude und Frohsinn. Es war eine gute Idee diesen göttlichen Gesang in seine Sinfonie einzubauen, obwohl das nicht gerade üblich war.
Er war fortschrittlich und versuchte neue Ideen umzusetzen. Er ließ sich nicht von der Allgemeinheit beeinflussen. Er war einmalig und ich habe sehr große Hochachtung vor diesem Mann.

Carl Orff (1895-1982)"Carmina Burana" von Carl Orff ist einfach das Spektakulärste, was es an Chorwerken gibt. Ich kann mein Gefühl dazu gar nicht richtig ausdrücken. Es ist so wuchtig und grandios, daß es einen vom Sitz bläst und den Atem anhalten läst. Ein so wunderbares Zusammenspiel zwischen Orchester und Chor. Einfach Meisterhaft, ich könnte darin versinken und nie wieder auftauchen.

Diese beiden Konzerte sind das beste, was einem passieren kann und ich finde es eine geniale Idee von Petr Chromcák mit seinen Tschechischen Symphonikern und dem Prager Opernchor diese Meisterleistungen in einem Konzert zusammenzubringen.  Natürlich und selbstverständlich mußte ich mir DAS anhören. Das erste Konzert in unserer Gegend war am 28.12.03 in unserer Händelhalle. Leider hatte ich da Bereitschaft und konnte nicht hingehen. Was mich sehr geärgert hätte, wenn sie es nicht noch einmal im Januar in Leipzig auf dem Plan gehabt hätten. Was für ein schöner Zufall, gleich hier um die Ecke.

Ich versuchte zeitiger aus dem Büro zu verschwinden, was mir diesmal auch gelang. Somit hatte ich noch Zeit mich vorher "in Schale" zu schmeißen und für ein Abendessen beim "Augustus". Wir hatten einen gemütlichen Platz, das Abendessen war diesmal auch sehr gut und somit war der Start in den Abend schon mal perfekt. Um uns herum, im Lokal, saßen schon andere Konzertgäste und man kam sich vor wie auf einer Gala, alle waren so gut angezogen. Ich sehe schon, die Leipziger haben Geschmack. Ich fühlte mich hier sofort wohl.

Leider mußten wir mit Parkett links vorlieb nehmen, da ich keine Karten mehr für die Mitte bekommen habe. Aber nicht so schlimm, denn so hatte ich einen schönen Blick auf die Geigen und den Dirigenten.
Die Orgelempore und die Ränge rechts und links waren vollkommen leer, was mich ein wenig wunderte. Normalerweise sind die billigeren Plätze in der Orgelempore immer gut besetzt. Vielleicht lag es daran, daß die Studenten noch auf Weihnachtsurlaub waren. Hinter uns das Parkett und die Ränge schienen vollständig ausgebucht.

Petr Chromcák begann mit Beethovens 9. Sinfonie, worauf ich mich sehr gefreut hatte, da Beethoven einer meiner allerliebsten Lieblinge ist. Das Orchester war gut angezogen, nur der Dirigent sah ein bißchen verloren aus in seinem Frack. Er dirigierte sehr ernst und elegant. Ich fand, er machte einen guten Eindruck, obwohl er nicht sehr groß ist und eher etwas zart wirkte.
Da ich die Geiger im Blick hatte, konnte ich sie mir näher ansehen. Sie hatten sehr schöne Geigen, so herrlich mit geflammten Rücken. Das sah richtig edel aus.

Der Dirigent begann sehr leise und ich überlegte schon, Programm: Petr Chromcák ob da irgendetwas mit der Akustik nicht stimmte. Was eigentlich nicht sein konnte, denn normalerweise hat das Gewandhaus eine ganz gute Akustik. Eigentlich kannte ich die 9. von Beethoven nicht so völlig ohne Schwung und Elan. Wenn Bloomstedt dirigiert kommen viel mehr Emotionen rüber. Hier hatte man das Gefühl es fehlte dem Dirigenten am Motivation und er vertrete Brechts Meinung, das man Musik und Theater eher emotionslos betrachten sollte. Ein Zuschauer verließ schon zum ersten Satz entsetzt den Saal und ich dachte der Dirigent muß Beethoven hassen.
Ich würde gern wissen, was er sich dabei gedacht hat, daß er ihn so "verfremdet" darstellte. Das Orchester war lahm und lustlos und ich entsetzt, daß man so etwas meinem Liebling Beethoven antun konnte.
Der ruhige Einsatz der Celli im 4. Satz gefiel mir allerdings sehr gut. Es war so still im Saal, daß man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Ich fand das Publikum war im allgemeinen sehr vorbildlich. Diesmal gab es kein dummes Geklatsche zwischendurch, aber vielleicht waren sie auch eingeschlafen. Mir jedenfalls ging es beinahe so.
Der Choreinsatz rüttelte mich wieder einigermaßen wach. Obwohl ich auch hier fand, daß es etwas dünn war, aber trotzdem bis jetzt das beste in diesem Konzert. Der Dialekt gefiel mir nicht - ok, ich weiß, ich sollte nicht so streng urteilen, da es ja keine Deutschen waren, aber sie bringen das Konzert nun schon so lange. Sollte man da nicht hoffen, daß sie den Text besser einstudieren könnten?
Ein bißchen unzufrieden ging ich dann in die Pause. Carmina Burana sollte der zweite Teil des Konzertes werden und ich hatte wenig Hoffnung, daß es das Erlebnis sein würde, was diesem grandiosen Werk entsprach.

Hier habe ich gelernt, man sollte nie von einem Stück auf das Andere schließen. Der Dirigent war jetzt wie ausgewechselt. Carmina Burana schien sein Lieblingswerk zu sein. Hier brauchte er auch keine Partitur und dirigierte vollkommen aus dem Gedächtnis. Ich weigerte mich zu glauben, daß das das selbe Orchester war wie vor der Pause. Was hat er ihnen in der Pause gegeben? Orchester, Chor und Dirigent blühten regelrecht auf. Soviel Wucht und Feuer hätte ich mir für den ersten Teil auch gewünscht. Petr Chromcák hatte soviel Energie und Schwung. Es war ein Genuss ihm zuzusehen. Kein Wunder, daß er bei der Umherspringerei nicht zunehmen kann.  "O Fortuna" donnerte über die Zuschauer hinweg und drückte mich voller Wucht in meinen Sitz und ich war sofort begeistert. DAS hatte Emotionen und der Chor war klasse. Was für eine herrliche Musik! Die Solisten fand ich ebenfalls sehr gut. Der Bariton Vojtech Nalezenec hatte eine wunderbare Stimme.
Da ich tiefe Stimmen liebe, waren natürlich er und die Bariton Solos das beste. Ich fragte mich, woher das dünne, zarte Persönchen soviel Stimme herholte, einfach grandios. Er konzentrierte sich sehr auf seine Einsätze welche Petr Chromcák aus den Augenwinkeln beobachtete. Der Tenor Michal Vojta war ebenfalls sehr gut und schien schon ein bißchen erfahrener. DAS war eine Stimme. Man kann gar nicht glauben, daß ein Mann so hoch singen kann. Für meine Ohren eine exakte, saubere Stimme. Genauso wie die von Monika Brychtová als Sopran. Sie hatte ein nettes Lächeln und war mir sofort sympathisch. Sie ist bestimmt eine angenehme Frau, dachte ich, im Gegensatz zum Dirigenten. Der kann sicherlich manchmal ganz unerträglich sein ;-)

Der Gesang in Latein... war wunderschön und ich hätte gewünscht, daß er nie enden würde. Solch alte Stücke, die Orff damals in die Finger bekam. Immerhin Mitte des 13. Jh., benannt nach ihrem Fundort, dem Kloster Benediktbeuern, darum auch Carmina Burana.

O Fortuna! - Was für eine Lebenslust. Ich liebe diese Lust und könnte jederzeit darin eintauchen! ... und ich hoffe, daß sich Fortunas Rad niemals nach unten bewegt... 

 

Meiner Meinung nach war Carmina Burana ein Erfolg. Das hat man auch zum Schluß am Applaus gemerkt. Der viel besser ausfiel als zur Halbzeit. Nach der sehr gut gelungenen Zugabe, gab es sogar noch eine Standing Ovation, was im Fall Carmina Burana sicherlich auch gerechtfertigt war. Ich würde sagen, trotz der lahmen 9. lohnt es sich das Konzert anzuhören. Der Genuss dieser emotionsgeladenen Carmina Burana macht das meiner Meinung wieder wett.

 

Eure Jana

Luis Royo: Fallen Angel