Auf der Suche...

 

... nein, nicht Bruckner war auf der Suche - zumindest nicht auf Dieser - sondern ich, und zwar nach Labels, die noch nicht von der "Universal Musik GmbH" geschluckt wurden sind.... und Leute glaubt mir, das ist nicht so einfach. Dieser Konzern kontrolliert fast alles, was sich irgendwie Musik nennt. In Deutschland besitzen sie Klassiklabel, wie DECCA, Deutsche Grammophon, Philips, ECM oder auch andere bekannte Labels wie Polydor und Def Jam. Eigentlich sind sie ja auch ganz einfach im Regal zu finden. Immer die, mit den bunten Bildchen und den gut vermarkteten, also bekannten, Namen. Denn die CD's sind nicht umsonst so teuer, auch Marketing muß finanziert werden. .... tja, sieht wohl so aus, als ob sie irgendwann jeden kriegen und wenn Frau da nicht aufpaßt hat sie ganz schnell eine CD dieses Giganten in ihren Fingern und auf dem Kassenband. Man kann sich vor denen fast gar nicht mehr schützen. Universal hat überall die Finger drin, ob es Coca Cola Werbung ist oder eBay... ja, das ist wirklich interessant. Wahrscheinlich sind die zu groß und zu träge und machen deshalb soviel Miese, vielleicht liegt das gar nicht daran, das potentielle Kunden irgendwelche Musik aus dem Netz downloaden? Bin wirklich gespannt, wie die Universal Story so weiter geht und ob sie mit ihrer Hexenjagd Erfolg haben und wieder bessere Zahlen schreiben. Ich werde ein Auge darauf haben.

 

Anton Bruckner (1824-1896)Aber erst mal war ich, wie gesagt, auf der Suche nach Bruckners wunderschönen 8. Ich habe sie letztens im Konzert im Gewandhaus mit (wiedermal) Fabio Luisi gehört und somit zog es mich nächsten Tag gleich in einen "Plattenladen". Die CD mußte ich mir unbedingt fürs Auto und lange Fahrten besorgen. Vor allem der zweite Satz ist herrlich, da kann Frau gar nicht genug davon kriegen. Der läuft schon seit Tagen in meinem Auto CD Player im Replay...

- Da fällt mir ein, ich muß doch mal suchen, ob Fabio Luisi auch Universal-verpflichtet ist. Bei der Reklame die sie um ihn machen wäre das schon denkbar. Scheint alles dem selben Strickmuster zu folgen ...

 

Tja, und nun stand ich vor dem Dilemma Bruckners 8. zu suchen - schwer zu finden - und natürlich war die erste CD, die mir in die Finger kam, na, von wem wohl? Natürlich von Universal - nein, die nicht! da muß es doch auch noch etwas anderes geben... das darf doch nicht wahr sein, daß dieser Konzern den ganzen Musikmarkt, incl. Klassik beherrscht. Nein, das glaubte ich einfach nicht - und siehe da... ein bißchen stöbern Naxos Logo und suchen und da gab es doch noch NAXOS. Klar hatte ich die schon öfter beim Wickel, habe mir damals aber nie Gedanken darüber gemacht - also CD umgedreht - kein Universal Logo, weder vorn, noch hinten, noch an den Seiten - hmmm... die müssen wohl noch nicht zu Universal gehören. .... also gefunden, gecheckt und gekauft und zu Hause im Internet nach Informationen gesucht um herauszufinden, ob Naxos mit Universal irgendwie in Verbindung steht - hehe, die einzige Verbindung, die ich gefunden habe war die, daß "the big label" dem Klaus Heymann - Naxos Naxos Chef wohl $200 Millionen für seine Firma geboten und dieser kalt lächelnd abgelehnt hat. Na da hüpft doch mein kleines Universal-geschädigtes Herz wild vor Freude. Gibt es also doch noch etwas anderes als Universal und dieser Klaus Heymann stieg in meiner Beliebtheitsscala sofort von 0 auf 100. Naja, und dann lese ich so beim weiterstöbern, daß Naxos nun das weltgrößte Klassiklabel ist - na wenn das mal keine erfreuliche Nachricht war - preiswert und super Qualität sind sicher und die Philosophie der Firma, wie auch der Geschäftsführer sympathisch:

 

 

 

"The provision of a wide range of good music, well played and recorded and available at a relatively modest outlay."

 

"Die Bereitstellung eines großen Sortimentes an guter Musik, gut gespielt und aufgenommen und verfügbar zu einem relativ moderaten Aufwand."

 

Aha, also keine bunten Bildchen und hübsche Coca Cola Werbung und trotzdem super Musik und was das Beste ist, dadurch auch für jedermann erschwinglich. Das heißt, man kann das Geld was man bei dem CD Kauf spart, für ein schönes Konzert oder einen Theaterbesuch ausgeben. Das nennen die Ökonomen "Opportunitäten". Der Kunde entscheidet, wo er sein Geld hinträgt, und wenn er es zu einer Sache trägt, dann muß er auf die andere verzichten. Das heißt wenn er 372,36 EUR zum Universal-Anwalt trägt, dann muß er auf Universal-CD's verzichten - leuchtet doch ein, oder?

 

<grins> bezüglich Naxos mußte Universal wohl zurückstecken und auf diese Opportunität verzichten. Wollen wir mal hoffen, daß es auch so bleibt und Klaus Heymann sich nie unterkriegen läßt.

Ich jedenfalls habe mein Label gefunden und solange sich noch kein Zusammenhang zur Universal Music GmbH etc. feststellen läßt erkläre ich die jetzt zu meiner Hausmarke. Ich bin wirklich froh, daß es noch Labels gibt, die nicht zu diesem riesigen Unterhaltungskonzern gehören und ich denke, ich bleibe da weiter auf der Suche und werde bei Gelegenheit mal eine Liste der noch nicht Universalgeschädigten Labels zusammenstellen.

 

Es gefällt mir schon seit langer Zeit nicht, wie Marketing betrieben wird und wie Menschen einfach so vermarktet werden. Da wird der Karajan noch ausgeschlachtet und auf 100derte von CD's gepreßt, wenn er selber gar nichts mehr davon hat und Generationen nach ihm verdienen noch an seinem Erfolg & Vermarktung.

Da werden Zielgruppen analysiert und Kaufverhalten getestet, damit man dann Werbezettelchen in Briefkästen schmeißen und Gehirnwäschen über das Fernsehen praktizieren kann. Die Konzerne werden immer größer und alles hängt irgendwie miteinander zusammen - richtig beängstigend. Die Unterhaltungsmedien beherrschen die Welt ... tja, und das nur, weil der Mensch eben unterhalten werden will und am besten ohne sein Gehirn zu gebrauchen. Ich muß da immer an eine alte TV-Serie denken (ja, ab und zu schaue ich auch noch Fernsehen). Vielleicht kennt jemand "Max Headroom"? - ja, das sind schöne Zukunftsaussichten und gar nicht so weit hergeholt ...

 

Oh jeh, aber eigentlich wollte ich hier nicht meinen Frust loswerden, sondern über das fantastische Konzert des mdr im Leipziger Gewandhaus berichten. Ja, es gibt nicht nur Schlechtes über das Fernsehen zu sagen.... und es gibt auch nicht nur schlechte Fernsehsender. Man muß halt gut selektieren können, wenn man Qualität möchte. Bleibt zwar dann nicht viel übrig, aber es gibt noch welche ;-) ... wir Zuschauer lassen uns noch nicht ganz unterkriegen.

 

Programm des mdr KonzertesIch habe das ganze Fabio Luisi - mdr-Programmheftchen durchgelesen und nirgends einen Bezug zu Universal gefunden <grins> - sorry, der Satz mußte hier einfach noch rein - Ich glaube die Sache macht mir langsam Spaß. Bin noch auf der Suche nach weiteren Universal-Details, habe aber für heute doch keine Lust mehr. Vielleicht sollte ich denen ein bißchen Platz auf meiner Homepage widmen, aber besser nicht, sonst bekomme ich noch eine Abmahnung, weil ich den Namen "Universal" hier sooft erwähne. Der ist sicherlich auch urgeberrechtlich geschützt und das kann teuer werden.

Werde mich erst mal an meine Prinzipien halten und von denen nichts mehr konsumieren. Das bringt Euch zwar sicherlich zum Lachen, aber mir doch irgendwie ein bißchen Genugtuung. Die Rache des kleinen Mannes (oder der kleinen Frau) hehehe ... und ich halte mich an meine Prinzipien und ich kann auch sehr hartnäckig sein wenn ich einmal etwas beschlossen habe zu tun.

 

Allerdings die Hartnäckigkeit über das Bruckner Konzert zu schreiben, läßt heute etwas zu Wünschen übrig. Also will ich mich doch mal zusammenreißen - so, wo waren wir - aha, haben noch gar nicht angefangen - schäm Dich was, Jana! Ich hoffe also, Ihr seit noch bei mir... ich bin jedenfalls noch bei Euch.

Diesmal also wieder Fabio Luisi und diesmal von der Orgelempore, da sonst keine Karten mehr zu bekommen waren. Langsam wächst mir der Bursche ans Herz, trotz seines, sagen wir mal, zappeligen Stils. Irgendwie ist er ja nicht schlecht, aber der eigentliche Grund in dieses Konzert zu gehen, war Bruckner. DER ist wirklich ein Genie und seine Musik erstklassig. Naja und wenn man sich nicht von Fabio Luisi ablenken läßt, kann Fabio Luisi (Quelle: http://www.mdr.de/kultur/musik/148298-1.html) man die auch hervorragend genießen. Und nachdem sie sich mit dem Programm soweit einig waren, stand dem Genuß auch nichts weiter mehr im Weg, nur die nicht so tollen Plätze des Eingang "K" mit dem alles übertreffenden Blick auf den Dirigenten. Seufz - wo man sonst nur Herbert Blomstedts Gesichtsausdruck bewundern darf, hat man bei Fabio Luisi für den halben Preis den Genuß des Ganzkörpereinsatzes. - Aber jetzt genug gelästert, beide Dirigenten sind super und es lohnt immer sich ihre Arbeit anzuhören. Bruckners 8 war hier somit wiedermal ein absolutes Glanzstück und ich genoß jede Note davon. Die 8. ist eine sehr lange Sinfonie und natürlich war dieses Konzert auch ohne Pause. Der dritte Satz überbietet an Länge fast alles und trotzdem wundert man sich, daß er so schnell vorbei ist. Der zweite Satz ist, wie schon oben erwähnt, mein absoluter Favorit. Den höre ich sogar noch, wenn mein CD Player eigentlich aus ist.

 

Fabio Luisi begann, wie schon beim letzten Mal, ohne Zeit zu verlieren. Mit leisen Takten schlich der erste Satz durch den Konzertsaal und in mein Herz. Ab und zu aufbäumend, aber dann wieder sanft abklingend - einfach wunderschön. Ich konnte mich wieder herrlich fallen lassen und die Welt um mich herum vergessen. Das Zusammenspiel der einzelnen Instrumente war geradezu perfekt und schön im Programm beschrieben: "tätige Beweglichkeit und zugleich schwingende Ruhe..." Seine Musik ist so wunderschön melodisch und irgendwie mächtig, so daß man vor Ehrfurcht erstarren möchte.

Wenn ich mir das Programm dazu so durchlese, kommt mir alles viel zu wissenschaftlich vor. Sie haben recht, wenn sie schreiben "... Die Instrumente treten also in chronischen Gruppen an, werden wieder geschieden und jeweils nur für ihre spezifischen Aufgaben herangezogen. Selten geht ein Thema, wie später bei Mahler oder Schönburg, von einem Thema zu anderen und noch seltener werden ihre Klangfarben gemischt.... " aber warum muß man diese Musik so zerlegen. Das wird mir dann ein bißchen zu wissenschaftlich und verliert an Romantik und Schönheit. Nein, ich möchte mich einfach nur darin fallen lassen und diese wunderbaren Klänge genießen. Am besten die Augen zumachen, jeden einzelnen Ton einatmen und in meinem Herzen vibrieren lassen.

Dann der zweite Satz - wow! - schon mit den ersten Tönen hatte er mich gefangen und gesiegt. Man kann sich gar nicht vorstellen, daß sie Bruckner damals so verkannt haben und daß die Kritiker so schlecht über die 8. Sinfonie geschrieben haben und daß Bruckner sie andauernd änderte und auch sonst wer noch daran herum bastelte. Was hatten die nur, das Ding ist perfekt, auch wenn Bruckner beim Adagio-Thema "einem Mädel zu tief in die Augen geschaut hat."

Prof. Dr. Eberhardt Klemm (Quelle: Archiv MDR-Klangkörper), finde ich, hat seine Einführung zu diesem Werke in Bezug auf Bruckners einfachen Erklärungen dazu, sehr schön geschrieben. Den letzten Teil will ich mal hier übernehmen: " ... Nicht der unbeholfene Ausdruck steht zur Debatte, sondern das Läppische solcher 'Erklärungen'. Wollte Bruckner nachträglich etwas Programmähnliches liefern, um auch 'auf der Höhe der Zeit' zu sein? Oder spielten die genannten Erfahrungen bzw. Vorstellungen tatsächlich eine Rolle im Entstehungsprozeß des Werkes? Wir können hier nicht auf Deutungsversuche der Achten Sinfonie eingehen, doch eins steht fest: In keinem Werk Bruckners ist der Abgrund tiefer zwischen der unvergleichbaren Erhabenheit der musikalischen Gestalt und jenen schüchternen, umwerfend naiven Erklärungen. Trotzdem sollte man bedenken: Sicher entsteht ein Werk auf viel komplizierterer Weise als man bisher angenommen - die Musikpsychologie hat noch immer nicht ihre große Stunde gehabt. Vielleicht braucht der innere Motor des genialen Menschen gerade ganz simple Impulse (in Form von Erinnerungsmotiven, Begebenheiten, Vorstellungen, usw.), um einen schöpferischen Prozeß in Gang zu setzen, der im Falle Bruckners von der gegebenen 'naturhaften' Einfachheit musikalischer Intervalle zu einem vielfach tönenden Phänomen führt, an das Worte nicht heranreichen."

Das mit der Einfachheit und dem schöpferischen Prozeß erinnert mich irgendwie an damalige Zeiten, wo ich noch so viel gemalt habe. Ich denke, das ist wirklich so. Es steigt einen etwas simples in den Kopf und man setzt sich hin und beginnt es zu zeichnen. Das scheint in der Musik ähnlich zu sein, nur, daß man eben Noten zeichnet und keine Bilder. Man fügt die Dinge, die einem im Kopf herumschwirren zusammen und es ergibt sich ein interessantes Ganzes. Manchmal ist man wirklich erstaunt über das Ergebnis und manchmal ist es genauso, wie man es auch im Kopf hatte. Aber meine schönsten Bilder waren immer die, die sich erst während des Zeichnens formierten und interessante Perspektiven frei gaben. 

Ich sollte wieder meine alten Ölfarben und die Staffelei aus dem Keller holen und anfangen mit Zeichnen. Das ist fast, wie das Schreiben hier. Man kann seine Gedanken zum Ausdruck bringen. Ich habe auch noch eine schöne freie, weiße Wand hier in meinen Wohnzimmer und eigentlich auch schon ein Bild dafür vor Augen, das Thema, die Farben und die Details sind schon in meinem Kopf und eigentlich könnte ich sofort damit anfangen, nur leider muß ich am Wochenende meine Seminararbeit zu Ende schreiben. Ich bin wirklich froh, wenn ich das Studium endlich hinter mir habe und wieder frei für alle meine anderen Interessen bin. Frau könnte endlich wieder machen, was sie will, ohne permanent ein schlechtes Gewissen zu haben <seufz>.

Der dritte Satz - lang und schwerfällig, aber wunderschön. Ich bin dermaßen in meine Gedanken abgetaucht, daß ich eigentlich nur die Hälfte davon mitbekam und erschrocken war, daß dieser lange Satz schon so schnell vorbei war. Den mußte ich mir am nächsten Tag im Auto erst mal genauer anhören und wieder passierte es und ich war in dieselben Gedanken versunken. Scheint an diesem Satz zu liegen. Ich kann mich dabei einfach nicht konzentrieren. Immer fallen mir die interessantesten Ideen ein.... so über manch "feinstoffliches" Wesen. Wundert mich zwar, warum ich ihn gerade bei diesem Satz im Kopf habe, aber manchmal denkt Frau eben ein bißchen verquer. Ich kann bis heute noch nicht nachvollziehen was das soll - nee, so etwas ist mir noch nie passiert, daß mich ein Mann so lange beschäftigt hat. Ich hoffe, das geht irgendwann mal wieder vorbei. So etwas macht einen ja ganz wirr und ist sicherlich nicht gut für's Gemüt. Blöde Gedanken - gut, daß mich der vierte Satz wieder davon befreite. Auch ein sehr schöner Satz. Kommt auf meiner Scala gleich nach dem Zweiten.

Ist wirklich schade, daß Bruckner damals so verkannt wurde. Für mich ist der Bursche einfach genial und seine Sinfonien sind der Inbegriff an Schönheit und Vollkommenheit. Ich habe die CD gerade im Hintergrund laufen und würde jetzt eigentlich lieber die Augen schließen und dieser wunderschönen Musik lauschen und wisst Ihr was, das tue ich jetzt auch ....

 

Gute Nacht und bis zum nächsten Mal,

 

Eure Jana