Graue Nacht liegt auf dem Meere....

 

Und das braust und schmettert mächtig,

Meer und Himmel hör ich singen,

und ich fühle Riesenlüste

Stürmisch in mein Herze dringen.

Heinrich Heine - Graue Nacht liegt auf dem Meere

 

Anton Bruckner (1824-1896) Quelle: Programm der PhilharmonieEigentlich sollte doch das Violinenkonzert von Schumann das heutige Highlight sein, aber ich freute mich diesmal auf die 9. Sinfonie von Bruckner. Mir gefällt seine Musik sehr gut und irgendwie muß ich bei ihm immer an dieses nette Gedicht von Heinrich Heine denken. - Was für eine mächtige, atemberaubende Musik! Man könnte fast meinen, es kann niemals etwas Schöneres geben.
Bruckner hat eine so wunderbare, kraftvolle Musik, das sie durch die ganze Halle donnert, wie die Meeresbrandung an die Klippe schlägt. 

Seine letzte Sinfonie hat eine wunderschöne düstere Stimmung und jede Note ist gut durchdacht - finde ich. Schade, daß er den vierten Satz nicht mehr geschafft hat. Man spürt, daß der dritte Satz nicht das Ende ist und ich bedauere sehr, das es niemals einen vierten Satz geben wird.

 

Heute waren mein bester Kumpel Thomas und ich zum 5. Donnerstagskonzert unserer Philharmonie. Gespielt wurde Robert Schumanns Konzert für Violine und Orchester und Anton Bruckners 9. Sinfonie. Dirigiert hat Heribert Esser und die Violine spielte Saschko Gawriloff.

Programm der Philharmonie

Heute hatten wir auch wieder Zeit und Gelegenheit im "Las Salinas" essen zu gehen. Das Konzert war zwar in der Händelhalle, aber ich beschloß nicht mehr das teure Parkhaus dort zu nutzen, sondern die paar Schritte zu laufen und im um die Hälfte billigeren Händelkarree Parkhaus zu parken. Leider wollten das diesmal auch eine ganze Menge andere Leute und es war die Hölle los. Wir konnten gerade noch den letzten freien Parkplatz ergattern, welcher ein Frauenparkplatz war und Thomas sofort ein schlechtes Gewissen einbrachte. Nagut, wenigstens bin ich ja eine Frau ... und der Parkplatzwächter hat es auch nicht gesehen ;-)

 

Das Essen war wie immer spitze und ich wie immer zufrieden. Nach solch einen Stress auf Arbeit, hatte ich mir das wirklich verdient.

Draußen war es schönster Frühling und wir schlenderten gemütlich runter zur Händelhalle. Schön, daß der Stadtkern von Halle so winzig ist und alles so schön dicht beieinander liegt.

 

Das Konzert schien von unseren Plätzen aus so gut wie ausverkauft, was mich sehr freute. Es sieht so aus, als ob die sonst so kulturfaulen Hallenser nach dem düsteren Winter jetzt wieder Vergnügen und Frühlingsstimmung suchen.

 

Heribert Esser (Quelle: Programm der Philharmonie)Heribert Esser ist noch ein Dirigent der alten Schule. Er strahlte eine wunderbare Ruhe aus und dirigierte sanft und gelassen. Ich finde fast, daß er genau so eine erhabene und exakte Art hatte, wie Penderecki. Es war ein Genuß ihm zuzuschauen. Genauso, wie es ein Genuß war, Saschko Gawriloff durch Schumanns Konzert zu folgen. Ich finde, es ist nicht das beste Werk von Schumann, aber die Stimme der Geige klingt wunderbar. Leider gibt es keine Highlights im Stück - nach meiner Meinung als Leihe, und ich finde den Orchestereinsatz zu dünn. Aber das ist wie immer Geschmacksache und ich genoß es trotzdem, genau wie der Rest des Publikums. 

Es gab einen langanhaltenden tosenden Applaus, welche den Saschko Gawriloff (Quelle: Programm der Philharmonie) Violinisten nötigte eine Zugabe zu geben. 

Und DIE war besser als das ganze Konzert von Schumann. DAS war atemberaubend. Ein einzugartiger, sauberer klang - nur die Violine, so völlig ohne Backgroundmusik - einfach wunderschön.... Leider kenne ich das Stück nicht - so als Leihe. Also, falls es jemand weiß, gebt mir bitte einen Tipp, so das ich es hier erwähnen kann. 

 

Die Pause war diesmal so schnell ran, daß ich fast gar keine Lust hatte runter in die Halle zu gehen. Diesmal saßen wir wieder in der Empore und hatten somit eine Treppenklettertour vor uns. Also wer da nicht ganz so sportlich und gut zu Fuß ist sollte die Empore meiden. Ich sitze gern dort oben, weil der Blick einfach besser ist und die Sitze gemütlicher - naja und das Treppensteigen ist ein schöner Sport nach so einem wunderbaren Essen ;-) 

Also gut ... da Thomas Raucher ist und ich gern ein Glas Rotwein hätte, zog es uns nun doch hinunter in die Halle. Noch schnell zwischendurch ein paar "alte" Bekannte begrüßt, ein bißchen geschwatzt, sich den Rotwein geschenkt, da wieder eine atemberaubende Schlange an der "Bar" stand und das Zeug, was Thomas Tabak nennt eingeatmet - i gitt. Warum zieht der Rauch eigentlich immer zum Nichtraucher? Ich konnte mich hinstellen, Robert Schumann (1810-1856) Quelle: Programm der Philharmonie wo ich wollte und der Qualm wechselte diesbezüglich jedes Mal die Richtung - wollen die mich hier ärgern?!? - Gut, als Kumpeline hält man (oder Frau) so etwas natürlich aus, verzieht aber mürrisch das Gesicht und nörgelt selbstverständlich rum, bis die Zigarette endlich, halbaufgeraucht im Aschenbecher landet - somit kann Frau jetzt getrost auf die Toilette gehen, denn sie hat ihre Pflicht und Schuldigkeit gegenüber der Gesundheit ihres Kumpels beigetragen, der jetzt ebenfalls grimmig guckt und sich sofort eine Neue ansteckt - seufz.

 

Wir schwatzten noch ein bißchen über Chemie, MLU und Theater und was es sonst noch so Neues gab und dann ging es weiter mit dem zweiten Teil dieses netten Konzertes - Bruckner also.

 

Diesmal brauchte der Dirigent keine Noten - was mich immer sehr beeindruckt. Wie kann man das nur alles aus dem Kopf wissen? 

Ich finde ohne Noten klingt das Ganze viel freier - der Dirigent hat mehr Platz und kann wunderbar Schwung holen. Es freute mich, daß Heribert Esser die Sinfonie so gut kannte, weil das macht sie meistens besser... und so war es dann auch. Wie schon oben erwähnt war ich wiedermal beeindruckt - Bruckner gefällt mir wirklich sehr gut und mit diesem Dirigenten und Orchester war es ein Fest zuzuhören. 

Am liebsten mag ich diese stillen Stellen, die Bruckner diesmal so zahlreich eingebaut hat. Man kann die Instrumente genau hören und sich so schön darauf konzentrieren und den blöden Prüfungsstress vollkommen vergessen. 

Leider mußte ausgerechnet in der Reihe hinter uns, jemand permanent in seinem Programmheft blättern. "Das darf doch wohl nicht wahr sein! Der hört überhaupt nicht mehr auf - grrrr." Ich versuchte mich schon umzudrehen um ihm einen strafenden Blick zuzuwerfen, aber der Kerl hat sich leider davon nicht beeindrucken lassen. Ich frage mich, warum die Leute ins Konzert gehen, wenn sie sich dann langweilen - blöder Hund, versaut die ganzen wunderschönen ruhigen Sätze. Er hätte doch auch schlafen können. Das hätte wenigstens nicht gestört - allerdings bei meinem Glück, hätte der bestimmt geschnarcht. Oh jeh, jetzt höre ich mich schon an, wie so eine alte Zimtzicke, die an allem etwas zu nörgeln hat. Tut mir leid, sonst bin ich nicht so pingelich aber DAS hat mich wirklich genervt.

 

Aber nichts desto trotz, das Konzert war erstklassig und ich habe es sehr genossen. Dirigent, Solist und Orchester waren spitze und ich freue mich schon auf das Nächste. 

 

Der Abend war noch jung und so wunderschön, daß ich mich hätte am Liebsten noch irgendwo auf ein Glas Wein niedergelassen, aber leider war es auch schon spät und nächsten Tag war wieder volle Konzentration angesagt - also diesmal nicht, aber das nächste Mal bestimmt.

Ich mag diese Stadt mit dem netten Ambiente und den wunderbaren Konzerten - ja, das ist ernst gemeint.

 

Eure Jana