Brahms zweimal

 

Wieder eine ganz schön lange Zeit her und kaum neue Berichte auf meiner Homepage. Die Zeit vergeht wie immer wie im Fluge und schon bald ist Weihnachten und Silvester und das Jahr 2006 steht  in den Startlöchern um dieses wundervolle Jahr 2005 abzulösen. 

Es war ein tolles Jahr und ich bin gespannt, was uns das Neue bringt. Der Anfang mit einer Silvesterparty in London und guten Freunden ist schon mal großartig!

Ja, die Zeit rast und zwischendurch war ich schon wieder zu drei Konzerten und das erste mal in meinem Leben zum Ballett, obwohl das ganz und gar nicht meinem Profil entspricht. Aber es war in Dessau und somit sehr viel versprechend.

Heribert Esser (Quelle: Programm der Philharmonie Halle)Von den Konzerten waren zwei in Leipzig und eins auch mal wieder in Halle. Das erste Mal Chailly, den Neuen vom Gewandhaus, viel versprechend, ausverkauft, aber für mich eher enttäuschend. 

Dann wieder Heribert Esser, mit dem selben Stück und wie immer perfekt, und zum Dritten ein mdr Konzert mit Thomas Sanderling, der Sohn vom großen Meister, der Schostakowitsch in atemberaubender Weise rübergebracht hat. 

Eigentlich ärgert es mich, daß ich aus Zeitmangel diese 4 Ereignisse jetzt in einem einzigen Bericht niederschreiben muß, denn jedes von ihnen hätte seinen Eigenen verdient.

Heute sitze ich mal nicht gemütlich zu Hause mit einem der Winterzeit entsprechenden Glühwein neben mir, sondern iRiccardo Chailly - *20.02.1953 (Quelle: Flyer der Oper Leipzig)m langweiligen Warteraum meiner Zahnärztin. Ich brauchte unbedingt noch einen Stempel in meinem Bonusheft und deshalb mußte ich mich noch schnell aufraffen bevor das Jahr zu Ende geht. Mir juckt es ja in den Fingern mich über diese schwachsinnige Regelung auszulassen, aber dann komme ich heute nicht mehr dazu meiner eigentlichen Intention, des Schreibens eines Berichtes für meine Kulturseite, nach. Somit behalte ich meine Meinung über diesen Unfug für mich und schreibe weiter zu erfreulicheren Dingen.

Gut, das Gewandhauskonzert war diesmal nicht so erfreulich, wie ich es mir eigentlich vom neuen Kapellmeister Riccardo Chailly erhofft hatte, aber alles Andere war wie immer spitze.

Riccardo Chaillys Konzert war ausverkauft und ich bekam gerade noch so zwei Plätze. Einem im Rang und den Zweiten in der Orgelempore, also schön gegenüber. Macht aber nichts, habe ich mir gedacht, da ich diesen Wunderknaben, um den sie soviel Reklame machen und der eine Bio hat, wo sich jeder Dirigent alle 10 Finger danach ablecken würde, unbedingt mal hören wollte. 

Riccardo Chailly, der Nachfolger des sympathischen Herbert Blomstedt, nun auch in den Reihen von Mendelssohn, Furtwängler, Nikitsch, Masur und vielen anderen leuchtenden Sternen am Dirigentenhimmel. Riccardo Chailly, der leider für Blomstedts Verabschiedung gerade mal 10 Worte im Programmheft fand, aber sich trotzdem bei der lieben und gefühlvollen Zeremonie des Gewandhausorchesters gut in Position stellte. Riccardo Chailly, der mindestens 70 Konzerte des Gewandhauses dirigieren will, aber kaum dort zu sehen ist. Wahrscheinlich zu viele andere Verpflichtungen. So ist das mit den so gefragten Dirigenten, die tanzen auf zu vielen Hochzeiten, als das sie Zeit Thomas Sanderling (Quelle: Programm des mdr) hätten sich um das eine kleine Teilchen in der so großen weiten biographiefüllenden Orchesterwelt zu kümmern. Da frage ich mich jedes Mal, warum immer alle die selben Leute haben wollen, wo es doch 1000 andere gibt, die es mindestens genauso gut machen oder noch besser. Liegt das nun an den guten Beziehungen oder an der guten Werbung? Ich frage mich, was ist das Kriterium bei dieser Elite? Ich durfte schon vielen Dirigenten lauschen. Manche waren ganz gut, ein paar führten ein nettes Dirigat, aber ein großer Teil war hervorragend und die Musik war spannend bis zur letzten Note in noch so komplizierten Partituren. 

Warum prügeln sich die Häuser immer um eine Handvoll Hochkaräter, wo so viele doch genauso gut sind? Ist es, weil das Publikum so sehr von dem Rummel um sie beeinflusst ist und sich dann alles anhört, was diese Spitze in den großen Konzertsälen verzapft oder ist es, weil teuer immer gleich "gut" bedeutet? Hat man denn noch nicht gemerkt, daß das nicht immer der Fall ist? Es ist für mich schon immer sehr interessant zu beobachten, wie die Leute reagieren.

Wenn Fabio Luisi dirigiert ist das Gewandhaus so gut wie ausverkauft. Wenn Chailly dirigiert könnten sie noch ein paar Stühle mehr reinstellen - zumindest im Moment noch, aber wenn Thomas Sanderling dirigiert ist der Saal nur halb gefüllt, obwohl der nach meinem Geschmack um einige Hasenlängen besser war als Chailly und Luisi. Sein Schostakowitsch war spannend bis zur letzten Minute und bekam rasenden Applaus.Chaillys Brahms im Gewandhaus plätscherte leider nur nett daher, keine Spannung, kein Wiedererkennungswert, eigentlich langweilig. Dagegen Heribert Essers Brahms, 4 Tage später in Halle, so voll Power, daß ich glühte und wünschte es würde nie enden. - Und dabei kann das Gewandhausorchester das genauso hervorragend, wie eine CD Aufnahme mit Kurt Masur beweist.

Bei Chailly habe ich das Cello im wunderschönen dritten Satz fast überhört und bei Esser tönte Hans-Jörg Pohls Cello so wunderbar durch den Saal, das ich hätte nur so dahinschmelzen können. Das war ein Unterschied wie Tag und Nacht und ich war sauer, daß Chailly das für meinen Geschmack so versaut hat. 

Ich liebe den Brahms so wie er ist und brauche da eigentlich keine merkwürdigen Interpretationsexperimente, die die ganzen schönen brahmschen Klänge verschandeln.Johannes Brahms (1833-1897)

Brahms ist perfekt, da muß man nichts reininterpretieren, wo es schon super ist! Selbst beim Prokofjew nach der Pause kam kein Gefühl rüber und keine Spannung - nichts! Nur das kleine Stückchen von Arvo Pärt gefiel mir sehr, aber den kannte ich ja auch noch nicht.

Eigentlich denke ich jetzt, daß es gut ist, daß er nicht allzu oft Zeit für das Gewandhaus hat. Dann komme ich wenigstens noch in den Genuss von anderen Dirigenten und deren Interpretation. Chailly werde ich wohl noch einmal ausprobieren und dann entscheiden, ob ich das Geld für seine Konzerte spare und dafür besser in zwei von Heribert Esser in Halle gehe oder ob mein Gehör bei diesem einen Konzert von ihm irregeleitet war und ich meine Meinung nach dem Nächsten ändern werde. Im Moment jedenfalls gefallen mir seine Interpretationen nicht.

Dornröschen - Anhaltisches Theater Dessau - 2005Zwischen den beiden Brahmskonzerten gab es ein Highlight, was sich "Dornröschen" nannte, ein Ballett war und in Dessau aufgeführt wurde. 

Ich mag Ballett nicht, aber da Freundin Uli auf Besuch war und "Dornröschen" mag und weil auch zu dieser Zeit nichts anderes irgendwo lief, entschloss ich mich zwei Karten für uns zu bestellen. 

Ok, ich mag Ballett immer noch nicht, aber ich muß Euch sagen, es hat sich gelohnt! Dessau war wie gewohnt in Hochform. Schon der erste Eindruck, als wir das Theater betraten überzeugte. Überall im Foyer um uns herum lagen Rosenblätter, wunderschöne rote Rosen zierten die Gänge und große Frauengestalten liefen umher um dunkelrote Rosen zu verteilen. Sofort hatte Dessau mit diesen Ideen wieder einen Sack Pluspunkte bei mir geerntet und ich war schon zufrieden und wunderbar eingestimmt auf einen schönen Abend. 

Das Theater war diesmal wieder sehr gut besucht, das Publikum zeigte sich in Festtagskleidung und ich fühlte mich wohl unter ihnen. Wir fanden unsere erstklassigen Plätze und Markus L. Frank begann Tschaikowskis Musik in überaus hervorragender Weise in den Saal erklingen zu lassen. Der Zeremonienmeister tat seine ersten brillanten Schritte auf der schönen großen, sehr gut dekorierten Bühne und ich war nun doch zufrieden mit meinem Entschluss, mir das Ballett anzusehen.

 

 

.... so und nach diesem Satz wurde ich ins Sprechzimmer aufgerufen und konnte meinen Bericht leider nicht mehr beenden.

Jetzt ist der erste Weihnachtsfeiertag, zwischendurch habe ich Tschaikowskis wunderbaren Nussknacker - erstklassig von Halle inszeniert und dargeboten - angesehen, war zu "Steinkes Rettung" im nt, was mir auch sehr gut gefallen hat und gehe morgen nach einem Essen mit der Familie zum Weihnachtskonzert ins Gewandhaus und dann über den Jahreswechsel nach London - wie Ihr sehr da ist nicht eine Sekunde Zeit um diesen Bericht weiter zu schreiben. Und darum wieder, auch wenn ich es nicht gern mache, die halbe Sache hochgeladen.  - Tut mir leid - naja, eins noch, schaut Euch den Nussknacker im Opernhaus Halle an. Der ist so was von hervorragend und romantisch inszeniert. Fast das Beste, was halle je zu Stande gebracht hat! Ich war begeistert, trotz, daß es ein Ballett war. DAS! war hervorragende Weihnachtsstimmung und eine perfekte Darbietung im ausverkauften Saal!

 

 

Eure Jana

 

 

 

Gregor Seyffert - Probenfoto zu Dornröschen - Anhaltisches Theater Dessau