Stadtpfeifer
... und da die Stadtpfeifer auch des Öfteren auf zwei Hochzeiten tanzen mußten, machten wir es ihnen dieses Wochenende mal nach und gingen am Freitag zum Mendelssohnkonzert ins Gewandhaus und am Samstag zu Puccinis "La Bohème" in die Leipziger Oper.
Ich wußte, daß ich mir Ärger einhandeln würde und es brauche eine Menge Überredung Thomas dazu zu bewegen zwei mal hintereinander die Leipziger Kulturszene zu genießen. Und das auch noch, wo er "La Bohème" schon zwei mal gesehen hat.
Leider kam ich mit der Ausrede, ich hätte nicht aufgepaßt und mich verplant nicht sehr weit, aber wie Mann so ist, gab er augenrollend mit einem tiefen Seufzer Frau nach. Phu, die Hürde war siegreich genommen - jetzt muß ich nur noch überlegen, wie ich meinem besten Kumpel 4,5 Stunden Wagners "Tristan und Isolde" beibringe - schwitz. Naja, vielleicht sollte ich erst mal bei meiner Mutter nachfragen ;-) Oder hat vielleicht jemand von Euch Lust mit mir am 21.11.04 für 21 Euro ins Opernhaus in Halle zu gehen?
In Anbetracht des Managements meiner knappen zeitlichen Ressourcen, oder kurz, da ich mich am Freitag wiedermal schlecht von Dow trennen konnte, blieb uns wiedermal nur das "Augustus" um den knurrenden Magen zu beruhigen. Das letzte Desaster des Essens nach der "Zauberflöte" noch im Hinterkopf überlegte ich schon eine Bratwurst an der Ecke zu essen, aber Thomas meinte, wir versuchen es noch einmal. Und komischerweise, immer, wenn ich so denke, wird das Dinner super. Der Koch scheint einen guten Tag gehabt zu haben und meine Nudeln mit Lachs waren deshalb auch widererwartend ganz gut gelungen.
Auf dem
Augustusplatz war ein reges Kommen und Gehen. Busse, Autos, Musiker mit
Instrumenten und Leute in "Gala" ohne Instrumente dominierten das Geschehen rund
um das Restaurant. Selbst im Restaurant waren diesmal nur noch wenige Plätze
frei. Ich begann mich schon zu wundern, was das rege Treiben an so einem
düsteren Freitag hier sollte, da fiel mir ein, daß das Gewandhaus ja seine
Mendelssohn Festtage veranstaltete. Die nächste Frage, die mir dann in den Sinn
stieg war, was zur Hölle hat Mendelssohn mit Leipzig zu tun? Die ziehen sich
auch wirklich alles an Land was sie bekommen können um Gäste ins Gewandhaus und
damit nach Leipzig zu locken. ... später dann laß ich im Programm, daß Felix
Mendessohn Bartholdy eine ganze Zeit Kapellmeister hier in Leipzig im Gewandhaus
war - na das muß einem Blöden wieder erklärt werden - peinlich.
Aber zu meiner Ehrenrettung muß ich sagen, daß ich mich mit Mendelssohn auch noch nicht sonderlich beschäftigt habe. Außer, daß ich sein in allen Varianten, von sämtlichen Violinisten, zusammen mit Bruch's 1. Violinenkonzert vielgespieltes Konzert für Violine und Orchester auch sehr mag. Selbst mein CD-Regal wies nur zwei Mendelssohn CD's, darunter die eben erwähnte, auf. Und deshalb dachte ich mir so, Frau könnte sich doch auch mal etwas anderes von ihm anhören. Wir praktisch, das gerade die Mendelssohn Festtage in Leipzig stattfinden.
Sie begannen mit
"Ruy Blas" - grins - und genau die hatte ich schon im mdr Konzert gehört.
Damals dirigierte Fabio Luisi in seiner ablenkenden Art und so konnte ich mich
diesmal besser auf die Ouvertüre konzentrieren. Es dirigierte Herbert Blomstedt
das
Gewandhausorchester. Mein Lieblingsgeiger war somit auch wieder anwesend,
wie immer letzte Reihe rechts und Herbert Blomstedts Variante war wie immer
klasse und gefiel mir besser als die von Fabio Luisi. Ich hatte den Eindruck,
daß Blomstedt kraftvoller an die Sache heranging und ich mag nun mal das
Kraftvolle. "Ruy Blas" ist eine sehr schöne Ouvertüre, nur leider viel zu kurz.
Bemerkungen von Mendelssohn in einen Brief an seine Mutter über die Entstehungsgeschichte, die sie im Programm dazu abdruckten, gefielen mir so gut, daß ich sie für Euch hier mal abtippe:
"Du willst wissen, wie es mit der Ouvertüre zum Ruy Blas zugegangen ist - lustig genug. Vor sechs bis acht Wochen kam die Bitte an mich, für die Vorstellung des Theater-Pensionsfonds (einer sehr guten und wohltätigen Anstalt hier, die zu ihrem Benefiz den "Ruy Blas" geben wollte) eine Ouvertüre, und die in dem Stück vorkommende Romanze zu komponieren, weil man sich eine bessere Einnahme versprach, wenn mein Name auf dem Titel stände. ich laß das Stück, das so ganz abscheulich und unter jeder Würde ist, wie man's gar nicht glauben kann, und sagte, zu einer Ouvertüre hätte ich keine Zeit und komponierte ihnen die Romanze.
Montag (heute vor 8 Tagen) sollte die Vorstellung sein; an dem vorhergehenden Dienstag kamen die Leute nun, bedankten sich höflich für die Romanze, und sagten, es wäre so schlimm, daß ich keine Ouvertüre geschrieben hätte; aber sie sähen sehr wohl ein, daß man zu solch einem Werke Zeit brauche, und im nächsten Jahr, wenn sie dürften, wollten sie's mir länger vorher sagen.
Das wurmte mich: ich überlegte mir abends die Sache, fing meine Partitur an - Mittwoch war den ganzen morgen Konzertprobe - Donnerstag Konzert, aber dennoch war Freitag früh die Ouvertüre beim Abschreiber; wurde Montag erst im Konzertsaal dreimal, dann einmal im Theater probiert, abends zu dem infamen Stück gespielt, und hat mir einen so großen Spaß gemacht, wie nicht bald eine von meinen Sachen."
Hehe, - daß hat den
guten Mendelssohn wohl ein wenig an der Ehre gekratzt und so kam es in Leipzig
zu einer Aufführung am 11. März 1839 im Stadttheater, am 21.03. des selben
Jahres das erste Mal und für uns zum bestimmt 100dertsten Male am 05.11.04 im
Gewandhaus.
Da wird das Teil so oft gespielt, wo er doch Victor Hugos Stück wohl nicht so besonders gern mochte ;-) Und für nur mal so schnell zusammengeschrieben ist das doch wirklich ein phantastisches Werk geworden. Meine Hochachtung, Herr Mendelssohn, sie sind für mich noch 157 Jahren nach Ihrer Zeit brillant.
Danach das Konzert
für Klavier und Orchester Nr.2 mit dem Pianisten Bernd Glemser. Ich stand sofort
vor erfurcht stramm, als ich seine biographischen Details im Programmheft des
Gewandhauses las. Und wie immer hatte ich vorher von ihm noch nie etwas gehört.
Aha ... auch ein Plattenvertrag mit Naxos und wohl nicht mit Universal - na wenn
ihn das nicht hochgradig sympathisch macht ;-)
Bei "Ruy Blas" hatte ich mich schon gefragt, wie sie wohl das Piano für ihn ohne Pause so schnell auf die Bühne bringen wollten. Das schien mir doch sehr aufwendig und mit ewigen Wartezeiten für die Zuschauer verbunden. Aber siehe da, selbst das Gewandhaus kann mich noch verblüffen. Sie hatten das Tierchen im "Keller" unter der Bühne, eine Klappe ging auf und es wurde nach oben transportiert, mit Hocker und blitz blank geputzt funkelte es uns höhnisch an.
Ohne Zeit zu verlieren schritt der Pianist zu seinem Instrument. Herbert Blomstedt konnte kaum folgen und dann ging es los mit dem ersten Satz der Neuausgabe von Breitkopf & Härtel - was immer das bedeuten möge - Naja, schätzen wir uns mal glücklich dieser Welterstaufführung beiwohnen zu können.
Ich frage mich, was Robert Schumann & die öffentliche Meinung da zu meckern hatte. Das Klavierkonzert ist doch wunderschön! Schon die ersten Takte des Pianos faszinierten mich und Bernd Glemser brachte so viel Gefühl rüber. Sieht so aus, als hätten sie recht mit seinen vielen Auszeichnungen. Er war so vertieft in das Stück und kannte es so genau, daß er sogar ab und zu mal mitsang. Die Schönheit seines Spieles bekam sogar ich als Leihe mit. Die einzelnen Töne schienen so perfekt und klar und dann das Orchester dazu, einfach brillant. Es war so still im Saal und ich konnte mich herrlich in seinem Spiel fallen lassen. DAS war ein Genuß - wunderbar! Vielleicht bekommt man diese Ausgabe auch mal auf CD. Das wäre etwas Schönes für kuschelige Stunden ;-)
Schade, daß das Konzert nur drei Sätze hatte und somit viel zu schnell vorbei war. Er hätte von mir aus den ganzen Abend spielen können. Aber super - wir bekamen noch eine Mendelssohn - Zugabe. Keine Ahnung, was das war, auf alle Fälle herrlich rasant. Ich hätte nie für möglich gehalten, daß man so schnell die Tasten finden kann, geschweige noch, daß dabei etwas Vernünftiges bei heraus kommt.
Dann war Pause und
dank der vorderen Plätze und des schnellen Publikums rechts von uns, mußte ich
diesmal nicht auf der Toilette anstehen, was wiederum den netten Umstand mit
sich brachte, daß ich ein Autogramm des Pianisten bekam - den ich eigentlich gar
nicht kannte.
Das Gewandhaus hatte eine Signierstunde organisiert und da das so schnell niemand vom Publikum mitbekam, dachte ich mir, ich sage ihm mal Dankeschön und daß sein Konzert super war, was er sicherlich schon wußte, und bekam eine hübsche Unterschrift und ein sympathisches Lächeln dafür. Ja, das fand ich eine nette Idee vom Gewandhaus.
Nach der Pause spielten sie die dritte Sinfonie, die Schottische - grins - es war kein Dudelsack dabei. .... und auch so erinnerte sie mich nicht im geringsten an Schottland.
Ich habe die
schottischen Highlands gesehen und sie waren wunderschön mit ihren samtigen
Hügeln, dunklen Seen und dem Rauschen der Meeresbrandung aber irgendwie paßte
dieses Bild in meinem Kopf nicht zu der
schottischen Sinfonie von Mendelssohn.
Die atemberaubende Schönheit der schottischen Hügel ist eigentlich nicht zu
vergleichen mit der atemberaubenden Schönheit seiner 3. Sinfonie.
Da frage ich mich, was Mendelssohn so als schottische Landschaft im Kopf hatte. Aber dabei bin ich wohl nicht die einzige. Schumann meinte auch, es höre sich eher nach italienischer Landschaft an ;-) Naja, wenn man diesen kleinen himmelweiten Unterschied mal außer acht läßt, ist seine dritte Sinfonie ein wahrer Hochgenuß und Herbert Blomstedt war wiedermal voll dabei und malträtierte das Podium ganz schön. Er hat mit seinen 77 Jahren noch ganz schön Schwung.
Oh, nun sitze ich hier schon eine ganze Weile und tippe meine Gedanken zum
Mendessohnkonzert, wo ich das doch nur mal kurz anschneiden und eigentlich etwas
ausführlicher zu "La Bohème" schreiben wollte. In Anbetracht der
vorgeschrittenen Stunde und das ich morgen schon um 3:00 Uhr aufstehen muß, wird
"La
Bohème" diesmal wohl doch etwas dürftiger in meinem Bericht ausfallen als
ich eigentlich dachte.
Am Samstag hatten
wir das herrlichste Wetter und somit konnten wir uns zum Dinner auch ohne Schirm
etwas weiter in die Leipziger Innenstadt wagen. Auf der Suche nach einem
passenden Restaurant endeten wir in einem, welches sich irgend etwas mit
Pizzeria nannte und sein Bier selber braute. Leider habe ich mir nicht gemerkt,
wie es hieß, aber egal, ich finde es auch so wieder. Es ist auf alle Fälle in
der Nähe der Commerzbank. Ein hübsches Gebäude und von der Einrichtung eher
rustikal. Die Gäste schauten hoch, als wir eintraten und wunderten sich
sicherlich, in was für ein Outfit die Leute heutzutage Pizza essen gehen
<grins>. Ja, dafür waren wir schon ein bißchen Overdressed. Einer der Herren
starrte besonders penetrant. Das war schon etwas komisch. Ich wußte gar nicht,
wo ich hinsehen sollte - man, so gut sah ich nun auch wieder nicht aus. Aber
vielleicht kam ihm das Abendkleid nur ein bißchen ungewöhnlich vor. Der schaute,
als hätte er so etwas noch nie gesehen.... ich glaube das nächste Mal müssen
wir
uns einen nobleren Schuppen suchen - wüsste nur zu gern mal, wo Leipzig so etwas
hat. Das Essen war ganz ok, d.h. mir hat es nicht besonders geschmeckt, aber
Thomas war begeistert - macht also in Summe: ganz ok - und sie waren sehr
schnell mit der Bedienung. Was uns dann auch schnell wieder raus und super
pünktlich in die Leipziger Oper brachte - 4 Zigarettenlängen zu pünktlich. Mein
bester Kumpel Thomas konnte sein Nikotingleichgewicht ein bißchen aufstocken,
damit er die Stunde bis zur Pause einigermaßen übersteht. - Tja, die Raucher
sind schon ein bedauernswertes Völkchen. Kaum aufgeraucht denken sie schon
wieder an die nächste Zigarette und wenn das zu lange dauert bis zur nächsten
Zigarette kann Mann schon ganz schön nervös und streitsüchtig werden. Wie gut,
daß Frau nicht raucht und somit immer die Ruhe weg hat ...
Die Aufführung begann, ein bißchen irritierend für mich, so ganz ohne Ouvertüre. Ein paar Takte und der Vorhang gab ein wunderschönes Bühnenbild frei. Im Vordergrund ein Dachzimmer mit atemberaubenden Blick auf die Lichter der Großstadt Paris.
Die Inszenierung gefiel mir jetzt schon. Nur, daß sie keine deutschen Übertitel hatten, fand ich nicht so gut. Die Handlung ist zwar einfach und einigermaßen bekannt, aber ich hätte schon gern hin und wieder noch einmal nachgelesen.
Marcello der Maler versucht sich an einem Gemälde. Herman Wallén paßte sehr gut in die Rolle und auch stimmlich gefiel er mir. Ich finde überhaupt, daß sie die Akteure sehr passend ausgewählt haben. Die zarte Marika Schönberg paßte perfekt in die Rolle der Mimi und sie spielte sie erstklassig. Am Anfang fand ich ihre Stimme zwar ein bißchen leise, aber das änderte sich im weiteren Verlauf. Auch der Musiker Schaunard war mit Jürgen Kurth vortrefflich besetzt und Steven Neil Harrison spiele und sang seine Rolle als Rodolfo mit soviel Gefühl, daß es einen richtig ans Herz ging vor allem bei der Sterbeszene am Schluß. Die war brillant umgesetzt und auch super gespielt von allen anderen Akteuren.
Die Inszenierung
(Peter Konwitschny) war von Anfang bis
Ende gut durchdacht, das Bühnenbild
(Johannes Leiacker) erstklassig, die Kostüme sehr passend, der Chor (Anton
Tremmel, Jan Altmann) spielte und sang hervorragend und die Darsteller waren
schlicht weg wunderbar.
Ja, hier kann man sagen, es war ein wunderschönes Opernerlebnis.
Die Männer im ersten Bild gaben die Pariser Künstler Szene wunderbar wieder. Ich fühlte mich sofort nach Paris versetzt und mittendrin im Geschehen. Jeder Schritt und jede Aktion schienen bis auf's i-Tüpfelchen zu stimmen. Die Zuschauer im ausverkauften Saal folgten, wie ich, still der Handlung.
Die Herren Künstler verschwinden in ihr Stammlokal, nur Rodolfo will noch an seinem Gedicht arbeiten und bleibt zurück. Da erscheint die zarte Mimi und raubt ihm das Herz in der kalten Dunkelheit... Wer kennt nicht die Arie "Wie eiskalt ist dies Händchen". Die Schweizer Seite "impresario" beschreibt diesen Teil wirklich wunderschön:
"Da klopft es. Mimi, eine Midinette, steht vor der Tür. Der Wind hat ihre Kerze ausgeblasen. Schon auf den ersten Augenblick nimmt die zarte Schönheit der jungen Nachbarin Rodolfos Herz gefangen.
Ein verlorener Schlüssel, die abermals verlöschende Kerze, ein wenig männliche Willkür und geradesoviel mädchenhafte Koketterie - genügend Momente, um an einem kalten Pariser Weihnachtsabend die Liebe erwachen zu lassen: Im Mondlicht finden sich ihre Hände....." Ist das nicht herrlich romantisch?
Letztendlich folgen die beiden leider den Rufen seiner Freunde ins Lokal. Aber der Teil war der Schönste der ganzen Oper.
Unten auf der
Straße pulsiert das Leben und sie tauchen ein in den Trubel des
Weihnachtsmarktes. Der Teil war herausragend inszeniert. Schon als sie die
Lichter herunterließen raubte es mir den Atem. Das war phantastisch! Das treiben
auf der Bühne glich wirklich einem bunten treiben auf dem Weihnachtsmarkt. Das
war hervorragend, perfekt! Alles stimmte, die Kinder, die hinter dem Spielzeug
her liefen, die Tänzerin auf dem Seil (Silke Graf), die Leute in den Lokalen,
die Farben, die Lichter, die Kostüme, die Handlung - herrlich! Super getroffen.
Dann taucht ein Pärchen auf. Eine etwas schrille Musetta mit ihrem neuen Freund. Ainhoa Garmendia paßte super in die Rolle und ihr Outfit war herrlich darauf abgestimmt. Die Idee mit dem Laufsteg gefiel mir auch - also auch hier, wie die ganze Zeit schon, für meine Begriffe erstklassig inszeniert und dargestellt.
Nach der Pause folgte dann der traurige Teil der Oper. Puccini schafft es auch immer wieder mich an den Rand des Tränenflusses zu bringen.
Das Bühnenbild des dritten Bildes mit
den Straßenlaternen und der Feuertonne war wieder super gemacht. Dann der Schnee
dazu, ja, das war genau das winterliche Gefühl, was zu dieser Oper paßte.
Rodolfo ist mit seiner Mimi glücklich und Marcello mit seiner Musetta. Nur
leider kann es ja Puccini nicht dabei belassen und beschließt im kalten Februar
die Pärchen zu trennen. Einmal wegen Mimis immer schlechter werdenden Gesundheit
und zum Anderen, weil Musetta wiedermal einen anderen Liebhaber hat. Warum
sollte eine Story auch mal gut ausgehen? Ab dann geht es mit der Story der Oper
nur noch bergab. Die beiden Herren verzehren sich nach ihren Frauen und träumen
von ihnen. Sieht aus, als wären Männer auch ab und zu mal romantisch, oder gibt
es das nur in Märchen wie diesem? Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, daß
die Herren so verliebt sein können. Ich weiß, daß ich verliebt sein kann, und
das ich das auch gern von anderer Seite hätte, aber wetten
würde ich darauf
nicht. Manchmal denke ich, diese Geschichten sind nur für Frauen und ihr weiches
Gemüt gemacht, genau wie die Dreigroschenromane.... Liebe, Leidenschaft und
Herzschmerz... och ja, so ein bißchen Leidenschaft würde ich mir auch mal
wünschen....
Naja, jedenfalls in dieser Inszenierung sind die Herren sehr leidenschaftlich in ihrer Verzweiflung. Nur eins verstand ich nicht so wirklich - ist das nicht ein bißchen kalt, so mit der Leidenschaft draußen im Schnee? Ok, ich sollte hier nicht so spitz sein. Sie haben sicherlich nur nicht geschafft die ganzen weißen Krümel so schnell für diese Szene wegzufegen. Genauso wie auch zur letzten Szene, als die schwache Mimi in den Armen ihrer Freunde stirbt und den armen Rodolfo mit seinem Schmerz zurück läßt.
Ja - das war sie, diese traurige Oper über die Bohème. Am Schluß war vollkommene Stille im Saal. Axel Kober hatte schon lange seinen Taktstock gesenkt, aber keiner traute sich einen Laut von sich zu geben - die Stimmung auf der Bühne verbreitete sich durch den ganzen Zuschauersaal - was für eine herrliche Aufführung!
Eure Jana
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