Frühstück bei ...

 

Nachdem wir den Tag mit der Wenderevue beschlossen haben fühlten wir uns geradezu verpflichtet unsere müden Glieder mit einem Kaffe im nt-Café wieder aufzuwecken.

aus "Die Liebesfalle"  SOKO Leipzig 2002Wir haben den Spruch ernst genommen, man soll mit dem beginnen, wo man letzten Abend aufgehört hat - Also "Guten Morgen Herr Bachmann!" - nein nein, nicht was Ihr denkt! Er hat uns am Samstag mit seinen Kollegen und der Wenderevue in die Nacht verabschiedet und am morgen im nt-Café zum Theaterfrühstück begrüßt. Dank Frau Dinebier durften wir die diesjährigen Striesepreisträger life und in Farbe begrüßen - jedenfalls war es so geplant, aber leider konnte Danne Hoffmann nicht dabei sein, da sie zur Filmpremiere ihres Filmes eingeladen war. Somit stand Herr Bachmann allein im Ring und hat sich hervorragend geschlagen. Um es im Fußball Terminus auszudrücken, nach mehreren Gleichständen gingen wir in die Verlängerung. Das heißt, normale Spielzeit 1 h und wir überzogen um eine weitere und kamen noch nicht einmal dazu, ihn zu fragen, was denn nun Abseits sei - naja, vielleicht klappt das ja später noch mal. Wäre interessant, wie das ein ehemaliger Spieler der Oberliga des HFC (Haben wir das jetzt richtig verstanden, Herr Bachmann ?!?) und VIP Gast im Fußballstadion zwei Frauen erklärt.

als Jackie Brown in der Dreigroschenoper - neues theater HalleTrotz daß er Fußball mag, was für Frauen immer unbegreiflich und schwer verständlich ist, war er ein sehr interessanter und intelligenter Gesprächspartner.

 

Frau Dinebier eröffnete mit einer kurzen Vorstellung seiner Person, wobei wir erfuhren, daß er zu seinem eigenen Entsetzen nächstes Jahr 50 wird und seit ca. 30 Jahren am Theater arbeitet, wohl seit dem 07.10.1974. Peter W. Bachmanns Rentenversicherung meinte allerdings es wäre der 04.10. - naja, die werden sich schon einig werden.

 

Mit 19 Jahren begann er als Beleuchter des Landestheaters Halle. Da er ein ausgeschlafenes Kerlchen war, oder besser gern ausschlafen wollte, kam ihm dieser Job sehr entgegen.

Ursprünglich hat er auch etwas "Richtiges" gelernt, aber leider können wir uns daran nicht mehr erinnern - Sorry, manchmal hat auch Frau Kopf wie Sieb ;-) ... aber auf alle Fälle ist man dabei schmutzig geworden und da er doch eher ein sauberer Bursche ist, hat ihm das wohl in "Der Job seines Lebens"  2002 nicht so recht zugesagt.

Während seines Beleuchter Jobs begann er sich für die Schauspielerei zu interessieren und nach mehreren Anläufen hat es dann auch geklappt und er ist bei der Berliner Schauspielschule aufgenommen worden  - korrigieren Sie uns, Herr Bachmann, falls hier irgend etwas nicht stimmt. Wir hatten zwar keinen Alkohol intus, aber waren durch die letzte Nacht noch nicht so ganz aufnahmefähig.

Gut für uns, daß er nicht so leicht aufgegeben hat. Es wäre in ihm ein hervorragender Schauspieler unseres neuen theaters verloren gegangen.

 

Es folgten ein paar Anekdoten aus seinem bewegten Leben ... besonders hervorzuheben seine Erfahrungen aus Romeo und Julia - 50 mal hat er den Romeo gegeben "Der eingebildete Kranke" neues theater Halle (Augen verdreht) und uns die Romantik verdorben mit so etwas wie, da rödelt man sich einen auf der Bühne ab und wer erntet den Applaus? - der Mercutio wo der doch bereits nach dem ersten Akt das zeitliche segnet - der kommt, nimmt, stirbt.... und siegt!

Hier zeigt sich mal wieder, daß solche Erfahrungen das ganze Leben prägen und so sind diese in seine letzte Regiearbeit zu "es war die Nachtigall..." eingeflossen. Unsere Romanik war dahin, aber wir hatten nicht viel Zeit zum trauern, denn es ging mit interessanten Erzählungen weiter.

Wir erfuhren, daß er seine längste 'Beziehung' zu einer Frau mit Elke Richter hatte, mit der er schon zusammen die Schauspielschule absolviert hat und das seine Musikerfahrungen halfen so manchem Stück den richtige musikalische Touch zu geben - natürlich in Zusammenarbeit mit unserem grandiosen Kapellmeister Matthias Nilius....

Zum Thema Fernsehserien hat er sich auch nicht gerade lobend geäußert, aber was soll er machen, wenn sein Sohn in einer der meistgesehen Dailysoaps "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" mitspielt. "Laura mein Engel"  Tatort 1995 Naja, jedenfalls in der Anzahl der Fanpost und Verehrerinnen hat der Sohn den Vater wohl bereits jetzt schon überholt.

So, aber nun genug Privates getratscht. Jetzt zurück zum Beruflichen.

Seit 01.08.1982 ist er beim "nt" in Halle in Lohn und Brot und es scheint ihm so gut zu gefallen, daß er sogar ein Engagement im Thalia Theater Hamburg ablehnte. Auch ein Auge auf seine berühmteren Schauspieler Kollegen hat er wohl nicht so recht, da ihn erst seine Frau aufklären mußte mit wem er denn da eigentlich spielt. Also Herr Bachmann! Einen Hannes Jänicke kennen sogar wir.

Witzig war die Anekdote mit dem Casting bei Rosa von Praunheim - oder könnt Ihr Euch Herrn Bachmann als hausfrauenvergewaltigenden 'Staubsaugervertreter' vorstellen?

Also soweit reicht auch unsere Fantasie nicht (obwohl die sonst schon sehr weit reicht). Wir können Peter W.  Bachmann sehrwohl verstehen, daß er nicht unbedingt, auch nicht um als Schauspieler für die Zusammenarbeit mit einem so exaltierten Regisseur wie z.B. Rosa von Praunheim geadelt zu werden, in einer "Wer küßt schon einen Leguan" 2003 solchen Low Budget Produktion, wo man die Kohle erst bekommt, wenn das Ding verkauft wird, unbekleidet auf einem Stuhl im Keller von Ratten belagert und rachsüchtigen Frauen ausgesetzt sein will.

Diese Geschichte erzählte er eigentlich nur um klar zu machen, was manche Schauspieler Kollegen bereit sind zu tun um eine Rolle zu ergattern. Bedenkt man, wie er meint, daß jährlich ca. 2000 Schauspieler ausgebildet werden, ist es wohl wirklich schwer an gute oder überhaupt an Rollen heranzukommen. Somit ist er sehr zufrieden in einem festen Ensemble zu arbeiten, wo eine familiäre Atmosphäre herrscht und in einer Stadt, wo es mit so einem guten und fairen Publikum doppelt soviel Spaß macht. Und am Erfreulichsten fand er, daß sogar ein paar es geschafft haben am Sonntag morgen um 11 zum Theaterfrühstück zu erscheinen. Vielen Dank für die Blumen, Herr Bachmann, gern geschehen! Aber auch Dank zurück, daß sie für uns etwas Schlaf geopfert und nach dieser anstrengenden Wenderevue Nacht den Weg nach Halle zum nt-Café gefunden haben - es war uns eine Ehre.

 

"Der letzte der feurigen Liebhaber" neues theater - HalleIrgendwann drifteten wir vom Theater ab zur Bildung und steuerten direkt auf die Wirtschaftskrise und Hartz IV zu. Hier hatten wir eine sehr anregende Diskussion und bekamen dann doch wieder die Kurve Richtung Kultur.

Trotz Halles lobender Initiative, Kulturhauptstadt werden zu wollen, sparen sie bei der Kultur. Für uns eigentlich widersinnig, aber wahrscheinlich brauchen sie das Geld für Magdeburg oder andere Hobbys. Somit ist die Kostensituation des nt's auch nicht sehr rosig, wie überall in der Wirtschaft, denn auch ein Theater wird wie eine Firma geführt. Um Kosten einzusparen hat man z.B. das Orchester in der Dreigroschenoper reduziert und bekam sofort von der Brecht Foundation einen auf den Deckel. Unverständlich für uns, daß diese Vereinigung weltweit solch genaue Vorschriften heraus gibt und für jede Aufführung noch ordentlich abzockt. Soviel zum kulturellen Erbe für jedermann. Kleinere Theater können sich somit solche Aufführungen erst gar nicht leisten, was nicht gerade zur kulturellen Bildung ihres Publikums oder potentiellen Publikums beiträgt. Dabei gehört Brecht doch eigentlich zu den meistgespielten "Nächstes Jahr, gleiche Zeit" - neues theater Halle und populärsten Schriftstellern. Schade, daß durch solche Institutionen so manchen diese Sachen vorenthalten bleiben. Unsere Meinung ist, daß sie einerseits schon recht haben, die Stücke zu schützen, damit keiner Unfug damit treibt, aber andererseits sollte man sie doch nicht so sehr beschränken, daß überhaupt kein Handlungsspielraum mehr bleibt.

Gerade auch bei solchen Stücken, die so populär sind und vor allem auch jüngeres Publikum anziehen, finden wir, sollte man diese Regeln doch ein bißchen mehr lockern. Schade, daß man den Herren Brecht dazu nicht mehr befragen kann. Hätte gern gewußt, ob das wirklich so in seinem Sinne ist.

Leider ist es in dieser Zeit nicht einfach unsere Jugendlichen und so manche Eltern für ein bißchen Kultur zu begeistern. Die lassen sich lieber von solchen (das Wort, was ich jetzt im Sinn habe, lasse ich hier doch lieber weg) Serien wie "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" oder Containershows wie "Big Brother" durch's Fernsehen bestrahlen. Das ist der einfachere Weg, da muß man nicht nachdenken und kann herrlich abschalten. Wer möchte auch schon sein Gehirn noch nach Feierabend gebrauchen?

Mit diesem Problem hat auch das neue theater zu kämpfen. Selbst die 5-EUR-Vorstellungen scheinen unsere jüngere Generation nicht aus ihrer Kulturmüdigkeit und die Ältere aus dem Fernsehsessel zu wecken. Und dabei bietet das Repertoire des neuen theaters wirklich für alle etwas - von ernst und nachdenklich bis komisch und manchmal sogar albern. Nein, liebes nt, da braucht Ihr nichts dran zu ändern. Die Wahl Eurer Stücke ist perfekt.

 

"Die Wannseekonferenz" neues theater HalleHerr Bachmann bemerkte, daß es schade ist, daß man so wenig Studenten im Theater antrifft, obwohl Halle doch mehr als 16 000 Studenten aufweisen kann. Man sollte doch meinen, daß z.B. Stücke wie die Wannseekonferenz für Soziologie oder Psychologie Studenten interessant sein könnten. Und wir meinen, die Idee hinterher über die Stücke zu sprechen, wäre wohl auch nicht nur für Studenten interessant.

 

Leider mußten wir uns 13:00 Uhr aus der netten Runde verabschieden. Gern wären wir noch ein bißchen länger geblieben und hätten weiter geschwatzt, aber "Titus" wartete in Bad Lauchstädt und dort fangen sie schon 14:30 Uhr an.

Wir haben die 2 Stunden sehr genossen und bedanken uns für die wiedermal gute Organisation von Katrin Dinebier und der Freunde des neuen theaters.

Die Atmosphäre war so locker und ungezwungen, daß sogar ein Herr Bachmann mühelos vom eleganten Hochdeutsch zum hallensischen Kauderwelsch wechseln konnte, nachdem er sich etwas wohler fühlte mit dem doch sehr interessierten Publikum.

 

 

Eure Jana, diesmal in Kooperation mit Uli

"Laura mein Engel" Tatort 1995