Ankunft und Abschied

 

 

Es sieht so aus, als hätte sich der Sommer nun doch plötzlich verabschiedet und dem Herbst eine nette Ankunft bereitet. 

Die Sonne taucht die Welt dort draußen in wunderschöne herbstliche Farben und am Morgen steigt der Nebel sanft empor und reflektiert das weiche, goldene Licht. Atemberaubende Schönheit der Natur! 

Die Herbstfarben tun so gut, daß man sie gern mit in die Wohnung nehmen möchte, was ich dann auch tat. Herbstliche Dekoration für das Wohnzimmer und alles ist so richtig kuschelig und gemütlich. Heute habe ich auch schon wieder eine Kerze an. Man spürt, daß jetzt langsam die gemütliche Zeit anbricht. --- UND, die Sommerpause der Theater, Konzertsäle und Opernhäuser ist wieder vorbei.

 

Am Samstag waren wir alsdann also auch zur ersten Premiere unseres "neuen theaters". Eigentlich auch eine Ankunft --- Neues Outfit, neue Bezeichnungen, neues Design und neue Führung. 

Ungewohnte Begrüßung des Neuen und der neuen Spielzeit durch unsere Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler in allerdings und leider altgewohnter Redeweise.

 

Ödön von Horváth (1901-1938)Diesmal waren 4 Premieren an einem Abend geplant - ein Marathon also. Fand ich nicht so toll, da man als Zuschauer ja soviel gar nicht verarbeiten kann und möchte. 

Wir entschieden uns nur für die erste Premiere, dem Stück von Ödön von Horváth "Zur schönen Aussicht" - Komödie in drei Akten ohne Pause, diesmal im großen Saal und nicht in der "Kommode", die jetzt allerdings "Werft" heißt. 

Der neue Intendant Christoph Werner, hat einiges geändert, aber ok - neue Besen kehren besser - oder anders. Ob besser möchte man jetzt noch nicht beurteilen. Jedenfalls hat er eine hübsche Rede gehalten, wurde abgelichtet von allen Seiten und bekam einen netten Strauß Blumen zur Begrüßung. Er ist jünger als Peter Sodann und sieht auch jünger aus und er scheint das Meer und Schiffe zu mögen mit Riff und Klippen und Werft und Zwischendeck.

Werft, Riff und Klippen - naja, dann wollen wir mal von den Klippen ins Christoph Werner (Quelle: www.Oper-Halle.de) Wasser springen und uns auf dem Zwischendeck die alten nassen Kleider vom Leib reißen, wieder abtrocknen und sehen, was das Neue uns bringt. Die Programmhefte sind bunter, die Wände neu angemalt, die Bühnen mit neuen Namen, die Area Christoph Werner hat begonnen. Viva Brutus, Cäsar ist tot, ein Strauß Blumen auf's Grab und dann laßt uns auf den neuen Wellen schaukeln und Reisen ins Glück!

Aber vorher: Lieber Cäsar, vielen Dank für die schöne Zeit und alles Gute. Es hat uns sehr viel Spaß mit Dir gemacht und wir werden Dich vermissen!!! Laß uns wie immer in Strieses Biertunnel gehen - jetzt erst recht und anstoßen auf eine gute Zukunft für Dein Theater (im Vertrauen - es wird immer Deins bleiben!).

Lieber Brutus, wir wünschen Dir eine sichere Fahrt mit guten Winden und einen Dir wohlgesonnenen Klabautermann. Aber noch mehr wünschen wir, daß unser "neues theater" immer oben auf den Wellen schwimmt, einen guten Kurs hält, die Crew gesund und munter bleibt und wir noch viele Jahre an Bord kommen dürfen, egal, wer der Kapitän sein wird.

Laßt uns also an Deck gehen und die schöne Aussicht genießen.... wobei wir jetzt endlich beim eigentlichen Thema angekommen wären.

Peter W. Bachmann (Programm des neuen theaters)"Zur schönen Aussicht" also - nein - es handelt sich um kein Seefahrerstück. Hier geht es um ein Hotel und um eine Menge verkrachter Existenzen. Und das hat ganz und gar nichts mit schönen Aussichten zu tun. 

Die Bühne, diesmal auf der anderen Seite, zeigt einen schmalen Hotelgang - Zimmer an Zimmer - ganz schön schäbig, erinnerte mich sofort an unsere ersten Hotels in London bei der Victoria Station. 

Das erste Bild schien mir ein bißchen eng, aber dadurch interessant. Die Spannung stieg, - was das wohl für ein Theaterstück sein möge? Und die Neugierde wurde alsdann befriedigt. Die Wand mit den Türen gab ein großes Hotelfoyer frei mit einem etwas zerknautschten Burschen am Empfang. Das vermittelte sofort und auf der Stelle den Eindruck einer Absteige. Bühnenbild und Kostüme gaben genau das Gefühl wieder, welches später dann auch durch die Schauspieler dargestellt wurde und führten perfekt in die Geschichte ein. Die Idee mit dem Staubsauger fand ich gelungen, nur das Waschbecken auf der rechten Seite hat mich ein wenig irritiert. Ich habe noch nie in irgendeinem Hotel, auch wenn es noch so schäbig war, ein Waschbecken im Foyer gesehen. Ich verstand hier nicht wirklich den Sinn dahinter.

Aber sie fingen durch die "nassen" Fenster und die halbsichtbare Neonschrift wunderbar die verregnete Stimmung ein. In mir als Zuschauer kroch sofort  ein Gefühl von Unbehaglichkeit und depressiven Unwohlsein  hoch. Der traurige Anblick des Burschen am Empfang vermittelte auch nicht gerade einen vertrauenserweckenden Eindruck. Was für eine düstere Stimmung und was für eine sehr gute Arbeit von Hugo Gretler und Alexandra Bode (Bühne und Kostüm) - brillant!

Tim Lang

Tim Lang spielte Max den Kellner, Portier und Burschen am Empfang hervorragend. Ich fand er war wie geschaffen für diese Rolle, eine sehr gute Besetzung. Ich fand im Allgemeinen war die Auswahl der Schauspieler für die einzelnen Rollen sehr gut getroffen.

Und die beiden Damen, Elke Richter als Ada von Stetten, und Carmen Birk als Christine, gefielen mir in dieser Inszenierung am besten. Das war erstklassiges schauspielerisches Können.

Tja und die Handlung - hmmm - eigentlich kann man das gar nicht so wirklich festmachen. Vielleicht ging es um Geld, vielleicht auch ein bißchen um Liebe, aber am meisten wohl um Enttäuschung. Die Enttäuschung des Lebens. Jeder im Stück versuchte irgendwie zu überleben - das war keine Reise ins Glück mehr, daß war nur noch ein "vor sich hin vegetieren" und versuchen irgendwie noch das beste daraus zu machen und Vorteile aus allem und jeden zu ziehen. Im Großen und Ganzen gibt es nur Verlierer in der "Schönen Aussicht", naja, vielleicht die kleine Christine, die endlich aufwacht, und sich durch die Unklugheit der anderen wieder aus dem Sodom und Gomorra rettet. Für alle anderen scheint es hoffnungslos und wohl am traurigsten für Ada. -- wisst Ihr, ich mag gar nicht darüber schreiben, weil sich mit jedem Satz und jedem Gedanken daran meine Stimmung hier verfinstert. Ich muß Euch ehrlich sagen, ich bin froh, daß ich nicht in solch einem Milieu leben muß. Das läßt einen dann wieder richtig aufatmen. Aber ich muß Euch auch sagen, das Stück hat seinen Reiz. Die Inszenierung von Enrico Lübbe ist großartig und ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle. - Lieber Herr Werner, das war ein guter Start in die neue Spielzeit und ich bin sehr gespannt und freue mich darauf, was Sie und Ihre Crew uns noch zu bieten haben. 

Ach ja, eins noch, ehe ich es vergesse: Das "neue theater" hat jetzt auch eine neue Homepage und ist mit seinem aktuellen Spielplan und neuen Highlights zu finden unter: www.kulturinsel-halle.de.

 

Programm Anhaltische Philharmonie Dessau  - programm_de.jpg

Das Programmheft nicht so glänzend wie das des "neuen theaters", aber die Qualität des Konzertes der Anhaltischen Philharmonie Dessau überaus glänzend.

Am Sonntag war ich zum 1. Konzert "Klassik populär" wiedermal in Dessau. Diesmal ein Matinee Konzert am Nachmittag. Die Arbeit von Golo Berg und seiner Anhaltischen Philharmonie gefällt mir immer besser und langsam fange ich an, kein Konzert in Dessau zu versäumen. Mit dem Auto nur ca. 1 Stunde von Halle entfernt ist es ein Leichtes sich Musikgenuss pur für einen kaum erwähnenswerten Preis von 14, bzw. 10,50 EUR für Studenten, zu verschaffen. Eigentlich unglaublich bei dem Golo Berg (Quelle: http://www.mz-web.de/)  - gb.jpg hervorragendem Programm, was sie jedes Mal bieten.

Diesmal unter dem schönen Thema "Ankunft und Abschied": Johann Matthias Spergers Sinfonia in F, der Ankunftssinfonie" , seinem Konzert Nr. 15 D-Dur für Kontrabass und Orchester, Luigi Boccherinis "La musica notturna di Madrid" und Joseph Haydns bestbekannte Sinfonie Nr. 45, der "Abschiedssinfonie". Ein erstklassiges Programm, welches sich sehen, oder besser hören lassen kann.

 

... und noch besser die Umsetzung. Ich war noch beim Lesen des kleinen Programmzettels, als das Orchester langsam die Bühne betrat. Mit dem Wissen, daß das jetzt noch eine ganze Weile dauern wird, war ich völlig vertieft in der Bio des Solisten des heutigen Konzertes. Die ersten Geiger betraten das Geschehen und fingen an ihre Instrumente zu stimmen - Moooooment - das ließ mich jetzt doch aufschauen. Das klang absolut nicht wie Stimmen der Instrumente - huch - na so was.... die spielen ja... und wie hübsch die beiden einsamen Geigen klangen. Aber?!? wo ist jetzt der Rest des Orchesters? Merkwürdig - was haben die den ausgeheckt? Streik? --- Phuuu, nein. Die beiden einsamen Geigen blieben nicht lange einsam. So nach und nach erschienen die restlichen Instrumente auf leisen Sohlen und mit einigem schauspielerischen Talent und köstlicher Mimik auf der Bühne und stimmten in Spergers Ankunftssinfonie ein - wirklich toll gemacht! Nachdem das halbe Orchester anwesend war, kam auch wie zufällig der Dirigent hinzu und machte einfach mit. Sah alles ganz locker und ungewollt aus. Das Publikum amüsierte sich hervorragend und ich mit ihnen. Mir hat der ungewöhnliche Einstieg sehr gut gefallen. Was für ein Schelm, dem das eingefallen ist.

Szymon Marciniak (Quelle: http://www.sperger-wettbewerb.de/ergebnisse.htm)Beim ersten Satz der Sperger Sinfonie hat Golo Berg also ein bißchen herumgebastelt, aber wirklich sehr schön. Die ganze Sinfonie ist wunderschön und sehr hörenswert. Ich sitze nun hier und höre sie über die NAXOS Musiklibrary. Ich kannte sie vorher noch nicht und Dank, daß NAXOS so ein großes Angebot hat, kann ich sie jetzt noch einmal hören. Bedauerlicherweise haben sie das Konzert für Kontrabass und Orchester nicht auf ihren Shelfs. Das war ebenfalls wunderschön. Hätte ich auch zu gern noch einmal gehört.

Da gefiel mir der zweite Satz am besten. Der war so schön traurig und Szymon Marciniak spielte mit soviel Gefühl, daß mir fast die Tränen kamen.

Diesmal gab es übrigens eine Moderation durch Golo Johann Matthias Sperger (1750-1812) Berg mit der Begründung, daß das Budget nicht für ein ordentliches Programmheft reicht und er uns dann eben einfach erzählt, was interessant ist. Ein bißchen ungewöhnlich, so mitten in einem Konzert, aber klasse, hat er sehr gut gemacht.

Nach der Pause ging es dann weiter mit einer ErklärungLuigi Boccherinis (1743-1805)zu Luigi Boccherinis "La musica notturna di Madrid" und diesem wunderbaren Musikgenuß. Sein Menuett kennt ja jeder und das ist schon klasse, aber das hier ist unübertroffen - wunderschön! Und Golo Bergs Beschreibungen konnte ich sogar ein bißchen heraushören. Schade, daß ich es nur einmal hören konnte. Leider gab es das Konzert nur an diesem Sonntag. Ich hätte es mir zu gern noch ein zweites Mal angehört. So als Laie ist man immer ein bißchen langsam mit dem Aufnehmen neuer Sachen.

Aber dann etwas mir bekanntes, die Abschiedssinfonie von Haydn mit der netten Anekdote dazu. Klar, die mußte er natürlich erklären und auch in Dessau verließen die Musiker nach und nach die Bühne und endeten wieder so, wie sie angefangen haben, mit den zwei einsamen Violinen. Das war brillant. Hatte ich vorher noch nie erlebt. Einfach toll!!! Ich glaube, den Musikern hat das auch gefallen. Die schienen richtig gute Laune zu haben. Da sah man doch tatsächlich ab und zu mal ein Lächeln auf den Gesichtern.

Joseph Haydn (1732-1809)By the way, die ganze Sinfonie ist toll. Der erste Satz fängt schon so wunderschön an. Könnte ich wieder und wieder hören. Haydn war ein Genie. Golo Berg erklärte uns, er hätte 104 Sinfonien komponiert - wow! Schade, daß sie die so selten spielen. Das war jetzt das erste mal, daß ich etwas von Haydn life gehört habe.... und das verlangt nach mehr! Na Herr Berg, wie sieht's aus?

 

Aber erst mal freuen wir uns auf das nächste Sinfoniekonzert Anfang Oktober - Gustav Mahlers 3. Sinfonie - das wird klasse. Ich liebe Mahler!

 

... und noch ein Abschied, den ich natürlich hier erwähnen muß. Die Anhaltische Philharmonie verabschiedete sich von einer alten Dame, die seit 75 Jahren ein Abbo der Anhaltischen Philharmonie Dessau besaß und jetzt leider kündigen mußte. Das hat mich sehr beeindruckt - 75 Jahre! Das war 1930! Das ist richtige Geschichte - unglaublich!

Schade, daß uns Golo Berg nicht ihr Alter verriet. Sie muß doch schon fast 100 sein - ja unglaublich!

 

 

Hallesches BrauhausNach diesem wunderschönen Konzert und da es noch so früh am Tage war, stand uns natürlich der Sinn nach einem wunderschönen Essen. Da Dessau in dieser Beziehung wohl nichts besonders zu bieten hat - das Steigenberger hatte noch keine Abendkarte und sonst wüsste ich nichts weiter in Dessau. Vielleicht kann mir ja mal jemand einen Tipp geben. Wäre sehr dankbar dafür! - entschlossen wir uns zurück nach Halle zu fahren und das neu eröffnete Hallesche Brauhaus, gegenüber vom Gildehaus, auszuprobieren.

Ein bißchen karg eingerichtet, da Brauhaus. Also nicht so edel, wie das "Dolce Vita", auch nicht so wie das "Las Salinas". Es passt eher in die Richtung "Diebels" oder "Enchilada" - eben rustikal - aber eigentlich besser als die beiden und sehr preiswerte, wohlschmeckende Gerichte und das Bier ist auch empfehlenswert.

Ich denke, hier werde ich öfter hingehen...

 

 

Eure Jana