Ariadne
auf Naxos
Ein
erstklassiger Einstieg der Anhaltischen Philharmonie Dessau in die Konzertsaison
2005/ 2006. Die italienische Sinfonie von Mendelssohn im
zweiten Teil des
Programms verblasste diesmal im Schatten des mitreißenden
Melodrams "Ariadne auf Naxos". Golo Berg und seine Anhaltische Philharmonie hatten
damit ein besonderes Glanzstück für ihr Publikum ausgesucht.
Ich war bestimmt nicht die Einzige, die Georg Anton Bendas "Ariadne auf Naxos" noch nicht kannte und eigentlich wegen der hübsch melodischen italienischen Sinfonie von Mendelssohn zum Konzert nach Dessau kam und angenehm überrascht wurde.
Da hatte
ich jetzt in einer Woche zwei wunderbare Konzerte. Am Mittwoch noch in Suhl zur
Konzertsaisoneröffnung mit Tschaikowskys 1. Sinfonie
mit der der
deutsch-neuseeländische Dirigent Uwe Grodd das Publikum im Congress Centrum Suhl
so beeindruckte, daß keiner wagte sich zu rühren, um jeden Ton der
wunderschönen, atemberaubenden Klängen lauschten zu können. Und gestern dann
nach Dessau um einem genauso brillanten Konzert beizuwohnen. -- Was für eine
perfekte, rundum gelungene Woche!
Ich bin sehr zufrieden und sitze jetzt
gemütlich hier im Sessel um alles noch einmal Revue passieren zu lassen.
So wie die Ariadne auf Naxos - 3 Tage himmelhoch jauchzend und dann tief betrübt in Neptuns Arme..... "Hilfe Theseus!! - Hilfe! Die Liebe dreht in meinem Kopf und ich bekomme nicht, was ich so gern hätte? Nur die Klippen und den Abgrund in das tosende Meer?" -----
--- aber nein, so hilfsbedürftig und sensibel ist Frau nun auch wieder nicht. -- Und "unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann."* Sollte mein Denken die Richtung wechseln? Sollten meine Bedürfnisse und Erwartungen die Richtung wechseln? Aber wenn sie das sollen, sollte ich erst mal wissen, was meine Bedürfnisse und Erwartungen überhaupt sind. Also was sind jetzt meine Erwartungen? Hmmm... ich habe keine Ahnung.
Ariadne fühlt sich von Theseus verlassen und stürzt sich in die Fluten. Wahrscheinlich hatte sie Erwartungen. Es ist immer schlecht etwas zu erwarten. Man könnte enttäuscht werden. Ich halte mich meist daran nichts zu erwarten und wurde sehr oft überrascht... wie auch in dieser Woche. Nein, damit meine ich nicht die beiden Konzerte. DA habe ich sehrwohl erwartet, daß Diese bei DEN Dirigenten und Orchestern erstklassig werden. Was sie dann auch taten.
.... ich
glaube, das klingt alles etwas wirr für Euch, aber ich hatte jetzt einfach mal
das Bedürfnis so zu schreiben und es war mir ein Vergnügen Euch zu verwirren ;-)
-- Ich hätte soga
r Lust viel mehr darüber zu schreiben, aber da das hier ja
öffentlich ist, behalte ich es für mich und schreibe lieber über die beiden
Konzerte, was Euch wahrscheinlich auch mehr interessiert als meine z.Z.
etwas chaotisch-erotischen Phantasien. Hmmmm.....
Am 07.09.2005 war ich also das erste Mal in Suhl zum Konzert. Das Congress Centrum Suhl schien mir ziemlich groß, aber sehr gut durchdacht. Für meine Begriffe ein gelungenes Bauwerk. Im Hintergrund die Hügel des Thüringer Waldes, leider durch ein paar Platten-Hochhäuser verschandelt.
Ich
wohnte im Hotel gegenüber und hatte immer einen herrlichen Blick auf den kleinen
Teich zwischen Konzerthalle und Hotel.
Die Zimmer des 40 Jahre alten Hotels
waren sehr winzig und dadurch trotz der ganz netten Einrichtung nicht so
besonders. Aber das
Hotelpersonal war überaus freundlich und zum CCS waren es
nur ein paar Schritte. Somit also doch sehr empfehlenswert für eine
Übernachtung, wenn man von Außerhalb kommt und in Suhl zum Konzert ins CCS möchte.
Das kleine Bistro am Hotel ist zwar auch kein kulinarischer Höhepunkt, aber der Kellner, der vor Kurzem sein 35 jähriges Dienstjubiläum dort feierte, ein wahres Unikum. Wir und alle anderen Gäste, hatten unseren Spaß mit ihm. Sehr sympathisch und überaus freundlich!
Uwe Grodd
begann mit Robert Schumanns "Julius Cäsar", ein Stück, welches ich vorher noch nie
gehört hatte, was mir aber sehr
gut gefiel. Ich dachte, was für ein schöner
Auftakt für eine Konzertsaison und war schon zufrieden über meine Entscheidung
nach Suhl zu kommen. Die Odyssee dieser Saisoneröffnung begann also schon mit
einer Glanzleistung und wurde immer besser. Die Pianistin Gerlint Böttcher ließ
Beethovens 1. Konzert für Klavier und Orchester durch den Saal gleiten und der
mitreißend, beschwingte dritte Satz gefiel mir am besten, auch wenn Ihr Einsatz
am Anfang ein bißchen zu schnell erschien.
Der Höhepunkt dieses Abends allerdings, folgte nach der Pause mit Tschaikowskys "Winterträumen". Uwe Grodd dirigierte ohne Partitur eines der schönsten Konzerte, die ich bis jetzt miterleben durfte. Die Thüringen Philharmonie Gotha-Suhl spielte so ausdrucksstark unter seiner Führung, daß ich mich gar nicht traute zu Atmen. Mein Herz pochte und war fasziniert von soviel mitreißender Musik - wow! Fast besser als Sex ;-)
Ich hatte
gehofft, daß die 1. Sinfonie nie enden würde, aber wie es immer so ist, enden
gerade diese schönen Momente viel zu schnell. Es gab einen herrlichen Applaus.
Die Leute tram
pelten und klatschten ihrem Orchester und dem fremden Dirigenten ihre
Begeisterung entgegen und ich war höchst zufrieden und hoffe jetzt, daß ich ihm noch
öfter hier in Deutschland zuhören kann.
Die zweite Saisoneröffnung war dann am 09.09.2005 in Dessau mit der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Golo Berg. Meiner Meinung nach auch ein sehr talentierter Mann.
Leider
war das Anhaltische Theater wieder kaum gefüllt, was ich noch nie verstehen
konnte. Die Konzerte dort waren bis jetzt immer sehr gute Qualität und die
Preise sind kaum erwähnenswert. Aber wo in Suhl sicherlich 600 bis 700 Plätze
besetzt waren, waren es in Dessau kaum ein Drittel. Trotzdem hat es sich auch
diesmal wieder vollstens gelohnt, von der Konzerteinführung mit Golo Berg und
Ronald Müller, über ihre Neuentdeckung und vielleicht sogar Uraufführung von
Rusts Prolog zur Ariadne auf Naxos, bis hin zur erstklassigen
Darstellung der
Ariadne auf Naxos und der italienischen Sinfonie von Mendelssohn. Das war
beste Qualität, die uns da das Team der Anhaltischen Philharmonie
lieferte. Also warum, frage ich mich, bekommen s
ie den Saal nicht wenigstens zur
Hälfte voll? An den Preisen kann es wohl kaum liegen. Vielleicht ist Dessau zu
klein? Oder seine Einwohner interessieren sich nicht für hervorragende
klassische Musik und ihr hervorragendes Orchester. Am Programm kann es auch
nicht liegen. Das war diesmal genau wie jedes Mal sehr gut ausgewählt. Ich würde
sogar sagen, dieses Mal bekamen wir noch mehr geboten.
Friedrich Wilhelm Rusts "Musik zum Prolog zu Bendas Ariadne auf Naxos" war trotz noch nie gespielt sehr hörenswert. Nur den Chor fand ich irgendwie unpassend, wenn nicht sogar störend zu der schönen Musik.

Dann der
Höhepunkt für mich in diesem Konzert: Georg Anton Bendas "Ariadne auf Naxos".
Golo Berg leitete sein Orchester meisterlich. Jeder Ton war ausdrucksstark und
berührte meine Seele. Das wohl vor allem auch durch das perfekte Zusammenspiel
zwischen Orchester und den drei Sprechern. Jörg Zuch war Theseus. Schon beim
ersten Satz überzeugte er mich. Und ich spürte die starken Gefühle der Ariadne,
die Kristine Walther so perfekt und ausdrucksstark rüberbrachte. Selbst die
Stimme von Maria I. Cobo Méndez im Hintergrund war sehr wirklich. So daß ich
mich mitten im Geschehen befindlich fühlte. Selbst jetzt noch, wenn ich daran
denke, fängt mein Herz an wild zu schlagen und ich spüre die Musik mit jeder
Faser
meines Körpers. Ich könnte mich zurück lehnen und in meinen Gedanken dazu
baden. Alles klingt noch in meinem Kopf nach. Das war diesmal wirklich ein
unvergessliches, nachhaltiges Erlebnis. Vielen Dank dafür an das Team des
Anhaltischen Theaters in Dessau.
Nach der
Pause ging es dann weiter mit Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nr. 4, der
"Italienischen". Diese
ließ mich nach soviel Anspannung um Ariadne wieder
aufatmen. Die beschwingte, locker-leichte Musik tänzelte hübsch durch den Saal
und Golo Berg dirigierte genauso beschwingt wie ich mich jetzt fühlte und
irgendwie hatte ich den Eindruck, als ging es ihm wie mir - Erleichterung.
Ein sehr hübsches Stück. Ich habe es schon 1000de Male gehört, ok und auch schon besser, als im Anhaltischen Theater. Aber egal. Es war ein Genuss Golo Berg zuzuschauen. Er macht eine gute Figur. Vor allem das auf-und-ab auf die Zehenspitzen und wieder runter.
Allerdings könnten seine Schuhe und das Podest mal eine Entstaubung vertragen.
Jedes Stampfen mit den Füßen zog eine kleine Staubwolke nach sich und brachte
mich irgendwie zum Lachen. Dadurch, daß ich in der 4. Reihe saß, genau hinter
ihm, konnte ich das herrlich beobachten. Ein Hosenbein runter, ein Hosenbein
hoch und mit jedem Stampfen immer staubiger werdende Schuhe - hehe.
Ja, ich
glaube, der gefällt mir irgendwie. Mit ihm würde ich gern mal gegenüber im
"Steigenberger" nach dem Konzert ein Glas Wein trinken ;-) -- naja, vielleicht
klappt es ja mal.
Aber für heute freue ich mich erst mal auf das nächste Konzert mit Golo Berg und der Anhaltischen Philharmonie in Dessau und auf ein Wiedersehen mit Uwe Grodd in Deutschland.
Es war eine sehr schöne Woche für mich - vielen Dank dafür!
Eure Jana
*Francis Picabia (Dadaist)