Eigentlich wollte ich heute über Esther Vilars "Speer" schreiben, aber da ich mich den ganzen Nachmittag mit dem seriösen Thema des Berechnens eines Gozinto-Graphen beschäftigte, habe ich jetzt keine Lust mehr auf so schwere Kost. Allerdings die Aufführung von "Speer" in unserem "neuen theater" hat mich schon schwer beeindruckt. Ein erstklassiger Stoff und super umgesetzt von Peter Sodanns Team. Johannes Gabriel und Sohn Franz Sodann spielten brillant. Aber ich denke, es weiß jeder, daß das Stück super ist, denn der große Saal war ausverkauft bis zum letzten Platz auf der Treppe. Da hat es mit meinem Bericht noch ein bißchen Zeit. Ich muß das Gesehene erst mal in Ruhe verdauen und noch ein bißchen dazu nachlesen - ein wirklich interessantes Thema...

... "Was für ein Glück für die Regierungen, daß die Menschen nicht denken." - Adolf Hitler, aus dem Programm zum Stück - ... und eigentlich gehört aber noch dazu: "... und das man sie durch schwachsinniges Fernsehen und primitive Zeitungen so wunderbar manipulieren kann."

Aber erst mal genug dazu, jetzt weiter mit Verdis:

 

AIDA

 

Giuseppe Verdi (1813-1901)Das ganze Wochenende habe ich mich mit den Vorbereitungen der Prüfung zu "Planung & Logistik" herumgeschlagen und war somit so was von glücklich am Sonntag Abend, nach getaner Arbeit, auch relativ zufrieden, und ohne schlechtem Gewissen, mich dem Vergnügen eines Opernbesuches hinzugeben. Diesmal war es Giuseppe Verdis Oper "Aida" und ich fuhr nach Leipzig in die Oper.

Aida ist wohl eine seiner bekanntesten Opern und somit auch eine der Schönsten. Aber das Anhaltische Theater in Dessau hat gerade eine Verdi/Schiller Reihe mit nicht ganz so bekannten Opern im Programm, die sich ebenfalls sehen lassen können. Letztens war ich zur Premierenvorstellung von Johanna d'Arc und die konnte sich wirklich sehen lassen und zu Weihnachten habe ich "Don Karlos" geplant und gleich im neuen Jahr die Premiere von "Die Räuber" - wirklich ein tolles Theater, was sie da in Dessau haben!

Von den Inszenierungen her um einiges besser als Leipzig - sorry Leipzig.

 

Da diesmal Lernen angesagt war, mußte ich in Anbetracht der daraus resultierenden knappen Zeit das Dinner weglassen. Die Oper ging schon 18 Uhr los und bis 15:30 Uhr habe ich noch über meinen Aufzeichnungen gebrütet. Als Kumpel Thomas klingelte stand ich noch unter der Dusche. Tja, das hat Mann nun davon, wenn er eine viertel Stunde zu zeitig ist.... und dann noch nicht mal wissen, wie man bestimmte Funktionen umstellt und so was als Chemiker tztztztz - bei meinem Chef kam das heute früh wie aus dem FF - wow! bin immer noch beeindruckt.

 

Also dann mit knurrenden Magen in die Oper - hoffentlich hat's keiner gehört. Aber wohl eher nicht, denn die waren alle mit ihren eigenen Krach beschäftigt - nee, so ein unruhiges Publikum hatte ich schon lange nicht mehr erlebt. Die führten bei der schönen Ouvertüre Axel Kober (Quelle: Homepage der Leipziger Oper) noch rege Unterhaltungen. Vielleicht lag es aber auch daran, daß der Orchestergraben so tief unten war und man von Dirigenten kaum noch das Stöckchen sah. Allerdings zu überhören war das Gewandhausorchester unter Leitung von Axel Kober keineswegs. Im Gegenteil, sie spielten wieder erstklassig laut, sogar die Zuschauer hinter mir hatten ganz schön ihre Schwierigkeiten das Orchester noch zu übertönen.

Dann endlich liftete sich der graue Vorhang und es kehrte bis auf etliche Hustattacken und scharrende Füße Ruhe ein im Saal.

Das Bühnenbild (Horst Vogelgesang) gefiel mir nicht besonders, obwohl das schlichte Weiß und die riesigen Hallen eigentlich sehr passend für einen Palast zur Zeit der Pharaonen waren. Auf alle Fälle war es bombastisch und somit wiederum beeindruckend.

 

Flyer des OpernhausesRadames würde zu gern von Ramphis wissen, wer wohl der junge Krieger sein wird, den die Göttin Isis bestimmt hat, die Ägypter gegen Äthiopien zu führen. Er hofft, daß er es sein würde und das alles nur um Aida, Metodie Bujor (Quelle: Homepage der Leipziger Oper) die Sklavin Amneris, zu beeindrucken.  .... finde ich doch einen netten Zug von ihm. Irgendwie braucht Frau auch einen Mann, der sie beeindruckt, sonst wird das nix mit der Liebe.  - Zumindest nicht bei mir - seufz - aber leider gibt es im wahren Leben davon nicht allzu viele...

 

Metodie Bujor machte als Bass und Priester eine tolle Figur aber irgendwie traf Boiko Zvetanov nicht so recht mein Bild des Kriegers Radames in den sich die schöne Aida verliebte. Seine Stimme allerdings war ersBoiko Zvetanov (Quelle: Homepage der Leipziger Oper)tklassig. Und wenn ich mir das recht überlege, gefiel mir zwar die Inszenierung nicht so besonders, aber die Stimmen waren alle super. Tuomas Pursio sang den König von Ägypten, Cornelia Helricht seine Tochter Amneris, Roxana Briban die hübsche Aida und Andrzej Dobber (toller Mann) den König von Äthiopien.

Und dann folgt wieder das alte Spiel, Frau liebt Mann, aber Mann liebt eine andere. Frau ist eifersüchtig auf die Rivalin und spielt ihre Macht ihr gegenüber aus, so boshaft sie nur kann. Mann gerät zwischen die Fronten und ist am Ende der Leittragende - naja, so ungefähr jedenfalls. Verdi brachte das schon in einer ein wenig abgewandelten Form unter:

Andrzej Dobber (Quelle: Homepage der Leipziger Oper)Die Tochter des Pharaos ist in den Krieger Radames verliebt, aber der liebt die hübsche Sklavin Aida, die ihm gegenüber auch nicht abgeneigt iCornelia Helfricht (Quelle: Homepage der Leipziger Oper)st. Amneris bekommt das, so als Frau, selbstverständlich mit und ist sauer auf Aida. Eigentlich hätte sie ja nichts zu befürchten, da Ihr Vater ihre Hand und das halbe Königreich dem siegreichen Radames schenken möchte. Blöderweise ist Radames da überhaupt nicht erfreut drüber und trifft sich weiter mit seiner geliebten Aida. Das Desaster folgt, indem er ihr und ihrem lauschenden Vater, dem besagten König der Äthiopier, das Kriegsgeheimnis verrät, welches die Äthiopier zum Sieg über Ägypten führen könnte. Sie werden erwischt, der Vater getötet und Radames zum Tode verurteilt. Er wird in einer Gruft lebendig eingeschlossen und aus lauter Liebe folgt ihm Aida heimlich dahin - Ende.

Eigentlich eine schöne Geschichte und schön, daß Verdi diese paar Zeilen in einer hübschen 3 stündigen Oper verpackte.

Roxana Briban (Quelle: Homepage der Leipziger Oper)Nagut, bei ihm kommt noch dazu, daß Aida ganz schön im Zwiespalt ist. Sie liebt einen feindlichen Krieger, der siegreich gegen ihr Land kämpft. Aber sie liebt auch ihr Land und ihren Vater, der es retten möchte. Sie ist hin und her gerissen und kann es nicht beiden recht machen. Arme Frau - es wäre alles in Ordnung, wenn Radames desertieren und mit ihr nach Äthiopien fliehen würde. Aber was wäre er da für ein Feldherr? Seufz - da kann man sagen, was man will, so ein Krieg ist doch immer Mist.

König, Priester und Minister jedenfalls wollen ihren Krieg und Radames als Sieger über die Feinde sehen und der Chor des Opernhauses schmetterte das in den Zuschauersaal.

Sie begeben sich in einen Tempel und man hörte schon den Chor aus dem Inneren - toller Chor!

Den Tanz der Priesterinnen hat das Opernhaus hier weggelassen und sich ein anderes Ritual ausgedacht - hmmm, ich glaube, ich hätte lieber dTuomas Pursio (Quelle: Homepage der Leipziger Oper)en Tanz der Priesterinnen gehabt und auch der Tempel hätte ruhig ein bißchen unheimlicher sein können.

 

Radames gewinnt natürlich die Schlacht und ganz Theben bereitet sich auf die Siegesfeier vor. - Verdi scheint Siegesfeiern zu mögen. Da hatten wir schon bei Johanna d'Arc eine Grandiose.

Vorher jedoch die bittere Erkenntnis Amneris, daß ihr Gespür bezüglich Aida sie nicht belogen hat. Die beiden Rivalinnen sind allein und Amneris versucht durch einen Trick Aidas wahre Gefühle zu Radames herauszufinden.

"Du liebst ihn?... Ja, du liebst ihn ..." --

 

Die darauffolgende Siegesfeier war nicht schlecht inszeniert, die Fanfaren und den Flitter für die Zuschauer fand ich eine tolle Idee. Habe mir sogar zwei güldene Streifchen als Andenken mitgenommen - wirklich hübsch! Auch das kleine Feuerwerk fand ich spitze. Sah toll aus, aber was sollte das mit dem Sekt im alten Ägypten?!? Nee Leute, da hättet Ihr den Zuschauern schon etwas davon abgeben müssen, damit sie das nicht merken. Das war schon ein bißchen seltsam. Auch das mit dem Eisenschwert in der Ritualszene war ein bißchen sehr weit hergeholt für das alte Ägypten. Aber gut, daß nennt man wohl Kreativität... sehr kreativ ;-)

Radames wird bejubelt und geehrt und sah ein bißchen verloren aus zwischen den beiden großen Männern.

Der Pharao verspricht ihm jeden Wunsch zu erfüllen und als er seine Gefangenen vorführen läßt und Aidas Trauer dazu sieht, ist sein Wunsch die Freiheit für die armen Geschöpfe. Der Pharao willigt ein. Als das Volk allerdings darüber murrte entschließt er sich den Äthiopier König und seine Tochter Aida als Geisel zu behalten und somit nehmen die Dinge ihren grausigen Lauf.

Aida trifft Radames unter dem Sternenzelt, was hätte sehr romantisch werden können, wenn sie nicht vorher ihr Vater bedrängt hätte, Radames Liebe für ihr Vaterland auszunutzen und sich die freie Passage in die Ägypterstadt beschreiben zu lassen.

Da war er wieder dieser Zwiespalt. Was sollte sie denn tun? Den Vater und ihr Land verraten wegen einer Liebe? - Tja, in Anbetracht des darauffolgenden Desasters wohl ja. Vielleicht hätte es dann auch Frieden gegeben, wenn die Äthiopier nicht wieder angreifen konnten? Vielleicht hätte sie wirklich ihrer Liebe nachgeben und eine tolle Nacht unter dem Sternenzelt mit ihm verbringen sollen. Nur leider wäre das Ende dann zwar nicht tödlich gewesen, aber auch nicht viel besser. Sie hätte zwar endlich ihre Liebesnacht, aber ihr Vater hätte sie verstoßen und ihr Geliebter hätte wohl eine andere geheiratet. Hmmmm .... Thomas meinte allerdings, wie Mann so ist, hätte er doch die Olle geheiratet, sie dann vergiftet, sich die hübsche Aida genommen und schon wären aus zwei Königreichen eins geworden. Strategisch super, kam in der Geschichte schon öfter vor - Punkt und aus. Da sieht Frau es mal wieder, immer praktisch und sachlich, die Männer.

Wo Frau langsam schluchzend ihre Taschentücher aufbraucht, baut Mann Strategien für ein neues Königreich zusammen. <Grins> da muß ich wiedermal an den Spruch meiner Freundin aus Frankreich denken: "Frauen und Männer passen einfach nicht zusammen." Damit killt sie bei mir aber auch immer jegliche Hoffnung ;-) - Hehehe, würde aber auch wirklich komisch aussehen, wenn Mann in der Oper heulend neben mir sitzen würde. Nein, da finde ich, sind die Rollen doch schon gut verteilt.

Aber gut, diesmal blieb ich tapfer. Immerhin haben sie sich ja noch bekommen. Das ist doch wenigstens was, wenn schon kein Happy End.

 

Eure Jana