Programm Anhaltische Philharmonie Konzert an unerhörtem Ort - AEM März 2007Na für solch gute Wünsche wollen wir uns doch gern bei der Anhaltischen Philharmonie Dessau, Nico (Rocco) Wouterse, Ronald Müller und Golo Berg bedanken! ... naja, und im Übrigen auch für das sehr gut gelungene Konzert zur Einweihung der neuen Produktionshalle des Anhaltischen Elektromotorenwerkes Dessau und bei demjenigen, der auf diese brillante Idee gekommen ist. 

Ich hätte mir das auch zur Eröffnung unseres neuen Dow Automotive Control Centers gewünscht, aber da gab es nur einen goldenen Schlüssel vom CEO und eine Rede desselbigen. Sehr gewichtig und zukunftsweisend, aber leider nicht so wohlklingend, wie das Konzert, was ich an diesem Sonntag Nachmittag in Dessau erleben durfte.... allerdings mit bedeutend mehr Kameras, Security Mannschaften und Akrobatik der Damen und Herren der Öffentlichkeitsarbeit.

Das Elektromotorenwerk in seiner Bescheidenheit verpflichtet da besser ein ganzes Orchester nebst Generalmusikdirektor zur Huldigung und glorreichen Einweihung der heiligen neuen Hallen. STOP! Das ist nicht Boshaftigkeit und üble Kritik meinerseits, das ist schlicht weg nur Eifersucht! Ich war regelrecht neidisch auf so eine hervorragende Einweihungsveranstaltung mit nicht allzu langen Reden aber dafür sehr viel musikalischem Genuss. Und nicht nur daß es musikalischen Genuss gab, es wurden auch noch 2 EUR pro Karte für den sehr baufälligen aber überaus hübschen "neuen" Wasserturm gleich um die Ecke gespendet. Ein hehres Ziel dieses arme baufällige Ding vor den Toren elektromotorischer Motorenentstehungen wieder herzurichten. Ich freue mich darüber, denn Dessau ist schon arg gebeutelt mit solch hübschen alten Bauwerken. Zuviel wurde durch den Krieg zerstört und zuwenig ist übrig geblieben und das Zuwenige zerfällt zusehends mit Zusehen der Stadt, die neben dem wundervollen Rathauscenter lieber ein zweites Einkaufcenter plant und finanziert oder -lässt. Was für eine verrückte, verdrehte Welt das doch ist. Aber es ist schon einzusehen, daß die GROSSstadt Dessau doch besser mehr Einkaufsmöglichkeiten braucht, als mehr Wassertürme. Oder doch nicht?

Also dann liebes Volk, spendet Euer Geld nicht in schnöden Mammon, sondern in bleibende Eindrücke, woran sich die Nachwelt auch freuen kann, wenn sie kein Geld mehr in der Tasche hat für diverse Einkaufscenter.

Ich hätte Euch ja jetzt gern das Spendenkonto aufgeschrieben, wenn ich im Internet einen Hinweis dazu gefunden hätte, aber die Dessauer scheinen genau wie auch so manch Weimarer nicht ganz so Internetfreundlich zu sein. "Mädels und Jungs, Ihr verkennt die Situation oder Gunst der Stunde zuzugreifen...... Wo soll ich denn jetzt spenden, wenn ich wollte?" Ich habe leider den ausliegenden Flyer nicht mitgenommen und somit keine Chance mehr ein paar Euro zur Restaurierung des hübschen kleinen, aber jetzt noch sehr unansehnlichen Dinges, vor elektromotorischer Haustür beizusteuern. Hmmmm... ich bin ja ein dummer Laie in Internetbau und -bastelei, aber ich könnte Euch eine einfache, eben laienmäßige, Website bauen, sofern das von Interesse wäre. Eine hübsche kleine Seite mit Wasserturmdetails und wichtig (!) mit der Nummer des Kontos, wohin Frau und Mann gut Betuchte, spenden könnte. Falls Interesse besteht und Euch die Idee gefällt, dann meldet Euch bei mir: feininger@mein-abenteuerland.com.... ich mag eben alte Wassertürme! (bitte Nachtrag vom 01.04.2007 unten dazu lesen!)

... und ich mag schöne alte Musik, wie die unseres Großmeisters und in Halle geborenen, aber dann nach London geflüchteten, Komponisten Georg Friedrich Händel. Die Wassermusiksuite Nr.2 ist ein hübsches und eigentlich selten gespieltes Teil. Sehr passend zu Wassertürmen und noch passender zu Händelfestspielen. Wie z.B. zum Abschlusskonzert der Händelfestspiele 2005 in Halle/ Saale. Och Herr Berg, die Version von Uwe Grodd und dem Händelfestspielorchester bzw. und des damals noch Philharmonischem Staatsorchesters Halle fand ich schon besser, und glauben Sie mir, die kenne ich sehr gut, aber dafür war Ihr goldener Beethoven hervorragend und überhaupt das ganze Programm zum heutigen Abend perfekt zusammengestellt. Also das muß ich Ihnen und Herrn Müller lassen. Da haben Sie echt etwas drauf. Das ganze Sortiment ist hervorragend abgestimmt und die Einweisungen in die diversen Sortimentteile waren von Ronald Müller brillant vorgetragen. Hauen Sie ihm bitte dafür lobend für mich auf die Schulter. Das verdient ein "Bravo, Herr Müller!" ... und spendieren Sie ihm doch bitte (für mich) ein Dinner im Pächterhaus. Er hat's wirklich verdient!

"Wer bei Tisch nur Liebe findet, wird nach Tische hungrig sein."* Naja, immerhin aber nicht nach Liebe.

Roccos Lobgesang auf das Geld ist schon nicht ganz unwahr und Nico Wouterse hat die nicht ganz solch Unwahrheiten wunderbar vorgetragen. Eine hübsche Arie und so schön passend zum Wasserturmthema ausgesucht:

"Hat man nicht auch Gold beineben,

Kann man nicht ganz glücklich sein;

Traurig schleppt sich fort das Leben,

Mancher Kummer stellt sich ein.

Doch wenn's in den Taschen fein klingelt und rollt,

Da hält man das Schicksal gefangen,

Und Macht und Liebe verschafft dir das Gold

Und stillet das kühnste Verlangen.

Das Glück dient wie ein Knecht für Sold,

Es ist ein schönes Ding, das Gold.

 

Wenn sich nichts mit nichts verbindet,

Ist und bleibt die Summe klein;

Wer bei Tisch nur Liebe findet,

Wird nach Tische hungrig sein.

Drum lächle der Zufall euch gnädig und hold

Und segne und lenk' euer Streben;

Das Liebchen im Arme, im Beutel das Gold,

So mögt ihr viel Jahre durchleben.

Das Glück dient wie ein Knecht für Sold,

Es ist ein mächtig Ding, das Gold."*

Von diesem Mammon wussten die noch zarten Geschöpfe des Prometheus noch nichts und wagten sich tapsig und unbeholfen in die doch so harte Welt der geldgierigen Menschen. Das Orchester zwingt ihnen mit Hilfe der naiven Beethovschen Balletttöne die vorgesehen Richtung auf und stellt sie letztendlich vor düstere Wahrheit.

Dann gibt's eine Pause zum Luftholen und danach frönen wir nur noch weltlichem Vergnügen.

Alles wird wieder locker und leicht mit Wein, Weib, Gesang, Motorenklängen und wunderbaren Walzertakten. Das lässt einen den tristen Alltag und die langweiligen Geldsorgen vergessen und eintauchen in wunderbaren Wiener Welten des puren Vergnügens.

Golo Berg lässt Joseph Lanners Schwimmer in den Wellen untertauchen und auch wieder auf und das im herrlichen Walzertakt, so daß es einen kaum auf dem Stuhl halten kann und man doch lieber in ebendiesen Wellen mit ebendiesen Schwimmern untertauchen möchte .... und auch wieder auf. Das Auftauchen wäre wichtig, schon um der erstklassigen Musik weiter folgen zu können und zusammen mit Isaak Dunajewski das Wasserträgerlied zu singen. Tja, der wusste, von was er da sprach, so als Vorsitzender des Leningrader Komponistenverbandes und Untergebener Stalins. Lasst uns besser kein Schluck Wasser auf die alten Zeiten trinken, sondern lieber im Rausch des Weines mit Gesang und in meinem Falle eher Mann als Weib versinken. 

Die Sträuße spielen auf und ich kann mich kaum noch auf meinem harten Stuhl sitzend halten. Das Bein wippt mit, der Finger auch und Walzer mit Polka klingt durch den klanglich eigentlich gut dafür geeigneten Saal für die vielen Zuhörer daher. Alles ein bisschen "hallender" und dumpfer als im Anhaltischen Theater, aber ein purer Genuss. Ich mag diese extravaganten Aufführungsorte. Schon damals das Umweltbundesamt war eine gute Adresse für derlei Experimente oder Letztens der Leipziger Wallenstein in der alten Baumwollspinnerei und am Völkerschlachtdenkmal mehr als empfehlenswert. Gregor Seyfferts "De Sade" im Kraftwerk Vockerode genauso brillant. Ja, das hat schon etwas Extravagantes und ja, ich denke, das Extravagante gefällt mir.... schon immer...

Auch Golo Bergs extravagante 3 Bonusstrophen auf den Wasserträger gefielen mir und dem restlichen Publikum sehr gut. Ja Herr Berg, der Gag ist Ihnen wirklich gelungen.... und dichten können sie auch ganz gut. Wahrscheinlich liegt das jemandem im Blut, der aus solch Dichter & Denker berühmter Stadt stammt. 

Auch wenn der Denker ja von Rodin ist, wie sieht es denn aus mit Bildhauen a la Deutschlands Rodin, Max Klinger? Es muß ja kein Nietzsche Portrait sein, oder ein Klinger Beethoven, aber wie wäre es mit einem in Stein gemeißelten Wegweiser zur "Jägerklause"? Ich schlage das jetzt nicht vor, weil die Jägerklause so ein kulinarisches Erlebnis ist, nein, ich schlage das aus rein ökologisch und umweltschützenden Gesichtspunkten vor. Die netten Herrschaften, die harten Stühle neben mir besetzend, empfahlen uns dieses Restaurant und ich folgte der Empfehlung, da in meiner Heimrichtung und drehte ein paar großzügige, sprit- und somit umweltvergeudende Dessauer Runden um mit zunehmend immer lauter knurrenderen Magen zu meinem Abendessen zu finden, ganz allein der Tatsache geschuldet, daß dieses Etablissement nicht von der Heidestraße aus ausgeschildert war. Das ist doch ein wahrer Frevel und verdient Kritik! Allerdings, wenn man bedenke, daß das Abendessen dort nicht ganz so schmackhaft war, wie angepriesen, haben die Damen und Herren Gaststätteninhaber schon recht: nur nicht zu viel Reklame machen. Es könnte sich ja mal ein Gast von Außerhalb dorthin verirren wollen und das Dessauer Kulinarite nicht mögen.

Das leichte Menü scheint nicht des Hauskochs Lieblingsmenü zu sein. Vielleicht bevorzugt er ja die deftigen Speisen, die wir diesmal und zu so später Stunde leider nicht probieren wollten. Aber vielleicht geben wir dem doch noch ein nächstes Mal eine Chance, denn die Hausherren und -innen waren sehr nett und zuvorkommend und die Einrichtung sehr hübsch, kinderfreundlich und mit Liebe gestaltet. Vielleicht hatten wir an diesem Abend den Koch nur mal auf dem falschen Bein erwischt.

UND! die Bedienung hier war bedeutend schneller als im Kornhaus, obwohl das wahrscheinlich keine große Kunst mit sich bringt. Die Bedienung im Kornhaus steht sicherlich im Guinnessbuch der Rekorde diesbezüglich und noch niemand konnte den Record bis jetzt brechen.

Da hilft auch keine schnelle Polka mit Motorengeräusch, Hämmerchen oder Kassenklingeln. Das Markenzeichen und besondere Ambiente des Kornhauses wird auch nicht mit funkelnden Gold aus den dunklen Hallen des Bergkönigs zu eliminieren sein. Aber das Wasser fließt auch dort romantisch an alten Bauhausmauern vorbei und landet vielleicht doch irgendwann noch einmal im Wasserturm am Lutherplatz...... vorausgesetzt, so manch Bergkönig rückt etwas von seinem Gold dafür heraus....

 

 

Eure Jana

 

 

 

 

 

ps. Verspreche Euch ein Bild vom Wasserturm zu machen, wenn ich wieder in der Gegend bin und den Fotoapparat mal nicht vergessen habe!

 

Nachtrag: 

EUREKA! Ich habe sie gefunden! 

Die Website vom "neuen Wasserturm" in Dessau meine ich. Dank der Premierenfeier nach "Mignon" und einem netten Gespräch in netter Gesellschaft. 

Also dann, wenn jemand spenden, oder sich einfach mal das arme Ding ansehen möchte, hier ist der Link dazu: http://www.neuerwasserturm.de/ - (wieder hoch zum Text)

 

 

*Ludwig van Beethoven, "Fidelio"; 1. Akt, 4. Auftritt, Nr. 4 Arie des Rocco