Grausige Gespenster, was wollt ihr von mir

oder

Dass ich mich verzehre und leide: Dafür hat Amor mich bestimmt.

 

Zu unseren diesjährigen Händelfestspielen bin ich leider nicht so oft unterwegs, wie ich es gern wäre, aber eins ließ ich mir auf keinen Fall entgehen, die diesjährige Oper "Admeto, Re di Tessaglia". Nirgends sonst bekommt man wieder die Gelegenheit diese niegespielten Opern zu sehen und zu hören. So eine Chance darf man sich einfach nicht entgehen lassen. 

Es ist eigentlich auch sehr schade, daß ich mir dieses Jahr die vielen anderen wunderbaren Gelegenheiten entgehen lasse. Zu den Händelfestspielen gibt es immer hervorragende Musik mit hervorragenden Künstlern überall zu jeden Veranstaltungen. Letztes Jahr habe ich das sehr genossen. Diesmal habe ich mich leider zu spät entschlossen und keine vernünftigen Karten mehr bekommen.

Aber gut, das nächste Mal buche ich wieder im Januar und genieße diesmal meine Händeloper und das Abschlußkonzert am Sonntag.

 

Nun sitze ich hier gemütlich in meinem Wohnzimmer, die Balkontür geöffnet um mir einen kühlen Wind um die Nase wehen zu lassen und habe die ersten Zeilen für meinen Bericht schon getippt.

Draußen sieht es sehr nach Regen aus - wie immer an den Wochenenden - und ich denke mit Freuden an den hervorragenden gestrigen Abend zurück. Nein, das war nicht die Oper. Die war letzten Sonntag. Gestern war ich zum letzten Konzert dieser Saison in Dessau. Auch etwas, was man sich nicht entgehen hätte lassen sollen. Das war ein wirklich brillantes Konzert, was uns Golo Berg und die Anhaltische Philharmonie da gestern bot und es ist sehr interessant zu beobachten, wie sich Golo Berg in den letzten Jahren weiterentwickelte. Wenn ich so was als Laie überhaupt sagen darf, aber meiner Meinung nach hat er von meinem ersten Konzert in Dessau bis jetzt einen riesigen Sprung nach vorn gemacht. Wirklich klasse, das war gestern wieder eine Meisterleistung. Aber dazu später. Jetzt als erstes einige Worte zur Oper "Admeto", welche verdient unbedingt erwähnt zu werden.

Fast eine ganze Woche ist vergangen seit dem ich in unserer kleinen, hübschen Oper zur diesjährigen Händelfestspieloper war und ich kann mich noch sehr gut an dieses musikalische Meisterwerk erinnern.

 

Leider war mein Abendessen an diesem genussvollen Händeloperabend nicht so genussvoll, wie ich es mir erwünscht hätte.

Ich habe es ja eigentlich gewusst, aber dummerweise öffnen die meisten Restaurants hier erst 18.00 Uhr und Oper, Konzerte und Theater beginnen aber schon 19.00 Uhr. So daß nie genügend Zeit für ein ruhiges, gemütliches Dinner bleibt. Und da die Zanzibar, die sonst immer schon so zeitig ein hervorragendes Abendessen serviert, leider diesmal noch nicht geöffnet hatte, bleib uns nichts anderes übrig als das "Drei Kaiser".

Ein hübsches kleines Restaurant mit zuvorkommenden Obern und interessanter Einrichtung. Selbst die Idee mit der Speisekarte zu Händels Zeiten war sehr gut, aber die Umsetzung zu meinem Leidwesen mehr als bedauernswert.

Ich war nun schon sehr lange nicht mehr dort und hoffte auf eine Besserung zum letzten Mal, aber meine Hoffnung war vergebens. Es entsprach wiedermal einfach nicht meinen kulinarischen Geschmack, trotz der stattlichen Preise.

 

"Wie ein Blitz kann die Hoffnung sein,

ein Leuchten, wie wahr, doch dasselbe

Licht droht uns dann oft genug zu schaden.

    Zu unserem Wohl ist die Hoffnung,

    doch verlässt sie das Herz,

    wird der Schmerz noch grausamer."*

 

Ja, die Hoffnung, so ist sie, sie hält uns am Leben und sie treibt uns voran. Ohne sie gebe es keinen Ergeiz und keinen Erfolg. Es gäbe keine Liebe und keine Träume. Die Hoffnung ist das Lebenselixier der einsamen, verliebten Seelen. Sie läßt uns Wünschen und sich uns bemühen dem Erhofften immer einen Schritt näheAxel Köhler (Quelle: Programm der Oper)r zu kommen. Aber leider zerbricht sie auch manchmal in 1000 Stücke, die man nicht wieder zusammenfügen kann. Dann folgt nach der Hoffnung das Leid und die Trauer und glücklich der, der danach wieder Hoffen kann. 

Aber so ist das Leben und auch Hoffnung macht das Leben spannend. Es wäre langweilig ohne sie. Genauso langeilig, wie ohne die Liebe. Und ich hoffe er liebt mich - tut er es? Schaut er mich an? Oder liebt er eine Andere? Nein, - ich hoffe er schaut mich an und ich hoffe, ich gefalle ihm und ich hoffe ...... Aber gut, das kennt jeder, so ist das Leben und die Hoffnung macht das Leben spannend.... spannend.....spannend.... Hoffnung.... Hoffen .... hoffentlich....

 

Ich hoffte an diesem Opernabend, daß die Inszenierung nicht wieder so kitschig wird und bitte auch nicht zu abstrakt. Axel Köhler hatte die Regie und das ließ meine Hoffnung ein wenig in den Boden sinken. Seine Inszenierungen haben mir noch nie gefallen. Er trifft einfach nicht meinen Geschmack  - ich bin eben ein romantischer Mensch - der eben auch romantischen Inszenierungen den Vorzug gibt. Szenenfoto zu Admeto - Opernhaus Halle 2006 Ich liebe ihn als Countertenor, aber als Regisseur bin ich da nur am Hoffen, daß er es nicht zu sehr mit dem Abstrakten übertreibt  - tja, und hier war meine Hoffnung leider vergebens. Er war wie immer Abstrakt und wir fanden uns in einem langweiligen, sterilen Krankenhausbühnenbild wieder - das sich leider durch die ganze Oper zog. Sehr schade, mit so einem Bühnenbild kann ich nicht ohne meine Augen zu schließen in die wunderbare Welt der Oper abtauchen. 

Ich mußte hier einfach die Augen schließen um meiner sehr gut funktionierenden Phantasie freien Raum zu lassen. 

Meine sehr gut funktionierende  Phantasie kHoward Armen (Quelle: Programm der Oper)ramte auch sofort wunderbare Bühnenbilder zu diesen wunderbaren Stimmen heraus. Das war nicht schwierig, denn Musik und Stimmen waren wundervoll, einfach grandios. Howard Arman und das Händelfestspielorchester haben das perfekt umgesetzt. Musikalisch ist das eine der besten Händelopern, die ich bis jetzt kennen lernen durfte. Ich würde sogar fast behaupten nach der bis jetzt unübertroffenen Oper "Imeneo" die beste. Hervorragende Musik und ich bin immer noch begeistert. Dem Inhalt war auch sehr gut zu folgen. 

Ich saß diesmal im 2. Rang, da keine anderen Plätze mehr frei waren, und konnte die Übertitel von dort hervorragend lesen, ohne meinen Kopf zu bewegen. Das muß hier auch unbedingt bemerkt werden, die Plätze im II. Rang waren sehr gut, was ich nicht gedacht hätte. Die Akustik war exzellent und der Blick auf die Bühne hervorragend. Selbst die Mimik der Darsteller konnte man von hier oben relativ gut erkennen und die Emotionen wurden uns sowieso über die Farben im Hintergrund der Bühne erklärt. "Das, Herr Köhler, war wiedermal ein sehr gute Idee. Hat mir gefallen! Ebenso gefiel mir der Brunnen auf der Bühne und die Blumen darin im letzten Akt ließen meine romantische Seele erklingen.... sehr hübsch... aber... Felsenstein kann's besser ;-) Sie müssen sich mal Rusalka im Dessauer Theater ansehen. DAS ist eine Inszenierung, die sich nicht so leicht übertreffen läßt." Aber gut, wer wird schon von anderen abgucken. Da haben Sie recht. Setzten Sie Ihre eigenen Gedanken um! .... aber ein Blick nach Dessau lohnt sich wirklich. Die treffen dort noch des Zuschauers Herz und romantische Seele. Die lassen uns Abtauchen von der sterilen Realität. Die verzaubern uns und geben unserem Hirn Stoff zum Träumen. Da muß ich nicht meine Augen schließen und meine eigene Inszenierung erfinden, Johannes Felsenstein trifft immer meinen altmodisch, romantischen Geschmack.

Bei Admeto, leider, blieb das Bühnenbild steril - im wahrsten Sinne des Wortes - und überzeugte mich überhaupt nicht. Aber gut, es gibt noch etwas dazu zu sagen: es sind Festspiele und zu Festspielen sollte man schon mal etwas Neues probieren. Da kann man seinen Gedanken freien Lauf und seine Hemmungen unter den Tisch fallen lassen. Da kann man mal ein bißchen übertreiben, sonst wären es keine Festspiele - und in diesem Sinne, Herr Köhler, vielen Dank für Ihren Mut zum Unkonventionellen. Das sollte schon so sein, denn es sind ja Festspiele und deswegen, werde ich hier jetzt meinen Mund über die Inszenierung halten und Euch ein bißchen über die "neue" Händeloper, über Hoffnung, Liebe, Leid und von Selbstlosigkeit bis zur Selbstaufopferung berichten:

Aber vorher ein Päuschen.....

......

 

Matthias Rexroth (Quelle: Programm der Oper)...... für Dinner. Zur Feier des Tages - Samstag ist immer ein Tag zum Feiern, da Wochenende und Sonntag frei -  gab es heute als Vorspeise leckeren Schafskäse in hauchdünnen Serranoschinken mit süßen, den Gaumen liebkosenden Honig auf zarten Ruccola Salat ...eigentlich war ich schon nach der Vorspeise satt, aber ich wollte das einfach mal ausprobieren..... und die Hauptspeise konnte ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen. Zusammen mit einem exzellenten Meißner Weißburgunder hatte ich heute Krabben mit Tagliatelle in deliziöser, pepperonischarfer Paprika Sahnesause - köstlich! kann man da nur sagen....  Dessert hatte ich schon von vornherein nicht eingeplant, da ich das sowieso nie schaffe.

Und so gestärkt kann ich jetzt weiterschreiben... und brauche sicherlich morgen kein Frühstück und heute wohl noch einen Grappa ;-)

 

Admeto - Oper Halle 2006Erster Akt: der gutaussehende König Admeto, Matthias Rexroth, kurze Zeit in Koma liegend, kommt plötzlich zu sich und zwitschert den "grausigen Gespenstern" ein paar Zeilen zu, damit sie ihn endlich sterben und nicht in dieser Welt zwischen Tod uns Leben dahinvegetieren lassen. 

Matthias Rexroth hat einen wunderbaren Alto Castrato - nein, natürlich keinen Castrato, wäre ja auch wirklich schade drum ;-) Aber einen wunderbaren Altus, wo Frau sich wiedermal überhaupt nicht mit anfreunden kann - Männer mit solch hohen Stimmen - nee - ich bevorzuge da doch lieber Männer mit Männerstimmen (habe erst gestern eine sehr angenehme gehört...) - aber gut, als Händeloper völlig i.O. ... und um noch eins drauf zu legen, in dieser Händeloper gibt es sogar noch zwei davon. Die Zweite ist die des Trasimede, des Bruders König Admetos (liegt also in der Familie), gesungen von Tim Mead, ebenfalls hervorragend.

Nein, da halte ich mich doch lieber an den schönen Bariton von Raimund Nolte als Ercole oder besser bekannt als Hercules. Ich kann auch nicht verstehen, daß die Frauen alle hinter dem piepsigen Stimmchen hinterher waren?! Gut, er sah super aus, aber stellt Euch mal vor, Abends im.... nein, stellt Euch das jetzt nicht vor, das hatten wir schon bei Teseo und es hat uns erschreckt.

Raimund Nolte (Quelle: Programm der Oper)Naja, König Admeto erwacht jedenfalls (ein wenig) und der herrliche Bariton Hercules besucht ihn um sich von ihm zu verabschieden. Dabei erklärt er ihm, was in dieser Situation jetzt auch sehr wichtig ist, daß seine Heldentaten nur um des Ruhmeswillen und der Ehre geschähen und nicht etwa irgendwelchen Liebesabenteuer wegen - aha, da haben wir den Karrierehungrigen Macho. Ganz im Gegensatz zu den etwas weichlichen König Admeto, der jetzt und im weiteren Verlauf der Oper, nur noch über sein liebeskrankes Herz  jammert.

Romelia Lichtenstein (Quelle: Programm der Oper)Wie gut er es doch hat, daß er so eine starke Frau an seiner Seite hat, die für ihn sogar in den Tod geht. Romelia Lichtenstein singt und spielt perfekt wie immer seine emanzipierte Frau Alceste.

Sie geht aus Liebe zu ihrem Mann in den Tod und wird im zweiten Akt aus dem Hades durch Hercules wieder befreit. Natürlich im Auftrage des Königs. Das wäre ja auch alles super verlaufen, wenn es da nicht dieses klitzekleine Problem mit Antigona, der Prinzessin von Troja, gäbe. Die todgeglaubte und hübsche Antigona kreuzt des Königs Weg und sofort verliebt er sich in sie - das heißt natürlich in ihr Bild, was er dann dauernd mit sich herumträgt. Und jetzt steht er zwischen zwei "toten" Frauen. Alceste, Tod geglaubt in des Hades Armen und Antigona Tod geglaubt, da gefallen im trojanischen Kriege. Jetzt hat er zwei Bilder im Herzen und in unserer Inszenierung auch dauernd in den Händen und weiß nicht, nach welcher toten Frau er sich verzehren soll. Was für ein Glück, daß Hercules seine geliebte Alceste im zweiten Akt aus den Klauen des Zerberus befreien konnte und Antigona eigentlich gar nicht tot ist, sondern gerade als Haushälterin bei ihm anfängt. Oder ist das jetzt doch kein Glück?

Admeto - Händelfestspiele 2006 in HalleNa sagen wir mal so, Glück für ihn, aber Pech für die beiden Rivalinnen. So ein Dilemma - Alceste hätte ihn sausen lassen und lieber diesen gutaussehenden Hercules nehmen sollen und Antigona diesen quirligen Prinzen Trasimede, der über beide Ohren in sie verliebt war. Aber nein, so wie das im Leben ist, geht auch hier nicht alles glatt. Hat man sich einmal verliebt, ist es sehr schwierig dies wieder zu vergessen und einfach einen anderen zu lieben. Da kann der auch noch so toll aussehen und noch so einen super Altus haben, Frau hat einfach kein Aug und Ohr dafür. Es ist vorbei mit allen anderen und man sieht nur noch den Einen. Ist das nicht ein dummes, wirrendes Spiel? Ahhh, da wären wir wieder bei Golo Bergs Knigge Zitat aus dem Verdi-Schiller Opernkonzert vom 28.05.06: "Den Verliebten selbst Regeln über ihren Umgang Gerd Vogel als Meraspe (Quelle: Programm der Oper) miteinander zu geben, das würde verlorene Mühe sein; denn da diese Menschen selten bei gesunder Vernunft sind, so wäre es ebenso unsinnig zu verlangen, daß sie sich dabei gewissen Vorschriften unterwerfen sollten, als wenn man einem Rasenden zumuten wollte, in Versen zu phantasieren, oder einem, der die Kolik hat, nach Noten zu schreien....."

Sehen Sie, Herr Berg, hier passt das jetzt richtig gut, viel besser als damals zu Ihrer "Louis Miller". Und Sie hätten weiter zitieren dürfen: "Die erste Liebe bewirkt ungeheuere Revolutionen in der ganzen Sinnesart und dem Wesen des Menschen.....". Wieso eigentlich nur die erste Liebe? Ich glaube, da liegt Herr Knigge nicht so ganz richtig. Ich glaube die Liebe bewirkt IMMER ungeheuere Revolutionen im Wesen des Menschen. Da kann man sich noch so wehren, es passiert einfach, kommt ganz still und leise auf Katzenpfötchen und dann Peng und man ist getroffen - und kann nur noch an den Einen denken, oder wie in unserer Oper hier, an die Eine. Und hofft (schon wieder diese Hoffnung), daß es ihm oder ihr genauso geht.

Leider war diese Hoffnung in unserer Oper hier vergebens, zumindest für die Meisten der Beteiligten. Das nennt die Menschheit dann Schicksal oder Bestimmung. Seufz - ein schwacher Trost, für den der liebt und nicht das bekommt, was er so begehrt - naja, dann hoffe ich mal, das ich das bekomme, was ich so begehre und fahre jetzt besser fort mit dem dritten und letzten Akt dieser Herzschmerz Oper.

Admeto - Händelfestspiele 2006 HalleDa Admeto immer noch denkt, daß seine geliebte Alceste tot ist, beschließt er, die hübsche Antigona zu heiraten - habe ich schon geschrieben, daß die hübsche Antigona von der hübschen Mechthild Bach wunderbar gespielt und gesungen wurde? - falls nicht, habe ich das hiermit erwähnt. -

 

Zur Hochzeit gibt es dann das dicke Ende. Der eifersüchtige Trasimede versucht seinen Widersacher Admeto zu töten, Alceste kommt dazwischen und rettet ihren Mann und perfekt ist das Chaos. .... tja und das Ende verrate ich Euch natürlich nicht. Schaut Euch das Dilemma selber an. Im nächsten Jahr zu den Händelfestspielen und sicherlich auch zu Händels Geburtstag im Februar. Auch wenn die Inszenierung nicht besonders ist, aber die Stimmen und die Musik sind es und die Handlung ist auch nicht übel..... möchte mal gern wissen, was Händel da so für Erfahrungen gemacht hat, daß er soviel über Liebeskummer zu berichten weiß....

 

Da Liebeskummer etwas mit Liebe zu tun hat und Liebe meist auch etwas mit Romantik, passt hier eigentlich auch ganz gut mein letztes Konzert, welches ich gestern in Dessau besuchte, in diesen Bericht. Ja, ich sehe Euch schon voll Entsetzen auf mich hernieder blicken und denken, so ein hervorragendes Konzert hat doch nun wirklich einen eigenen Bericht verdient -- und ja, ich stimme Euren Gedanken zu, aber ich bin nun gerade so schön im Tippen und die Gedanken fließen so herrlich von meinem Hirn in die gar nicht so schnell wie der Fluss ist tippen könnenden Finger. Da wäre so eine abrupte Unterbrechung dieser tödlich, der reinste Gedankenmord und das wollt Ihr doch hier nicht zulassen - oder?

Das letzte Konzert dieser hervorragenden Saison also. Trauer darüber auf dem einen Auge, aber Vorfreude auf die kommende Saison auf dem anderen Auge. Glücklicherweise beginnt diese schon wieder am 07./08.09.2006, also doch eine recht kurze Wartezeit, die sich ganz gut mit Urlaub und Seminararbeiten überbrücken läßt.... oder mit einem Konzert im Wörlitzer Park......

Aber wollen wir mal nicht von dem reden, was noch kommt, sondern von dem, was gerade war, denn das hat es verdient, daß man darüber spricht!

Schon die Konzerteinführung war wie immer sehr interessant. Ich wusste z.B. gar nicht, daß die Harmoniemusik in den eigenen vier Wänden zum Marketing der Opern in den großen Opernhäusern diente. Kleine Stücke aus den Opern wurden zu Harmoniemusiken umgeschrieben, damit sich das Publikum schon mal auf die Opern einstimmen kann und überhaupt erst Lust bekommt, diesen beizuwohnen. UND! wenn man sich mal das Drumherum Heutzutage und die moderne Technik wegdenkt, kommt man mit den Marketingkonzepten wieder auf den selben Nenner. Haha - jetzt sitze ich hier und lache .... da denken doch die Marketingexperten sie hätten etwas Neues erfunden... das war sehr interessant, Herr Berg, über die Parallelen zu unserer Zeit würde ich da gern ein bißchen mit Ihnen diskutieren. Ich denke, von Ihnen könnte ich noch eine ganze Menge interessanter Sachen lernen.

Auch der Fingerzeig zur Harmoniemusik in der Oper "Don Giovanni" wäre mir nie aufgefallen wenn Sie es nicht gesagt hätten und ich bin erschüttert, wie oberflächlich ich diese Oper doch nur kenne. Ich werde auf alle Fälle bei meinem nächsten "Don Giovanni" in Bad Lauchstädt an Sie denken und darauf acht geben.

 

Mit der erstklassig gespielten Harmoniemusik von Josef Triebensee zu "Don Giovanni" begann dann auch ganz einsam auf der Bühne das Bläserensemble der Anhaltische Philharmonie. Das war wirklich  hübsch, aber noch hübscher war Dvoraks Serenade für Streichorchester. Die habe ich hier, Dank der NAXOS Musiklibrary, auch gerade im Hintergrund laufen. Aber das was Golo Berg da für uns durch den Saal erklingen ließ, gefiel mir besser. 

Ich war ganz erstaunt, daß der Generalmusikdirektor der Anhaltinischen Philharmonie so eine romantische Seite hat und wie wunderbar sanft diese das Orchester durch die hübschen Dvorakschen Melodien führte.... ja, das gefällt mir und ich muß hier wirklich langsam aufpassen.......

.... seufz.... Dvoraks Serenade war wunderschön, aber ich mag trotzdem den "monumentalen" Bruckner lieber. "Nein, Herr Berg, da sind wir nicht einer Meinung. Dvorak ist sehr nett und sie haben da auch sehr meine romantische Seite zum Klingen gebracht, aber Bruckner ist für meine Begriffe sehr viel besser. Ich liebe halt Monumente.... wenn sie so super klingen. Was Sie und die Anhaltische Philharmonie uns da gestern Abend geboten haben, war brillant. Jede Note war perfekt! Ich habe die 4. von Bruckner bist jetzt nicht besser gehört. Und glauben Sie mir, die habe ich schon sehr oft gehört. Seine 4. ist eine meiner Lieblingssinfonien und Sie haben perfekt meinen Geschmack getroffen."

Ich muß ehrlich zugeben, als ich die Karten buchte, war ich sehr skeptisch, ob das Konzert meinen Geschmack treffen würde, der Bruckner ist ziemlich laut und meine Empfindung ist, daß Golo Berg wohl mehr ein Händchen fürs Leise hat. Aber seit einigen Konzerten muß sich da wohl etwas geändert haben. Wie ich oben schon sagte, selbst ich als dummer, musikalisch völlig unbegabter Zuhörer merke da irgendeinen Progress... und nein, das ist keine Einbildung.

Ohhhhhh... jetzt erklingt gerade  der zweite Satz der Serenade im Hintergrund .... wunderschön .... ich muß jetzt mal kurz die Augen schließen und da zuhören.... bin gleich wieder bei Euch......

......

...... vorbei - jetzt der Dritte. Naja, der ist nicht so schön wie der Zweite. Dabei träumt es sich nicht ganz so gut..... obwohl.... och ja.... hübsch... nein, der Zweite gefiel mir besser.

Der Vierte ist wieder wunderbar langsam. Aber ich kann doch nicht schon wieder träumen! Ich sollte mir den Bruckner aus meinem Regal holen. Der stampft mich wieder in den Boden der Realität zurück. Schluß mit der Träumerei!

Also jetzt vom romantischen Dvorak zu Bruckners "Romantischer", die sich mit den ersten Takten des ersten Satzes sanft in mein Herz schleicht und das dann auch mit voller Kraft erklingen läßt. Phantastisch! Sorry, ich mag das Monumentale und liebe diesen Bruckner dafür und danke lieber Herr Berg & liebe Anhaltische Philharmonie, das Ihr mir so ein phantastisches Konzert beschert habt. Ich höre jetzt auf hier mit Tippen. Das wird heute nix mehr. Ich lausche lieber dem Bruckner und denke an das hervorragende Konzert von gestern in Dessau.

 

Eure Jana

 

 

 

 

*Aus dem Programm der Oper Halle zu "Admeto, Re di Tessaglia"; S. VIII