Radiokunst oder der Traum vom Fliegen

 

So sieht es also aus mit dem Kurt Weill Fest 2008, Träume und Fliegen und Radiokunst. 

Schon jetzt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren und man sammelt wie wild Sponsoren. Ohne Sponsor halt nix los in der Kulturszene. Schade, dass sich intelligente Kultur nicht mehr selber trägt, schade, dass so manch Volk nur noch auf Fernsehfutter steht. Da ist es mit dem Volk so wie mit den Katzen, einmal an eine Sache gewöhnt, wollen sie nichts anderes mehr kosten. Obwohl man eigentlich meint, es sind intelligente Tierchen. Gerade jetzt sitzt eins neben mir auf dem Sessel und träumt wahrscheinlich süße Katzenträume. Wahrscheinlich träumt die Katze nicht vom Kurt Weill Fest in Dessau, vermutlich, weil sie es nicht kennt. Genau, wie auch so manch anderer hier um mich herum. Wo ist da jetzt also der Fehler? In der Berichterstattung? Wohl kaum, denn die 1. Pressekonferenz zum Kurt Weill Fest 2008 war sehr gut besucht durch Presse und sogar relativ gut durch politisch- kulturelle Teilhaber. Herr Olbertz, der Sa-An Kultusminister, konnte allerdings dem Ereignis nicht beiwohnen, er hatte einen anderen wichtigen Termin in Frankfurt und schickte den Staatssekretär für solche Fälle, Herrn Dr. Valentin Gramlich vorbei. Persönlich fand ich das auch gar nicht so furchtbar, denn in letzter Zeit lief er mir schon viel zu oft über den Weg und redete seine Reden, dass es gar nicht mehr so wirklich interessant war, nicht zuletzt zum Gipfeltreffen der 6 wichtigsten Dirigenten Sachsen Anhalts, dem G6 Gipfel des "Impuls Festivals" in Halle. Wäre das ein Buch gewesen, und die Reden der politischen Präsenz dort eine Seite, hätte ich dauernd gerufen "Bitte weiterblättern!". 

1. Pressekonferenz zum Kurt-Weill-Fest 2008 in Dessau Umso interessanter war das Podium der diesmaligen Eröffnungspressekonferenz in der Sparkasse Dessau. Hubert Ernst, der Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Dessau, steigt immer mehr auf meiner Beliebtheitsskala. Er ist Präsident der Kurt-Weill-Gesellschaft e-V. und fleißiger Verfechter des kulturellen Lebens Dessaus. Ja, ich meine vielleicht auch, dass Frankfurt etwas größer ist und auch einen tollen Flughafen hat, auf dem man das Land verlassen kann, aber selbst Goethe hielt es dort nicht sehr lange aus und bevorzugte den Osten, genau so, wie ich das kulturelle Dessau dem kulturellen Frankfurt vorziehen würde. Das ist also des Pudels Kern und die Verführung offenbart sich. 

Genau, das ist ein wichtiges Wort für das Kurt Weill Fest 2008. Die Verführung! Die Verführung zum Fliegen und zum Träumen, und so wie es das diesmalige Motto des Kurt-Weill-Festes "Träume" verspricht, würde ich wetten, dass es das Kurt-Weill-Fest auch schafft, uns in die traumhafte Weise in Weillsche Zeiten zu versetzen. Unter vielen interessanten großen und kleinen Highlights zwischen Bauhaus und Anhaltischen Theater treffen wir auch das Unikum HK Gruber mit seinem Ensemble Modern wieder. Unter seinem Taktstock wird das interessanteste für mich, der Lindberghflug mit dem mdr Orchester, ein Konzert fürs Radio geschaffen, sozusagen eine Radiokunst! Ein bisschen erinnert mich diese Wortschöpfung an Filmmusik und ich bin sehr interessiert, ob es wohl ähnlich ist. Das wäre dann auch meine erste Radiokunst, der ich beiwohnen dürfte. Das zweite, was interessant für meinen Geist zu sein scheint, und wegen der Filmmusik eben, ist der Film "Nosferatu" in Begleitung des Filmorchesters Babelsberg mit der ursprünglichen Filmmusik von Hans Erdmann. Originale Töne zu originellem Film im Anhaltischen Theater Dessau. 

Hans Erdmann schrieb seine Filmmelodie 1922 und somit wieder sehr passend zu Kurt Weill, der 1922 mit Zaubernacht eine Kinderpantomime träumte. Wahrscheinlich dachte der allerdings dabei nicht an gruseliges Intermezzo, sondern eher an Feen und Sternenzauber. Naja, Friedrich Wilhelm Murnau brachte seinen Film jedenfalls gleich mal als Uraufführung zu einem Kostümfest unter - hmmm - wohlmöglich also auch eine zauberhafte Nacht im Banne des Nosferatu. Also ich würde sagen das könnte ein gutes Feeling im Anhaltischen Theater geben und man sollte diese Gelegenheit nicht verpassen.

 

Das diesmalige Eröffnungskonzert zum Kurt-Weill-Fest in Dessau brilliert mit dem von Claudio Abbado gegründeten Mahler Chamber Orchestra, Kolja Blacher als Solist und Weills Violinkonzert als Highlight. Auch der "Tango Palast", das Highlight vom letzten Weill Fest, wird wieder aus der Schublade geholt, was meiner Sinne Bauhaus Dessau 2007 Freude entlockt. Wer es dieses Jahr verpasst hat, sollte es sich unbedingt im nächsten ansehen. Es lohnt sich wirklich!

Und weiter dreht sich das Rad der Ereignisse, vom 29. Februar bis 9. März 2008 jagt eine Veranstaltung die nächste und alles passt hervorragend zum Gefühl der 20er/30er Jahre. Ich freue mich schon jetzt auf das Eintauchen in dieses Gefühl, welches das Kurt-Weill-Fest und Dessau jedes Mal schaffen in mir hervorzurufen. Selbst die Umgebung scheint sich jedes Mal dieser Träume anzupassen und wenn man im "Kornhaus" sitzt und wie immer ewig auf die Aufmerksamkeit der Bedienung lauert, kann man wunderbar und tiefgründig die erlebten Ereignisse auseinandernehmen. Das Ambiente dazu versetzt einen in eine andere Zeit und gibt genügend Nährboden für ein wunderbares Gefühl, in dem man ertrinken kann und von dem man die ganze Woche auch nicht mehr auftauchen möchte.

Das ganze Programm ist exklusiv zusammengestellt, jeden Tag spannende Nährböden für dieses Gefühl. Schon am Freitag nach der Eröffnung gibt es im Beatclub Dessau Bernadette La Hengst, wahrscheinlich ganz nach Brecht/ Weillschem Geschmack mit persönlich politischem Spagat*. Ein tolles Eintauchen in ein Beatclubgefühl und in eine interessante Kunstszene. 

Am nächsten Abend schon geht es weiter mit "Somewhere over the Rainbow". Die UdK Berlin präsentiert Träume im Bauhaus und ich denke, das wird mir auch ein gutes Gefühl verschaffen. Das Bauhaus Dessau ist einer meiner Lieblingsorte der Umgebung, denn es liefert Stoff für Monate intellektueller Konversation und wenn man unten in der kleinen Bauhauskantine sitzt, mit einem leckeren Kakao in bauhausiger Tasse, steigt ebenfalls wieder solch gutes Gefühl in einen auf und man möchte unbedingt jede Sekunde davon genießen.

Wenn man das Bauhaus so liebt wie ich, sollte man nicht die Führung am Sonntag morgen verpassen, oder noch besser "Alice in the park with George" im Feininger Haus, eine Musical Comedy von Kerstin Dietrich am Montag Abend und Strawinskys "Die Geschichte vom Soldaten" am Freitag im Bauhaus. 

 

Traumereignisse ziehen sich durch die ganze Stadt Dessau und diesmal sogar bis hin nach Roßlau. Hervorragende Interpreten und spannende Ideen geben sich die Klinken in die Hand und jedes Jahr denke ich, die werden immer besser. Was dieses Jahr schon brillant war wird im nächsten noch übertrumpft und das alles haben wir dem Arrangement des Teams um Clemens Birnbaum, dem Intendanten des Kurt-Weill-Festes zu verdanken. Wie es aussieht haben wir durch diese Arbeit unser jährliches Kulturereignis nun so gut wie sicher, denn so langsam sammeln sich die verschiedensten Sponsoren um dieses Ereignis und gehen nun sogar schon 1. Pressekonferenz Kurt-Weill-Fest 2008 in Dessau: Vertragsunterzeichnung langfristige Zahlungsverpflichtungen ein. Nicht zuletzt gibt es jetzt einen Vertrag mit dem Land Sachsen-Anhalt bis 2009 über eine Unterstützung von 40% der Gesamtfinanzierung, was doch schon eine vernünftige Planungssicherheit bietet. 

Die Unterschrift unter dem Vertrag zusammen mit Fotoshooting ward getan, wie es aussah sogar mit echten Sparkassen Kugelschreibern (wenn das mal nicht ein gutes Ohmen ist) und das Land verschwand alsdann zum nächsten Termin, aber gut, das Wichtigste war somit erledigt und die anderen Spender wollen ja auch noch in Szene gesetzt werden. 

Die  Nord LB z.B., hier in Vertretung von Dr. Lutz Tantow schloss sich ebenfalls dem guten Ziele an, völlig klar, von denen kennt man es ja auch nicht anders. Die Ostdeutsche Starkassenstiftung gab auch noch etwas dazu und bekam ein Foto dafür und jetzt fehlen uns nur noch so ca. 1/2 Million Euro für eine vernünftige Realisierung. Wobei es dem Dessauer Kurt-Weill-Fest ob der immer mehr wachsenden Popularität nicht mehr ganz so schwer fällt, eigen erwirtschaftete Mittel einzubringen. 

"Also, liebe Sponsoren, das ist jetzt DIE Chance sich an einen guten Werbeträger anzuhängen. Das Kurt-Weill-Fest wird immer populärer und trägt somit Ihre geschätzten Namen um den ganzen Globus zu allen Kurt Weill-, Bertholt Brecht- und Bauhaus Liebhabern, die es gibt auf der Welt und das sind nicht wenige!" 

 

 

Ich denke, auch dieses Weill Fest, zusammen mit dem Bauhaus, wird uns wieder in die Weillsche Zeit versetzen und ich bin sehr froh, dass es dieses überaus hervorragende Abtauchen in eine so brillante Kultur gibt, denn ich mag die Kultur dieser Zeit.

Ich freue mich wahnsinnig auf das Mahler Chamber Orchestra, Bernadette La Hengst, HK Gruber & das Ensemble Modern, die Sinfoniker, auf die Ideen der Studenten der UdK Berlin, auf die Gregor Seyffert Companie Dessau, auf Ian Bostridge und Sophie Daneman, auf Lea Singer, Nini Stadlmann und Alexander Klein, auf Antje Rietz, dem Anke Helfrich Trio, Klaus Doldinger, Schneewittchen und natürlich auch auf das Anhaltische Theater Dessau.

 

Und wer das auch tut, sollte sich so schnell wie möglich Karten dafür besorgen, denn die sind meist sehr schnell vergriffen und der Vorverkauf läut schon seit dem 19.11.2007.

 

 

 

 

 

Eure Jana

 

 

 

 

 

*Szenenmagazin Spex/ Programm Kurt-Weil-Fest 2008

 

Vielen Dank an Artefakt Kulturkonzepte und Projekt Management in Berlin.

© Fotos: Thomas Beyer