Imeneo 
(Aufführung im Opernhaus Halle zu den Händelfestspielen 2003 in Halle/ Saale)

...ein bißchen Einführung...

Nach dem Besuch des Eröffnungskonzertes war der Besuch eines weiteren Höhepunktes der Händelfestspiele geplant. Eigentlich war es reiner Zufall, daß ich mir die Operetta Imeneo ansah. 
Meine Freundin Uli kam mich zum Wochenende 13./14./15.06.03 besuchen und ich beschloß, ihr, aus gegebenen Anlass, unsere Händelfestspiele zu zeigen. Imeneo hat da sehr gut in die Zeit gepasst. Die Aufführung war am 14.06.03. und so besorgte ich Tickets für uns - ohne überhaupt zu wissen, um was es bei der Operetta ging. Ich wusste noch nicht einmal, daß es eine Operetta war. Nein, keine Operette, eine Operetta, also eine kleine Oper. Wir saßen gleich in der ersten Reihe -
also wenn, dann richtig. 
Ich kenne das schon vom Theater. Als wir das erste mal in London im Theater waren, saßen wir im Rang (Balcony) und das war dann doch ein bißchen weit weg. Danach besorgten wir uns immer Parkett-Plätze (Stall). Viel besser! Diesen Erfahrungen nach versuchte ich natürlich Plätze in der 3. oder 4. Reihe zu bekommen - keine Chance - alles ausverkauft. Aber glücklicherweise waren da noch zwei Plätze in Reihe 1 - Platz 10 und 11. Ich konnte mich überhaupt nicht mehr erinnern, wo die Plätze genau waren. Ich konnte mich noch nicht mal erinnern, wie das Opernhaus von innen aussah. Was für eine Schande - ich weiß. Da geht man fast jeden Monat in London ins Theater und kennt noch nicht mal seine eigene Stadt - Asche auf mein Haupt. 

http://www.opernhaus-halle.de/Natürlich sind wir viel zu zeitig losgefahren. Ich habe wieder eine Stunde Stau und eine Stunde Parkplatz suchen einkalkuliert ;-). Selbstverständlich waren wir in 10 min da, haben aber dadurch noch einen wunderbaren, kostenfreien  Parkplatz ergattert und hatten sogar noch Zeit, beim Griechen um die Ecke etwas zu essen. Die Restaurant-Gäste schauten uns ein bißchen merkwürdig an und der Kellner war doppelt so freundlich. Ob das an unseren Abends-in-die-Oper-aus-geh-Sachen lag? War wohl etwas zu exotisch für Halle <grins>. Ich denke, den Griechen kann man weiterempfehlen. Sie waren sehr schnell mit unserem Salat und auch mit dem kassieren, so daß wir es bequem und pünktlich in die Oper schafften. Ich breche ja bei solchen Sachen immer leicht in Panik aus, aber Uli, als ruhiger Pol, hatte mich voll im Griff ;-).

.... zur Sache....

Langsam füllte sich das kleine Opernhaus. Ich mag solche kleinen Gebäude, ähnlich wie in London die Theater. Leider ist es innen ein bißchen moderner als die Londoner Theater. 
Ich denke, das haben sie zu Ost-Zeiten umgebaut, als es noch "Theater des Friedens" hieß. Aber egal, es geht ja nachher das Licht aus ;-) und wir sind nicht hier, um das Bauwerk zu begutachten. Und ich wollte eigentlich nicht so viel palavern.

Nachdem das Orchester Platz genommen hatte, kam der Dirigent. Alles klatschte und mich freute es, daß es der selbe war, wie beim Eröffnungskonzert. So ein schöner Zufall :-).
Die Operetta war in Italienisch mit deutschen Übertiteln. Alles ganz gut handhabbar. Allerdings gab es am Anfang ein paar Pannen mit den deutschen Übertiteln  - aber gut, so konnte man sich vollkommen auf diese wunderbaren Stimmen konzentrieren. Bitte erwartet hier von mir nicht eine professionelle Kritik. Das würde ich mir nie erlauben, da ich überhaupt keine Ahnung von Opern, geschweige denn von Stimmen, habe. Ich kann nur meine Eindrücke wiedergeben und die waren überwältigend.

Aber ich denke, bevor ich mit meinen Eindrücken weitermache, erst mal eine kurze Synopsis zur Handlung:

IMENEO (Quelle: Programm Imeneo - Opernhaus Halle; Fotos von der Website des mdr)

Erster Akt

Tirinto beklagt den Verlust seiner Liebsten Rosmene, die wie Clomiri als jungfräuliche Priesterin im Dienste der Ceres steht und beim Brandopfer von Piraten entführt worden ist. 
Clomiris Vater Argenio hat keine Nachrichten über das weitere Schicksal der beiden. Tirinto bittet den Gott der Liebe, die Mädchen auf seinen Flügeln zurückzubringen.
Argenio erwartet die Rettung und die Bestrafung der Frevler von Ceres. Vorausgreifend kündet der Chor Imeneo und Amor an und fordert zur Hoffnung und Freude auf.
Als Tirinto in blinden Aktionismus zu fallen droht, erscheint Imeneo. In Frauenkleidern am Ceres-Opfer beteiligt, wurde auch er entführt. Als die ermüdeten Piraten eingeschlafen waren, entriss er ihnen ein Schwert und tötete sie. Als Dank erwartet er die Hand Rosmenes, und Argenio sagt ihm dafür Beistand zu. Darauf hin erst erspäht Imeneo die beiden Mädchen.
Wegen der Bestimmtheit von Imeneos Forderung kann Tirinto seine Erwartungen an Rosmene kaum formulieren, und Clomiri sieht ihre Hoffnung auf Imeneo schwinden. Argenio vergleicht Tirintos Eifersucht mit dem Dunkel der Nacht, in dem zwei brennende Herzen um so heller erstrahlen.
Rosmene sagt Imeneo zu, nicht undankbar zu sein. Tirinto versichert sie, daß ihr Herz nur ihm gehöre.
Tirinto lehnt es Imeneo gegenüber ab, die Göttin seines Herzens herzugeben.
Imeneo weist Clomiris Werbung ab - er wolle allein sein mit seinen Seufzern. Betörend malt sich Clomiri die fremde Liebe aus, der sie ihr Glück opfern müsse.
Imeneo suggeriert sich, daß er um sein Glück mit Rosmene nicht fürchten müsse. Er vergleicht sich mit dem Retter der Turteltaube, der den Sperber erschlug.

Zweiter Akt

Rosmene bittet die Götter um Beistand, weil ihre Gefühle sie all zu sehr quälen.
Argenio macht sich zum Sprachrohr der Gesellschafts- und Staatsraison; sie verlange, daß Rosmene sich für Imeneo entscheide. Um die Bedeutung der Dankbarkeit zu unterstreichen, benutzt er den Vergleich mit einem Löwen, der seinen Gegner, der ihm einst einen Dorn aus dem Fuß gezogen, nicht tötet, sondern küsst.
Quelle: Artour Rosmene ist verwirrt. Sie mahnt das Närrchen Clomiri, sich vor Amors Pfeil in Acht zu nehmen.
Clomiris Bericht, sie habe Rosmene in tiefen Schmerz angetroffen, verstärkt bei Tirinto die aufkommende Eifersucht. Er vergleicht sie mit einem Wölkchen, aus dem es später furchtbar donnert und blitzt.
Imeneo gegenüber behauptet Clomiri, Rosmene liege mehr an dessen Wohl als an der Linderung ihres eigenen Leids. Imeneo gesteht sich, daß die Liebe Schmerz verursacht, und wählt zum Vergleich das Spielen mit Rosen und die Anziehungskraft der Flamme auf den Falter.
Argenio erklärt, dass Rosmene Imeneo zugesprochen sei. Sie solle entscheiden, wen sie heiratet. 
Imeneo und Tirinto werben um Rosmene, die sich nicht zwischen Untreue und Undankbarkeit entscheiden kann. Allen drei wäre der Tod lieber als diese Qual.
Der Chor meint, Imeneo werde Rosmenes Herz besiegen.

Dritter Akt

Von Imeneo und Tirinto zur Entscheidung aufgefordert, Quelle: Gert Kiermeyer erlebt Rosmene Liebe und Dankbarkeit als Tyrannen, die ihr den Tod geben. Sie geht und lässt ihr Herz zurück, nach dessen Urteil sie dem Liebenswürdigeren Treue versprechen wird.
Imeneo wie auch Tirinto wollen sterben, falls Rosmene sich für den Nebenbuhler entscheidet. Mit Herzklopfen erwartet Tirinto voller Furcht die Entscheidung.
Weil Clomiri Imeneo liebt, wünscht sie, daß Rosmenes Entscheidung zu seinen Gunsten ausfällt. Doch möge er SIE nicht vergessen. Imeneo tut, als verstehe er sie nicht, und bittet sie, als sie gegangen ist, dafür um Verzeihung. Rosmene beschließt weise zu handeln und sich irre zu stellen. Sie verbittet sich Imeneos Eifersucht, und Imeneo ersucht sie, ihm auch das Leben zu nehmen, wenn sie ihm den Frieden rauben wolle. Das nämliche Anliegen hat auch Tirinto. 
Clomiri macht die Ansprüche der Männer dafür verantwortlich, Rosmene in den Wahnsinn getrieben zu haben.
Rosmene beschwört Radamantos Schatten, der statt ihrer entscheidet, indem er mit dem Schwert ihr Herz spaltet. Rosmene "stirbt" und sinkt dabei in die Arme Imeneos und Tirintos. Dann schickt sie Tirinto weg.
Quelle: mdrRosmene erklärt Imeneo, daß sie seinem Verlangen schon lange nachgab. Tirinto gegenüber behauptet sie, man habe sie gezwungen, ja zu sagen.
Beide Männer glauben noch immer, daß Rosmene ihre Entscheidung nicht im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte getroffen hat.
Rosmene vergleicht sich mit einem Schifflein, das vom Unwetter von einem Gestade an ein anderes getrieben worden ist. Tirinto solle nicht missfallen, was sie erfreut.
Der Chor plädiert dafür, in der Liebe Vernunft walten zu lassen.

 

Meine Eindrücke

Das Bühnenbild und die Kostüme gefielen mir sehr gut. Nicht so schrill und "modern", wie es jetzt immer üblich ist. Wie beispielsweise zum "Wiener Blut", hier am halleschen Opernhaus. Das war doch erschreckend! Ich kann mir gar nicht vorstellen, daß DAS dem Publikum gefallen soll, vor allem, da die meisten Zuhörer ja Rentner sind. Das muß doch nicht gleichzeitig heißen, daß sie blind sind. Meine Eltern haben sich "Wiener Blut" angesehen und waren erschrocken. Nee, das war nix für's ältere Semester. Und ich mit meinen paar in die Dreißig finde es auch nicht so toll. Ich hoffe, ich klinge jetzt nicht altmodisch?!?  

Aber das hier war genau abgestimmt. Vielen Dank an Frank Philipp Schlössmann, daß er es nicht übertrieben und das richtige Maß gefunden hat. Naja, Clomiri mit schwarzer Hornbrille und Schleifchen im Haar war ein bißchen gewöhnungsbedürftig, aber er wird sich schon etwas dabei gedacht haben - oder eher nicht? Aber ich will nicht meckern, die restlichen Kostüme waren meiner Meinung nach passend. Sehr gut auch das machomäßige Erscheinungsbild des Imeneo, was sicherlich 'ne Menge Frauenherzen schmelzen ließ (daß meiner Freundin eingeschlossen ;-). Im Gegensatz zu dem eher bübchenhaft wirkenden Tirinto. 
Eine gute Darstellung des zerteilten Herzens, war auch das zerteilte Kleid der Rosmene zum Beginn des dritten Aktes. Überhaupt war der Wechsel zwischen zweitem und dritten Akt (mit Pause zwischendurch) sehr gut gelungen.

Es ist schade, daß die 3 Akte so schnell vorbei gingen. Die Stimmen waren wundervoll und unser Orchester erstklassig. Mit neuseeländischen Dirigenten - warum auch nicht. Es war eine gelungene Zusammenarbeit. Es passte alles perfekt. Uwe Grodd dirigierte mit Schwung und es klang überhaupt nicht eintönig. Die Melodien waren wunderbar.  Mir, als Leihe, gefiel es sehr gut (und der Dirigent war mir sehr sympathisch ... - ok - weiter im Text ;-). Viel besser als die anderen Händelopern, die ich kenne. Ich überlege schon die ganze Zeit, aber ich finde hier nichts zu meckern.

Da ich tiefe Stimmen sehr mag, gefiel mir natürlich Gregory Reinharts Bass am besten. Eine Wahnsinns Stimme, so laut und kräftig - wow! Ich habe schon überall Mikros und Verstärker zu finden versucht. Aber das war wohl doch echt. Nicht zu glauben. Er sang den Argenio. 
So eine klare kräftige Stimme. Das hat mich an unserem letzten Konzert in der Royal Albert Hall in London erinnert - "The Night of 1000 Voices". Da sang ein riesiger Chor (1000 Voices halt) und der Bass als Solist übertönte den ganzen Chor. Das hat mir nahezu die Sprache verschlagen, und so etwas kommt echt selten vor ;-)
Sehr gut fand ich auch im schrillen Outfit - wie oben schon erwähnt - Clomiri. Gesungen von Marina Rüping. Da sie Hallenserin ist, machte mich das richtig stolz. Sieht aus, als hätte Halle da doch etwas zu bieten. Ich hoffe, ich werde sie noch oft sehen und hören können und wünsche viel Erfolg für die weitere Laufbahn.
Otto Katzameier sang und spielte den Imeneo hervorragend. Meine Freundin schwärmt noch jetzt von seinem Hüftschwung ;-). Das heißt, er konnte singen und auch noch wunderbar dazu seine Rolle spielen. Da wir ja in der ersten Reihe saßen, konnte man seine Gesichtsmimik sehr gut erkennen. Es war ein Fest zuzuschauen. Er war richtig mit seiner Rolle verbunden - nicht zu übertreffen. Natürlich liebte ich auch seine Stimme, war ja Bass
(denke ich zumindest). Nicht so tief, wie Gregory Reinharts, aber wirklich nicht übel. 
Ulrike Schneider spielte und sang den Tirinto. Wie es aussieht, haben sie keinen Kastraten mehr gefunden ;-). So mußte sie als Frau herhalten und sich in Männersachen stecken lassen und sich auch noch wie ein Mann benehmen. Das war bestimmt nicht einfach. Es beeindruckte mich, wie sie es so gut hinbekommen hat. Es war kein Fehler zu finden. Die Schritte, die Haltung, alles war perfekt abgestimmt. Natürlich hatte sie eine klare, hohe Stimme. Am besten gefiel sie mir im zweiten Akt, als sie das Wölkchen zum Donnern bringt. Da war echt Power dahinter!
Die hübsche Rosmene, gesungen von Alexandra Coku - kein Wunder, daß die beiden Männer hinter ihr her waren. Eine hübsche Frau und eine noch bessere Stimme. Sie hatte es wirklich nicht einfach mit den beiden Männern. Kann ich verstehen. Männer können einen wirklich manchmal in den Wahnsinn treiben ;-) und das hat sie sehr gut dargestellt. Besonders schwierig, denke ich, war das Singen im Liegen. Sie hat mich wirklich beeindruckt. 
Im Großen und Ganzen waren die Sänger sehr gut ausgewählt. Es hat mir auch gefallen, daß es eine internationale Besetzung war. Die Stimmen passten sehr gut zusammen und das Orchester untermauerte jeden Schritt ohne zu übertreiben. Es war wirklich eine gute Arbeit von allen Beteiligten. Vielen Dank. Ich habe es sehr genossen.

Eure Jana :-)

.... übrigens gibt es am 29. Februar 2004 eine Wiederaufführung im Opernhaus Halle. Sehr empfehlenswert!

.... und am 06. März 2004

.... und im Rahmen der Händelfestspiele 2004 am 09. Juni 2004 zum letzten Mal.