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Ja genau, Ihr habt richtig gesehen. Das sind Noten ;-). Ich weiß ja, daß Halle kein Mensch kennt, aber Händel kennt Ihr alle. Es wird doch aber jetzt keiner fragen wollen, was Händel mit Halle zu tun hat?!  Halle ist seine Geburtsstadt. Ja, eine Kleinigkeit hat Halle auch zu bieten. Georg Friedrich Händel wurde am 23. Februar 1685 in Halle an der Saale geboren. Leider blieb er nicht lange hier.... Er wird schon gewusst haben, warum er aus Halle auswanderte ;-). Ehrlich gesagt, man kann es ihm nicht verübeln. Na gut, so schlimm ist Halle nun auch wieder nicht. Es hat viel Nettes zu bieten - unter anderem auch die Händelfestspiele. So, jetzt wisst Ihr auch warum diese Seite. Die diesjährigen Händelfestspiele fanden  vom 05. bis 15. Juni 2003 in Halle statt und ich denke, sie sind es wert, daß man darüber ein paar Worte verliert.

Ich lebe schon seit meiner Geburt in Halle, aber dieses Jahr kam ich auf die gute Idee endlich mal an den Händelfestspielen teilzunehmen. Ja, ich weiß, es ist eine Schande, aber irgendwie habe ich in diesem Jahr das Bedürfnis nach Kultur. Vermutlich liegt es daran, daß man älter - und vielleicht auch weiser wird. Oder daß ich die letzten Jahre zuviel mit Mineralien, Zeichnen, Inline skaten und anderen interessanten Sachen beschäftigt war und keine Zeit hatte. Jedenfalls beschloß ich am 05. Juni zur Eröffnung der Händelfestspiele zu gehen. Meinen besten Kumpel Thomas brauchte ich nicht zu überreden. Er liebt schon lange klassische Musik. Also war die Sache beschlossen :-).

Festakt mit Festkonzert zur Eröffnung der Händelfestspiele am 05. Juni 2003 

Der Festakt zur Eröffnung fand in unserer neu gebauten Georg-Friedrich-Händel-Halle statt. Es ist ein modernes Gebäude und sieht ganz nett aus, aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Der Empfang jedenfalls ist wunderbar. Schön viel Platz,  so daß man, wenn man früher da ist, noch einen Happen essen und sich gut unterhalten kann. Wir waren ein bißchen früher da, um noch einen Parkplatz zu ergattern. Wäre aber gar nicht nötig gewesen. In der Tiefgarage war noch genügend Platz, obwohl an der Anzeigetafel stand, daß nur noch 6 Plätze frei wären - also nicht beirren lassen, falls sich mal jemand dahin verirren sollte ;-). Muss wohl ein Programmierfehler gewesen sein.

Dieses Mal saßen wir auf der Empore. Da waren die Plätze nicht so teuer... naja, dachten wir uns, man muß ja nicht unbedingt was sehen - Hauptsache gut hören ;-).

Der Preis war somit o.k. - 30 Euro. Immer noch ein bißchen billiger als die Theater in London. Leider waren auf der Empore nicht alle Plätze besetzt. Bei uns in der Nähe saßen unser ehemaliger Oberbürgermeister Dr. Klaus Rauen und der Intendant vom "neuen theater" Peter Sodann. Sieht so aus, als waren die Plätze doch nicht so schlecht gewählt. Ja und so war es dann auch. Wir hatten einen wunderbaren Blick zur Bühne. Kann man wirklich weiter empfehlen.

Der Festakt begann sehr gut mit Georg Friedrich Händels "The King shall rejoice" (Anthem für die Feier des Friedens von Dettingen), gespielt vom Händelfestspielorchester des Opernhauses Halle. Dirigiert hat Uwe Grodd. Phantastisch! Hat mir sehr gut gefallen. Danach kam der langweilige Teil. O.k., ich verstehe ja, daß zu einem Festakt Reden gehören, aber muß es denn gleich so unendlich lang sein???? Ich hätte da einiges zusammengestrichen, aber ich habe ja keine Ahnung von solchen Dingen. Allerdings weiß ich jetzt, warum noch so viele Plätze frei waren. Andere hatten wohl Ahnung ;-).

Es begann mit einer Begrüßung durch unsere Oberbürgermeisterin, Ingrid Häußler. "Sehr interessant" - mindestens 30 Minuten irgendwelchen Leuten gedankt. Ich hoffe, die haben alle für die Händelfestspiele gesponsert und machen es auch nächstes Jahr, damit es sich auch gelohnt hat. Halle hat ja leider kein Geld und wenn ich sie richtig verstanden habe, hatten wir Glück, daß es dieses Jahr überhaupt noch etwas geworden ist. Traurig, traurig. Ein bißchen Kultur und internationale Bekanntheit schadet Halle überhaupt nicht. Würde noch fehlen, daß sie die Händelfestspiele kippen!!! Aber möglich ist ja heut zu Tage alles :-( Kurz und knapp - will mich hier eigentlich nicht lange aufhalten - die Rede war furchtbar. Es kam mir vor, als ob sie sie vorher noch nie gelesen hat. Aber wie gesagt, ich weiß ja mit solchen Dingen nicht Bescheid - sorry für die Bemerkung. 

Danach sprach Prof. Dr. habil. Wolfgang Böhmer, der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt. Und der war sogar persönlich anwesend. Ja! Das ist eine große Ehre, denn der Rest der Redner schickte eine Vertretung. Da sieht man mal, wie wichtig es unseren Politikern ist.
Naja, wenigstens war die Rede gut und noch wichtiger, er versprach, daß wir auch nächstes Jahr das Geld für die Händelfestspiele bekommen. Das beruhigt mich jetzt ein bißchen :-). Im Großen und Ganzen würde ich sagen, daß der Mann mir sympathisch ist - gute Wahl!

Danach kamen die beiden fehlenden Redner, Dr. Christa Weiss (Staatsministerin für Kultur und Medien) und Monsieur Jean-Jacques Aillagon (Minister für Kultur und Kommunikation der Republik Frankreich), welche auch Schirmherren der diesjährigen Händelfestspiele waren. Wie gesagt, schickten sie leider nur eine Vertretung. An die Vertretung kann ich mich nicht erinnern. Ich glaube, der Vertreter des Ministers war der Botschafter der französischen Botschaft. Irgendwie habe ich wohl nach Rede Zwei etwas abgeschalten und mir den Konzertsaal, das Orchester und den Chor angesehen. Der Konzertsaal ist sehr modern und gefällt mir eigentlich ganz gut. Zur Akustik kann ich nichts weiter sagen, da ich kein Gehör für so etwas habe. Jedenfalls habe ich alles verstanden und der Klang war gut in meinen Ohren. Eine Orgel haben sie auch und sie passt sehr gut in den modernen Saal. Allerdings haben wir nach den Reden ein Orgelkonzert gehört und das klang, meiner Meinung nach, ein bißchen blechern. Keine Ahnung, ob das an der Orgel, oder einfach nur an dem Stück, das gespielt wurde, lag. Der Organist, Erwan Le Prado, hat sich jedenfalls ganz schön ins Zeug gelegt. Das konnte man von der Empore aus sehr gut sehen. Ich war beeindruckt, wie ein einzelner Mensch so viele Tasten bedienen konnte - ein richtiger Ganzkörpereinsatz, Hände und Füße. Es sah beeindruckend aus. Er hat bestimmt jeden Abend Muskelkater. Das schien viel besser als Fitnesstudio ;-). Das Stück gefiel mir allerdings überhaupt nicht - blechern - aber vielleicht lag es ja wirklich an der Orgel oder an meinem nichtvorhandenen Gehör für Musik. Welches wiederum beim Chor (Choeur des Musiciens du Louvre) aus Grenoble richtig frohlockte. Wunderbar! Da gibt es nichts zu meckern. Sie sangen perfekt und ich hätte stundenlang zuhören können. Herrliche Stimmen, ich bin immer noch begeistert. Meiner Meinung nach hätten sie die Reden auf die Hälfte der Zeit kürzen sollen und lieber diesen tollen Chor noch ein bißcheUwe Groddn mehr arbeiten lassen. Genauso erging es mir mit dem Händelfestspielorchester des Opernhauses Halle. Keine Ahnung, ob es an dem brillanten Dirigenten Uwe Grodd lag oder am Orchester selbst. Wahrscheinlich an der Zusammenarbeit beider - es war ein Erlebnis. 
Schade, daß sie die beiden Orchester des Opernhauses Halle auf eins zusammenstreichen wollen - wieder Geldmangel. Und wenn unsere Damen und Herren der Regierung auch noch die Subventionen für das bißchen Kultur, das wir hier haben, kürzen wollen, dann haben wir bald gar keine Kultur mehr. Kein Wunder, daß die Pisa Studie so schlecht für Deutschland ausfiel. Am Ende ziehen wir hier eine ganze Armee kleiner fernsehverblödeten Idioten groß. Die setzen sich dann in einen Big Brother Container und werden Superstars. Da sie damit leider nicht unsere Renten verdienen können, dürfen wir bis 80 arbeiten. - Was meint Ihr? 67? Quatsch, bis ich in Rente gehe sind sie bei 80 angekommen. Oh - jetzt bin ich doch tatsächlich vom Thema abgekommen - sorry - wo war ich?

Nach der Pause und dem Anstehen an den Toiletten (wie immer bei den Damen - sie hätten ja auch wirklich zwei Anlaufstellen einrichten können, wenn sie schon neu bauen!) - ging es Gott sei Dank ohne Reden, mit Musik weiter. Und das hat sich gelohnt! Für das nächste Mal weiß ich, zur Eröffnung erst nach der Halbzeit kommen. Den Anfang kann man beruhigt verpassen ;-).
Der zweite Teil war mehr als gelungen. Wunderschöne Stimmen, Sopran (Gaelle Le Roi) und Alt (Sylvie Althaparro) in Begleitung einer Trompete (Reinhold Friedrich) und einem Bass (Daniel Djambazian). Die Stimmen sind so klar und laut, immer wieder faszinierend.

Das Programm sah so aus:

"Zadok the Priest" - Anthem I aus Coronation Anthems für Georg II

"Enternal source" - Arie für Alt und Trompete aus der Ode for the Birthday of Queen Anne

"Let the bright Seraphim in burning row" - Arie für Sopran und Trompete aus dem Oratorium Samson

"The King shall rejoice" - Anthem III aus Coranation Anthems für Georg II.


Seit 23.Juli 2003